Die Journalisten Axel Hemmerling, Ludwig Kendzia, Martin Knobbe und Maik Baumgärtner (von links) sitzen an einem Tisch
Bei zahlreichen Treffen - wie hier im MDR Landesfunkhaus in Erfurt - haben die Kollegen ihre Recherchen besprochen. Bildrechte: MITTELDEUTSCHER RUNDFUNK

Armenische Mafia in Deutschland Die Geschichte einer Recherche

Ein halbes Jahr lang hat ein gemeinsames Team aus SPIEGEL- und MDR-Reportern über die armenische Mafia in Deutschland recherchiert. Seit Freitag werden die Ergebnisse veröffentlicht. Ein langer Weg von der ersten Information bis zur fertigen Story. Ein Blick hinter die Kulissen dieser Kooperation.

von Ludwig Kendzia

Die Journalisten Axel Hemmerling, Ludwig Kendzia, Martin Knobbe und Maik Baumgärtner (von links) sitzen an einem Tisch
Bei zahlreichen Treffen - wie hier im MDR Landesfunkhaus in Erfurt - haben die Kollegen ihre Recherchen besprochen. Bildrechte: MITTELDEUTSCHER RUNDFUNK

Wer im Berliner Spiegel-Büro wichtige und vertrauliche Informationen besprechen will, der trifft sich in der Abstellkammer. Genauer gesagt, in einem kleinen Lagerraum. Ein Schrank, ein Glastisch, ein paar Stühle, zwei Computer und eine kleine Tafel. Diese ist, an einem immer noch sehr warmen Septembertag dieses Jahres, vollgeschrieben. Namen, Daten, Firmen, Thesen, offene Fragen. Auf was wir da schauen, sind die Ergebnisse der bis dahin gelaufenen Recherche. Wir, das sind Maik Baumgärtner, Jörg Diehl und Martin Knobbe vom Nachrichtenmagazin "Der Spiegel" und Axel Hemmerling und ich von MDR THÜRINGEN.

Wie alles begann...

Begonnen hatte alles im Mai dieses Jahres mit einem Anruf der Spiegel-Kollegen. Sie hätten da ein paar Hintergrundinformationen zu Diplomaten, möglicher Bestechung und Spuren zu armenischen Mafiagangstern. Ob wir Interesse hätten, uns das mal anzuschauen? Ja, hatten wir.

Vier Männer sitzen vor einem großen Bildschirm
Wie ein Puzzle werden einzelne Recherche-Ergebnisse zusammengesetzt. Bildrechte: MITTELDEUTSCHER RUNDFUNK

Kooperationen zwischen Medien, auch öffentlich-rechtlichen und privaten, sind in der deutschen Presselandschaft nicht neu. Da gibt es beispielsweise den Rechercheverbund zwischen der Süddeutschen Zeitung, NDR und WDR. Der Spiegel geht das anders an und sucht sich für einzelne Projekte Partner. In diesem Falle uns - da Axel Hemmerling und ich bereits seit 2014 für den MDR über die armenische Mafia berichten.

Mit den Ausgangsinformationen der Spiegel-Kollegen begannen wir in unserem eigenen Archiv zu suchen. Wir hatten Namen, Adressen und einige Firmen. Über Wochen wurden diese abgeprüft, verdichtet, bewertet und auch wieder verworfen. Doch das gehört zu solchen Recherchen dazu. Hinzu kam, dass zwei Recherchepartner auch wesentlich mehr Zeit und Ressourcen in ein solches Projekt stecken können, als wenn man alleine arbeitet. Der Spiegel hat eines der umfangreichsten Pressearchive der Welt, deutschlandweit Quellen und Informanten. Wir beim MDR hatten bereits über Jahre dutzende Namen, Daten und Ermittlungsakten über die armenische Mafia zusammengetragen.

Wie an behördliche Dokumente kommen?

An diesem warmen Septembertag in der Abstellkammer in Berlin standen die Ergebnisse dieser Arbeit auf der weißen Tafel. Das alles war spannend und vieles legte nah, dass die armenische Mafia in Deutschland offenbar millionenschwere Geschäfte abwickelt. Führen vielleicht sogar Spuren bis in diplomatische Kreise? Dafür fehlen bisher die behördlichen Dokumente. Unser Team wusste, dass das Bundeskriminalamt, ein halbes Dutzend Landeskriminalämter, der Bundesnachrichtendienst und Europol seit Jahren Informationen über die armenische Mafia gesammelt hatten. Damit kamen wir an den kitzligen Punkt: Wie kommen wir an behördliche Papiere heran?

Die wichtigste Regel im Journalismus lautet: Quellenschutz. Daher kann nicht gesagt werden woher und wie das Team an geheimgehaltene oder vertrauliche Papiere gelangt ist. Aber, sie liegen vor. Sie bilden eine wichtige Datengrundlage und das Fundament für die gemeinsame Geschichte. Doch wie im wahren Leben sind Menschen immer noch die besten Quellen. Das Reporterteam hat daher viele Gespräche geführt, mit Ermittlern, Experten, Insidern, Staatsanwälten und Politikern. Daraus ließ sich im Laufe der Monate das Bild zusammenbauen, das dann zu einer Story wurde. Schlussendlich waren auch Kollegen einer renommierten armenischen Investigation-Onlineseite behilflich. Sie haben mit unseren Informationen in Armenien vor Ort recherchiert. Das alles liegt nun vor und Leser, Hörer und Zuschauer können sich selber ein Bild machen.

Quelle: MDR THÜRINGEN

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Dieses Thema im Programm: MDR THÜRINGEN - Das Radio | Fazit vom Tag | 02. November 2018 | 18:10 Uhr

Zuletzt aktualisiert: 07. November 2018, 11:58 Uhr

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