Mehrere Menschen sitzen in einem Saal auf Stühlen
30 Interessierte kam am Mittwochabend nach Erfurt, um sich über die aktuelle Suche für ein Atom-Endlager zu informieren. Bildrechte: MDR/Franziska Grewe

Info-Abend in Erfurt Suche nach Endlager für Atommüll auch in Thüringen

Deutschland will bis 2022 alle Atomkraftwerke abschalten. Noch ist unklar, wo der atomare Müll künftig gelagert werden soll. Auch Thüringen ist dafür im Gespräch. Am Mittwoch informierte das Bundesamt für kerntechnische Entsorgungssicherheit (BfE) in Erfurt.

Mehrere Menschen sitzen in einem Saal auf Stühlen
30 Interessierte kam am Mittwochabend nach Erfurt, um sich über die aktuelle Suche für ein Atom-Endlager zu informieren. Bildrechte: MDR/Franziska Grewe

Deutschland will bis 2022 alle seine Atomkraftwerke abschalten. Wo der atomare Müll aus den Anlagen künftig lagern soll, ist aber längst nicht geklärt. Auch Thüringen ist im Rennen. Das hat der Präsident des Bundesamtes für kerntechnische Entsorgungssicherheit, Wolfram König, am Mittwochabend in Erfurt verkündet.Thüringens geologische Voraussetzungen würden unvoreingenommen und gleichberechtigt mit anderen Ländern geprüft.

Seit 2017 regelt ein Gesetz, dass in ganz Deutschland nach einem Standort für ein Endlager gesucht werden muss. Das für diese Suche zuständige Bundesamt für kerntechnische Entsorgungssicherheit lädt deshalb in allen Landeshauptstädten zu Infoabenden ein. Ziel des aktuellen Suchverfahrens sei es, den am besten geeigneten Standort für Atommüll in Deutschland zu finden. Etwa 30 interessierte Bürger und politische Vertreter waren am Mittwoch gekommen, um sich über den aktuellen Stand der Suche zu informieren.

Ist Thüringen in der engeren Wahl für ein Atommüll-Endlager?

Wolfram König, Präsident des Bundesamtes für kerntechnische Entsorgungssicherheit (BfE)
Wolfram König, Präsident des Bundesamtes für kerntechnische Entsorgungssicherheit (BfE) Bildrechte: MDR/ Franziska Grewe

Auch wenn der Freistaat schon im Gespräch war: Das Bundesamt für kerntechnische Entsorgungssicherheit sagt dazu erst mal nichts Konkretes. 2015 hatten Geologen der Universität Duisburg-Essen versucht, Potentiale für die Endlagerung von radioaktiven Abfällen einzuschätzen. In ihrer Analyse kamen sie zu dem Schluss, dass mehrere Thüringer Regionen besonders günstige Bedingungen für ein Atommüll-Endlager haben. Dazu gehören die Gegend um Arnstadt und Stadtilm, Gebiete nördlich und westlich von Mühlhausen sowie zwischen Nordhausen und Duderstadt.

Die Pressesprecherin des Bundesamtes für kerntechnische Entsorgungssicherheit, Ina Stelljes sagt, ähnliche Studien habe es auch für andere Regionen gegeben. "Sie spielen aber für das jetzige Verfahren keine Rolle. Was wirklich Grundlage der Endlagersuche ist, ist das vom Gesetz vorgesehene Verfahren nach festgelegten Kriterien", sagt Stelljes. Diese Kriterien sehen vor, dass zuerst jene Standorte benannt werden, die nicht in Frage kommen. Etwa deshalb, weil dort die Gefahr von Erdbeben besteht. Im dritten Quartal 2020 sollen in einem Zwischenbericht alle Regionen benannt werden, die als Standort eines Endlagers nicht geeignet sind. Der endgültige Standort soll 2031 feststehen.

Welchen Sinn haben die Info-Abende?

Endlager für radioaktive Abfälle Morsleben
Blick in das Endlager für radioaktive Abfälle in Morsleben in Sachsen-Anhalt. Bildrechte: IMAGO

Die zuständige Bundesbehörde will auf den Info-Abenden das Verfahren für die Auswahl eines Standortes vorstellen. Das 2017 extra dafür verabschiedete Gesetz verlangt nach den Erfahrungen mit dem Widerstand in Gorleben absolut transparente Abläufe mit sehr breiter Beteiligung der Öffentlichkeit. Die Infoabende in allen Landeshauptstädten sind ein Angebot für alle Interessierten, die den für die Standortsuche Zuständigen direkt Fragen stellen wollen. Dazu hat das Bundesamt auch Vertreter aus Kommunen eingeladen, in denen das Thema schon diskutiert wurde. Besprochen wurde vor allem, wie und wo sich Bürger am Auswahlprozess beteiligen können. Wie Wolfram König im Vorfeld des Info-Abends auf einer Pressekonferenz in Erfurt sagte, gebe es für die Bürger vielfältige Möglichkeiten, das Verfahren der Suche nach dem Endlagerstandort mitzugestalten. Mitbestimmung von Bürgern sehe das Standortauswahlgesetz aber nicht vor. Die Entscheidung, an welcher Stelle das Endlager schließlich gebaut werde, liege allein beim Bundestag.

Quelle: MDR THÜRINGEN/jw

Dieses Thema im Programm: MDR THÜRINGEN - Das Radio | Die Nachrichten | 26. September 2019 | 07:00 Uhr

Zuletzt aktualisiert: 26. September 2019, 12:08 Uhr

3 Kommentare

Eulenspiegel vor 10 Wochen

Also ich denk man muss sie irgendwann für einen Standort entscheiden. Und ganz egal welcher Standort das nun wird man sollte das auf jeden Fall im Auge behalten. Ich denke Heute geht man auf jeden Fall verantwortungsvoller damit um als damals als es um Gorleben ging. Der Kostendruck wird auf jeden Fall sehr hoch werden denn die Rückstellungen der AKW Betreiber können da nur ein kleiner Beitrag sein. Man muss darauf achter das draus nicht billig vor sicher wird.

Monazit vor 10 Wochen

Mal sehen, wie Thüringen in der Zwischenbericht wegkommt. Für mich als Geologen klingt es jedenfalls plausibel, dass es potenzielle Endlager bei uns gibt. Wir sollten einfach mal abwarten und hoffen, dass eine sachliche Debatte zustande kommt, wenn es konkret wird.

Wenn die Sicherheit weitestgehend garantiert ist, warum nicht. Es würden sicher gut bezahlte Arbeitsplätze entstehen.

Wurzner vor 10 Wochen

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