Arbeiterwohlfahrt Awo-Bundesverband will Geschäftsführer-Gehälter von Kreisverbänden kontrollieren

Der Bundesverband der Arbeiterwohlfahrt will die Gehälter von Führungskräften in den regionalen Verbänden künftig umfassender kontrollieren. Der Vorstandsvorsitzende des Awo-Bundesverbandes, Wolfgang Stadler, sagte MDR THÜRINGEN, derzeit werde eine Richtlinie zur Anwendung des seit drei Jahren geltenden Awo Governance Kodex in verschiedenen Gremien diskutiert. Diese sehe vor, "dass sämtliche Gehälter, die über einer gewissen Schwelle liegen, dem Bundesverband auch vorgelegt werden müssen". Bislang seien dafür nur Landes- oder Bezirksverbände der Awo zuständig. Künftig müssten bei bestimmten Größenordnungen die Gehälter von Führungskräften in Kreisverbänden auch dem Bundesverband vorgelegt werden. Er gehe davon aus, dass die Richtlinie Anfang Dezember beschlossen werde, sagte Stadler. "Alle Diskussionen, die zu diesem Verfahren laufen, unterstützen dieses Verfahren."

Wolfgang Stadler, Vorstandsvorsitzender des AWO-Bundesverbandes
Wolfgang Stadler, Vorstandsvorsitzender des Awo-Bundesverbandes Bildrechte: MDR/Lisa Kästner

Aufsichtsverfahren gegen Awo-Kreisverband Saale-Holzland

Die Awo Thüringen wird seit Monaten von einer Affäre um hohe Gehälter von Führungskräften erschüttert. Zuletzt hatte der Landesvorstand ein sogenanntes Aufsichtsverfahren gegen den Kreisverband Saale-Holzland eingeleitet. Auslöser sind das Gehalt von Kreisgeschäftsführer Ralf Batz sowie vergütete Verträge der Vorstandsmitglieder Klaus-Dieter Kunze und Hans-Peter Perschke. Kunze hatte als Sicherheitsfachkraft für den Kreisverband technische Einrichtungen und Spielplätze geprüft und dafür monatlich 3.000 Euro bekommen. Perschke erhielt im Rahmen einer geringfügigen Beschäftigung monatlich 500 Euro vom Kreisverband. Laut Awo-Landesverband verstoßen solche Beschäftigungen gegen den Awo Governance Kodex. Demnach dürfen Mitglieder von Aufsichtsgremien in Awo-Gliederungen, also beispielsweise eines Kreisvorstandes, keine Geschäftsbeziehungen zu diesen Gliederungen unterhalten. 

Stadler: Gehalt von Kreisgeschäftsführer "unangemessen"

Awo-Kreisgeschäftsführer Batz bezieht ein Jahresgehalt von rund 200.000 Euro. Das sei "unangemessen", sagte Awo-Bundesvorstand Stadler dem MDR. Auf Grundlage des Governance Kodex seien 100.000 bis 115.000 Euro angemessen. Der Governance Kodex schreibt eine Orientierung von Awo-Gehältern an denen des öffentlichen Dienstes vor. Der Awo-Kreisverband teilte am Freitag mit, die Tätigkeiten von Kunze und Perschke seien zum nächstmöglichen Zeitpunkt gekündigt worden. Mit Batz liefen derzeit Verhandlungen über einen neuen Vertrag, der dann mit dem Landesvorstand abgestimmt werden solle. Batz derzeit laufender Vertrag endet am 31. Dezember 2020.

Die Awo Thüringen hatte im Juli auf einem Landesausschuss in Oberhof beschlossen, dass alle Kreisverbände die Gehälter ihrer Geschäftsführer sowie die Gehälter von Awo-Unternehmen offenlegen müssen. Die Prüfung soll voraussichtlich im November abgeschlossen werden. Stadler nannte diesen Beschluss im Gespräch mit MDR THÜRINGEN "vorbildlich für die Awo in ganz Deutschland".

Quelle: MDR THÜRINGEN/dr

Dieses Thema im Programm: MDR THÜRINGEN - Das Radio | Das Fazit vom Tag | 26. Oktober 2020 | 18:00 Uhr

2 Kommentare

elisa K vor 17 Wochen

Es sind über 400 Kreisverbände und 237.000 Mitarbeiter. Wenn es wenig oder keine Kontrolle über die Zahlungen an eigene Funktioniäre gibt, kontrolliert überhaupt jemand, ob die Anforderungen an Gemeinnützigkeit noch erfüllt werden?

husar vor 17 Wochen

Gönnt diesen Helden der Arbeit die paar Euros, die Raffkes in der Politik greifen da ganz anders zu.

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