Awo Thüringen Awo-Bundesverband kritisiert Vorstandsbezüge bei Thüringer Tochter AJS

Der Thüringer Landesverband der Arbeiterwohlfahrt (Awo) gewährt den Geschäftsführern seines Tochterunternehmens AJS gGmbH seit Jahren zu hohe Gehälter. Diese Auffassung vertritt der Awo-Bundesverband in internen Unterlagen, die MDR THÜRINGEN vorliegen. Darin bemängelt der Bundesverband, dass die drei Geschäftsführer und ein Prokurist des Unternehmens mit Sitz in Erfurt jährlich Bruttobezüge von insgesamt rund 860.000 Euro erhalten. Hinzu kommen Dienstwagen und Dienstwohnungen, deren Kosten von der AJS bezahlt werden. Nach dem seit 2017 geltenden Governance-Kodex des Sozialverbandes dürften die Gehälter der Manager nur bei etwa der Hälfte der genannten Summe liegen.

Der Awo- Bundesverband hatte in den vergangenen Monaten die Bezahlung mehrerer Spitzenmanager des Thüringer Landesverbandes und seiner Tochterfirma AJS durchleuchtet. Anlass war verbandsinterne Kritik an der Bezahlung von AJS-Geschäftsführer Michael Hack und seiner Vorstandskollegen. Nach Einschätzung des Awo-Bundesverbandes wäre im Fall von Hack angesichts der Größe des Unternehmens ein Jahres-Brutto-Salär von maximal 140.000 Euro angemessen. Hack habe jedoch jahrelang mehr als das Doppelte bezogen, so die Kritik vom Bundesverband. Selbst das Altersteilzeit-Gehalt des Geschäftsführers seit April 2019 liegt demnach noch um einen sechsstelligen Betrag über der vom Bundesverband als angemessen betrachteten Summe.

Ähnlich verhält es sich den Unterlagen zufolge mit den Bezügen von AJS-Geschäftsführer Achim Ries. Dieser habe im laufenden Jahr ein Bruttogehalt von rund 240.000 Euro zuzüglich Dienstwagen, so der Awo-Bundesverband. "Angemessen" wäre in seinem Fall jedoch ein um etwa 35.000 Euro niedrigeres Salär. Auch die Jahresgehälter von AJS-Geschäftsführerin Antje Wolf und Prokurist Sebastian Ringmann liegen nach Ansicht des Bundesverbandes deutlich über den laut Awo-Kodex als angemessen betrachteten Summen.

Kritik auch am Salär von Awo-Geschäftsführer

Auch das Jahresgehalt des Geschäftsführers der Awo Thüringen, Ulf Grießmann, liegt nach Einschätzung des Bundesverbandes mit rund 150.000 Euro brutto um etwa 30.000 Euro über der als für ihn laut Kodex angemessen betrachteten Summe. Grießmann hatte vor einigen Tagen angekündigt, seinen Posten zum Jahresende abzugeben.

Begründet werden die hohen Gehälter den Unterlagen zufolge von Awo Thüringen und AJS damit, dass es sich um "besonders gelagerte Einzelfälle" angesichts der Größe des Unternehmens handele. Die AJS beschäftigt laut der im Bundesanzeiger veröffentlichten aktuellsten Konzernbilanz für das Jahr 2017 rund 4.500 Mitarbeiter. In dem Jahr machte der Konzern rund 171 Millionen Euro Umsatz und rund sieben Millionen Euro Gewinn. Für Einzelgeschäftsführer bei Unternehmen dieser Größenordnung seien aber Jahresgehälter von maximal 140.000 Euro angemessen, so der Bundesverband.

Der Awo-Bundesverband hatte die Vorstandsbezüge im Rahmen eines sogenannten Aufsichtsverfahrens geprüft. Dabei wurde überprüft, ob der Awo Landesverband in Thüringen den seit 2017 geltenden Governance-Kodex einhält. Es widerspreche "dem sozialdemokratischen Charakter der Awo, wenn die Spanne zwischen den Mitarbeitenden der geringsten Tarifgruppen in der Awo und der Leitung zu groß ist", meint der Bundesverband.

Quelle: MDR THÜRINGEN/dr

Dieses Thema im Programm: MDR FERNSEHEN | MDR THÜRINGEN JOURNAL | 20. Mai 2020 | 19:00 Uhr

8 Kommentare

Copper vor 21 Wochen

Das hat genauso viel damit zu tun wie ihre Liebesgrüße nach Moskau. Wen grüßen sie da eigentlich. Wahrscheinlich haben sie auch noch Russen im Keller.

PoliticalNerd99 vor 21 Wochen

Das liegt aber vor allem an den Regierungsparteien, weil die keine Mandate einbüßen wollen.
Also mit der Verkleinerung des Bundestages, meine ich.
Linke, Grüne und FDP haben da durchaus einen vernünftigen Gesetzesentwurf vorgelegt.
Auch der Verzicht auf die Diätenwrhöhung scheiterte nur an ein paar Einzelnen.
Leider fällt sowas immer auf die gesamte Institution zurück.

Bernd1951 vor 21 Wochen

Bei einem Arbeitsentgelt wird doch die Höhe soweit es nicht tariflich geregelt ist durch Gehaltsverhandlungen ermittelt. Wer saß denn da auf der "Arbeitgeberseite" und hat dem zugestimmt ? Oder haben die Geschäftsführer den Vertrag mit sich selbst abgeschlossen ? Solche hohen Gehälter sind doch Wasser auf die Mühlen für die Personen, die die sozialen Leistungen in Deutschland kürzen wollen. Und warum hat der Bundesvorstand so lange gebraucht um dies festzustellen ?
Anregung an den mdr: Beitrag über die Fakten, wie sich die Wohlfahrtsverbände finanzieren ?
Ich ahne, dass es noch mehr solche schwarzen Schafe in anderen Wohlfahrtsverbänden gibt !

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