Erneuerbare Energien Kein Aufschwung beim Ausbau der Windenergie in Thüringen

Seit Herbst 2018 ist der Ausbau der Windenergie in Thüringen drastisch eingebrochen: Sieben Monate lang wurde überhaupt kein Windrad gebaut. Im vergangenen Jahr entstanden 14 Anlagen, parallel dazu wurden aber auch zehn abgebaut. Für 2020 sind die Erwartungen der Experten zurückhaltend.

Windräder stehen auf einem Rapsfeld bei Wetzdorf im Saale-Holzland-Kreis.
Ältere Windräder wie hier im Windpark Wetzdorf bei Bad Klosterlausnitz aus dem Jahr 1998 werden in den kommenden Jahren langsam aus der Landschaft verschwinden. Bildrechte: MDR/Loréne Gensel

Der Ausbau der Windenergie in Thüringen verläuft weiterhin schleppend. Das schätzen Branchenvertreter angesichts aktueller Daten ein. So habe sich die Zahl der Baugenehmigungen für neue Windräder nach Angaben der Servicestelle Wind bei der Thüringer Energie- und GreenTech-Agentur Thega zwar von 15 im Jahr 2018 auf 34 im vergangenen Jahr mehr als verdoppelt. Der Thüringer Landesvorsitzende im Bundesverband Windenergie, Frank Groß, sagte MDR THÜRINGEN, für den Bau einer neuen Windenergieanlage brauche es jedoch neben einer Genehmigung auch einen Zuschlag in einer der Ausschreibungen der Bundesnetzagentur.

Davon habe es im vergangenen Jahr 18 gegeben, in der ersten Ausschreibung zu Jahresbeginn weitere zwölf. Ohne einen Zuschlag in diesen Ausschreibungen bekommen Windrad-Betreiber keine Einspeisevergütung für ihren Windstrom. Anlagen ohne die staatliche garantierte Förderung zu betreiben lohnt sich derzeit nur auf dem Meer oder an bestimmten Standorten an der Küste. Die Windverhältnisse in Thüringen sind dafür nicht lukrativ genug.

Für neue Windräder fehlen Flächen

Nach einer Statistik der "Fachagentur Windenergie" mit Sitz in Berlin gab es Ende Januar in Thüringen insgesamt 52 gültige Baugenehmigungen für Windräder. Ein Teil davon stammt aus den Jahren vor 2019. Sie verteilen sich sehr ungleichmäßig über den Freistaat. 38 dieser Genehmigungen betreffen Mittelthüringen. Der Landesvorsitzende des Windbranchen-Verbandes, Frank Groß, erklärt das damit, dass Ende 2018 in Mittelthüringen mit einem neuen Regionalplan neue Vorrangflächen ausgewiesen worden waren.

Vor allem in den Landkreisen Gotha, Sömmerda, Weimarer Land und Unstrut-Hainich haben die Behörden neue Anlagen bewilligt. In Nord-, Ost- und Südwestthüringen dagegen fehlen konkrete Flächen für neue Anlagen. Hier sind neue Regionalpläne in Arbeit. Im Moment laufen dort die Verfahren für die Neuaufstellung der Pläne mit der üblichen Beteiligung der Öffentlichkeit. In Ostthüringen hat es in diesem Verfahren tausende von Widersprüchen gegen geplante Windvorranggebiete gegeben. In Südwestthüringen hat der Widerstand zugenommen, seit die neuen Pläne öffentlich sind.

Viele ältere Anlagen werden nicht ersetzt

Frank Groß schätzt, dass 2020 in Thüringen nicht mehr als 15 bis 25 neue Windräder entstehen könnten. Parallel dazu wisse aber niemand, wie viele Anlagen im Gegenzug abgebaut würden. 2019 waren es zehn. Derzeit sind in Thüringen 866 Windräder in Betrieb. Sie haben eine maximal mögliche Leistung von rund 1.600 Megawatt. Frank Schindler von der Servicestelle Wind der Thüringer Energie- und GreenTech-Agentur befürchtet, dass die Zahl im kommenden Jahr drastisch abnehmen und unter 800 sinken könnte.

Grund dafür ist, dass Windräder nur 20 Jahre lang Einspeisevergütung für den erzeugten Strom bekommen. 2021 fallen in Thüringen 135 Anlagen aus dieser Förderung heraus. Sie weiter zu betreiben lohnt sich nur in den seltensten Fällen. Außerdem erwartet Schindler, dass drei Viertel dieser Anlagen nicht ersetzt werden können. Vor 20 Jahren wurden sie an Stellen gebaut, wo heute kein Windvorranggebiet besteht und auch keines geplant ist. Dort bekommen Windradbetreiber keine Genehmigung für ein Repowering - also den Ersatz von alten Anlagen durch neue, die mehr Leistung bringen.

Quelle: MDR THÜRINGEN

Dieses Thema im Programm: MDR THÜRINGEN - Das Radio | Das Fazit vom Tag | 26. Februar 2020 | 18:15 Uhr

10 Kommentare

Eulenspiegel vor 29 Wochen

Hallo part
Da kann ich ihnen nur zustimmen. Die Frage ist wie viele unserer schönen Stauseen werde eigentlich zur Stromerzeugung genutzt? Eine totale Energieverschwendung.

part vor 29 Wochen

...und täglich läuft so viel Wasser entlang von Kommunen oder außerhalb mehr oder minder dem Meer entgegen... Früher wurden diese Recourchen genutzt, die die Natur bietet oder Möglichkeiten geschaffen um Wasserkraft zu nutzen, Mittels Anstau von Wasser. Heute zählt die Einzelerzeugung oder die kommunale Energieerzeugung nichts mehr, denn die Konzerne müssen bedient und entschädigt werden durch die Politik für die Schädigungen an der Gesellschaft und künftigen Generationen. Klimaschutz ohne Profit wird gar nicht erst in Erwägung gezogen...

Eulenspiegel vor 29 Wochen

Hallo-Lausitz
Dem kann ich ja nicht widersprechen. Nur wie viel Energie steckt in so einer Luftbewegung von mehr als 1000 Meter Höhe und wie viel Promille dieser Energie werden durch die vielen Windanlagen nun tatsächlich abgezweigt? Vom Prinzip haben sie ja Recht nur sie lassen die Relationen außer acht. Und sie unterschlagen die Topografie der Landschaft die ja auch diesen Luftstrom abbremst. Und auf der Fläche gesehen einen viel größeren Effekt hat. Sie sollten mal versuchen sachlicher an das Ganze heran zu gehen anstatt mit aller Verbissenheit beweisen zu wolle das dies Windanlagen alles andere als gut für unsere Umwelt sind. Wie schon gesagt alle Untersuchungen die es in dem Bereich gibt sagen da gibt es ein Effekt der aber so gering ist das man in nicht eindeutig Messen kann. Das ist mein Informationsstand. Aber sie können sich ja mal selber selber Informieren in wie weit es neue Erkenntnisse gibt.

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