Gehälter Thüringer Landesvorstand der Awo und Tochterfirma weiter in der Kritik

In einer Tochterfirma der Awo in Thüringen hat die Geschäftsführung vergleichsweise hohe Gehälter erhalten. Auch innerhalb der Arbeiterwohlfahrt sorgt das für erheblichen Unmut. Nach einer ersten Reaktion der AJS-Geschäftsführung geht es jetzt vor allem um eine verbliebene Personalie.

Zentrale der Awo in Erfurt
Die Awo Thüringen und die Tochterfirma AJS stehen wegen hoher Gehälter in der Geschäfstführung in der Kritik. (Archivfoto) Bildrechte: MITTELDEUTSCHER RUNDFUNK

Die Kritik am Landesvorstand der Arbeiterwohlfahrt Thüringen und dessen Tochterfirma AJS GmbH hält an. Der Vorstand des Awo-Regionalverbandes Mitte-West sieht seine Forderung nach sofortiger Beurlaubung der drei Geschäftsführer des Tochterunternehmens noch nicht als erfüllt an. Nach dem angekündigten vorzeitigen Ausscheiden der Geschäftsführer Michael Hack und Achim Ries zum Monatsende sei die dritte AJS-Geschäftsführerin Antje Wolf noch immer im Amt, teilte der Vorstand des Regionalverbandes auf Anfrage von MDR THÜRINGEN mit.

Die Gemeinnützigkeit des Unternehmens AJS stehe auf dem Spiel. Da sei der Rückzug von nur einem Teil der Geschäftsführung das falsche Signal. Hack und Ries hatten am Freitag ihren Rückzug aus dem Unternehmen zum 30. Juni angekündigt.

Rücktrittsforderungen an AJS-Geschäftsführung aus Thüringen

Der Regionalverband hatte in einem offenen Brief am 26. Mai gefordert, dass die gesamte AJS-Geschäftsführung mit sofortiger Wirkung beurlaubt werden soll. Gleichzeitig forderte er, den im Dezember 2019 entlassenen ehemaligen AJS-Prokuristen Uwe Kramer vorübergehend wieder einzustellen. Mit dann zwei Prokuristen sei eine Interimsgeschäftsführung der AJS möglich, "bis der neue Landesvorstand eine Geschäftsführung gefunden hat".

Diese neue Geschäftsführung müsse dann den Fokus des Unternehmens "auf die Werte und die verbandlichen Gemeinsamkeiten wiederherstellen". Kramer war im Dezember entlassen worden, nachdem er laut Zeitungsberichten den AJS-Geschäftsführer Hack im Zusammenhang mit dem Verfahren für die Besetzung einer neuen Geschäftsführerstelle in dem Unternehmen kritisiert haben soll.

Awo-Kritik an hohen Gehältern in Geschäftsführung

Ebenfalls am 26. Mai hatte der Awo-Bundesverband in einem offenen Brief an die Mitarbeiter, Ehrenamtlichen und Mitglieder der Awo einen "Neuanfang" im Thüringer Landesvorstand und in der AJS-Geschäftsführung gefordert. Dieser sei "sinnvoll, notwendig und gar unausweichlich". In dem offenen Brief erneuerte der Bundesverband seine Kritik an den Gehältern der AJS-Geschäftsführung.

Diese "Vergütung der Geschäftsführung ohne Grenze durch hohes Umsatzvolumen zu rechtfertigen, entspricht nicht den Werten der Awo und auch nicht unserem Verständnis von Gemeinnützigkeit - insbesondere wenn dadurch die Schere zur Vergütung der unteren Einkommensklasse stetig weiter auseinanderdriftet", heißt es in dem Brief.

AJS-Geschäftsführer verteidigen Bezüge

Laut einem Prüfbericht des Bundesverbands liegen die Gehälter der drei AJS-Geschäftsführer und des Prokuristen deutlich über den im Awo-Governance-Kodex als angemessen genannten Vergütungen. Der Kodex orientiert sich dabei an den Vergütungen im öffentlichen Dienst. Laut Prüfbericht beträgt beispielsweise das Jahresgehalt von AJS-Geschäftsführer Hack mehr als das Doppelte des als angemessen erachteten Gehalts von 140.000 Euro.

Die drei AJS-Geschäftsführer hatten ihre Bezüge hingegen damit verteidigt, dass diese für ein Unternehmen mit 5.400 Beschäftigten und einem Jahresumsatz von 220 Millionen Euro durchaus angemessen seien. Sie entsprächen dem der Geschäftsführung eines Krankenhauses mit 2.000 und mehr Beschäftigten.

Der Awo-Landesvorstand will am Mittwochabend über die aktuelle Situation beraten. Dabei soll es auch um den Prüfbericht des Awo-Bundesverbandes gehen.

Quelle: MDR THÜRINGEN

Dieses Thema im Programm: MDR THÜRINGEN - Das Radio | Nachrichten | 03. Juni 2020 | 08:00 Uhr

3 Kommentare

Bernd1951 vor 25 Wochen

Ich kann leider nur meine Forderung nach einer Recherche durch den mdr wiederholen:
Wer saß denn bei den Gehaltsverhandlungen auf der Arbeitgeberseite und hat die Gehälter ausgehandelt ? Und welche geldwerten Leistungen einschließlich Altersversorgung waren denn noch im Gehaltsvertrag enthalten ? Da sollte doch für Journalisten / Redakteure eine zu lösende Aufgabe sein.
Ironie an
Bestimmt hatten alle Mitarbeiter dieses "gemeinnützigen" Unternehmens solche tollen Arbeitsverträge.
Ironie aus
Solche Auswüchse sind Wasser auf die Mühlen derer, die fleißig am Niedergang der sozialen Marktwirtschaft arbeiten und denen die Arbeitsmarktreformen unter Gerhard Schröter nicht weit genug gingen.

Rasselbock vor 25 Wochen

Personalien mit Gebaren der Frau Wolf müssen einfach weg wegen Inkompetenz. In einer ordentlich geführten Firma die auch noch gemeinnützig sein will hat eine solche Personalie keinen Platz. AWO, heistt das nicht Arbeiterwohlfahrt? Von Vorstandswohlfahrt habe ich noch nie gehört.

Jack vor 25 Wochen

Selbstverständlich muss Frau Wolf auch das Unternehmen verlassen. Sie hat den Klüngel mit getragen und toleriert. Jetzt nette Briefe an die Mitarbeiterschaft zu schreiben, grenzt an Frechheit. Ohne die jetzige Situation, wo alle plötzlich das Feld räumen, wäre alles so weiter gegangen. Jeden Monat weiter das hohe Gehalt in Anspruch zu nehmen ist verwerflich. Rückzahlungen der Herrschaften an die Pflegekräfte etc. als Prämien aufteilen. Das wäre das mindeste an Anstand von hoffentlich bald ehemaligen Vertretern einer Wohlfahrtsorganisation.

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