Wirtschaft Corona wird Zahl der Ausbildungsplätze in Thüringen schmälern

Die Corona-Pandemie trifft auch die Ausbildung in Thüringen: Die Berufsschulen sind geschlossen, nur ein Teil der Azubis kann noch arbeiten. Und Branchen, die in Schwierigkeiten stecken, dürften künftig Plätze streichen.

Ein Mann liest mit Hilfe eines Computers Autodaten aus.
Laut IHK bemühen sich die Unternehmen in Thüringen, die Ausbildung von Azubis trotz Corona fortzuführen. (Symbolfoto) Bildrechte: Colourbox.de

"Für meine Familie habe ich schon Schutzmasken genäht", sagt Jessika Weihrauch. Doch ansonsten nutzt die 17-Jährige ihre Nähmaschine daheim derzeit vor allem, um zu üben, wie sie eine Hose näht. Sie ist Auszubildende im ersten Lehrjahr in der Kostümabteilung am Theater Erfurt. Hosen nähen lernen gehört zu ihrer Ausbildung.

Theaterwerkstatt in Erfurt näht nur Masken

Doch in der Theaterwerkstatt kann Jessika Weihrauch derzeit nicht arbeiten. "Das Haus ist im Krisenmodus", sagt Jessikas Chefin, Obergewandmeisterin Susanne Ahrens. In der Schneiderei wird mit den nötigen Sicherheitsvorkehrungen gearbeitet. Gerade werden hier ausschließlich Masken genäht, die meisten anderen Werkstätten sind geschlossen.

Masken nähen würde Jessika in ihrer Ausbildung nicht voranbringen, deshalb näht sie zu Hause. Ihre Berufsschule ist, wie alle anderen Schulen auch, geschlossen. Wann die überbetriebliche Ausbildung wieder stattfinden wird, ist nach Angaben der Handwerkskammer Südthüringen noch offen. Ellen Mangold, Mitarbeiterin für Öffentlichkeitsarbeit, berichtet, die Ausbildung in den Handwerksbetrieben, die nicht schließen mussten, laufe weiter - "alles mit den nötigen Sicherheitsvorkehrungen und Sicherheitsabständen".

Eine junge Frau mit bunten Haaren lächelt in die Kamera.
Jessika Weihrauch, Auszubildende in der Kostümabteilung am Theater Erfurt.  Bildrechte: MITTELDEUTSCHER RUNDFUNK

Handwerker hätten ohnehin viel zu tun: Im Baugewerbe gebe es volle Auftragsbücher, und Auszubildende für Bäcker, Fleischer, Optiker, Elektriker und Maler würden nach wie vor gesucht. Deshalb laufe auch die Lehrstellenbörse weiter. Hier gab es zum 30. März noch 496 offene Stellen. "Schon jetzt werden Ausbildungsverträge für das kommende Schuljahr geschlossen", sagt Mangold.

Wie ein Autozulieferer seine Azubis schützt

Auch die GBneuhaus GmbH hat mehrere Lehrstellen ausgeschrieben. Derzeit werden fünf junge Menschen in dem Unternehmen ausgebildet, das Weltmarktführer in der Halogenlampen-Beschichtung für Autos ist. Unter ihnen sind Mechatroniker, Konstrukteure, ein Industriekaufmann und ein IT-Informatiker. Für die gelten im Unternehmen die gleichen Corona-Einschränkungen wie für alle anderen auch, extra festgeschrieben in einem internen Maßnahmenkatalog. Betriebsleiter Markus Heinze berichtet, gearbeitet werde im Schichtsystem mit den nötigen Sicherheitsabständen ein. "In Sozialräumen sind die Sitzplätze auf ein Drittel begrenzt, wir haben auch die Personenanzahl zu den Schichtübergaben reduziert“, so Heinze. Die Auszubildenden, die vor der Abschlussprüfung stehen, arbeiten von zuhause aus. Kurzarbeit zu beantragen sei noch keine Option - bisher haben die 110 Mitarbeiter noch genug zu tun. Ab Mai aber rechnet Markus Heinze mit den ersten Auswirkungen der Krise auf das Familienunternehmen.

Auch in den Autowerkstätten sind die Auftragsbücher noch voll. "Es ist gerade Räderwechselsaison, wir haben viel zu tun", sagt Anett Lämmchen, Geschäftsleiterin des Autohauses Altermann GmbH in Neuhaus am Rennweg. Danach könnte es allerdings anders aussehen: "Das ganze Unfallgeschäft ist weggebrochen. Der Verkauf steht still. Die Leute sind insgesamt vorsichtiger geworden, viele haben finanzielle Einbußen durch die Krise". Trotzdem will der Betrieb auch zukünftig ausbilden: "Wir kämpfen schon seit Jahren um Lehrlinge. Jetzt zu sagen, wir nehmen im kommenden Ausbildungsjahr keine, ist Quatsch."

Weniger Lehrstellenangebote in Hotels, Gaststätten und Dienstleistungsbetrieben

Anders sieht es in der Hotellerie, der Gastronomie und im Dienstleistungsgewerbe aus: "Es wird weniger Lehrstellenangebote geben, denn viele Unternehmen haben inzwischen wirtschaftlich sehr enge Grenzen", sagt Thomas Fahlbusch, Abteilungsleiter für Aus- und Weiterbildung bei der IHK Erfurt. "Aktuell rufen sehr viele Unternehmer an und fragen nach Fördermöglichkeiten." Viele Unternehmer bemühten sich, die Ausbildung fortzuführen.

Immerhin gibt es inzwischen einen Termin für die Abschlussprüfungen der Auszubildenden: Sie werden in der Woche vom 16. bis 19. Juni 2020 stattfinden. Das haben die Kammern bundesweit festgelegt. Dabei gilt es, die Infektionsschutz-Vorgaben des Robert Kochs-Instituts zu beachten. Dazu müssen beispielsweise zusätzliche Prüfungsräume angemietet werden. Um den Corona-Sicherheitsabstand zu gewährleisten, reichen selbst die Thüringenhalle und die Messehalle in Erfurt nicht aus, die dafür normalerweise genutzt werden.

Wie es im nächsten Ausbildungsjahr genau weitergehen wird, weiß niemand genau. Doch auch Thomas Fahlbusch von der IHK ist zuversichtlich: "Seit 2010 haben wir jedes Jahr einen Überhang an Lehrstellen, deshalb denke ich, dass wir noch genug anbieten können."

Quelle: MDR THÜRINGEN

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