Neue Organisationsstruktur geplant AWO Thüringen: Konsequenzen nach überhöhten Vorstandsbezügen

Die AWO Thüringen hat angekündigt, ihre Organisationsstruktur zu erneuern. Neben Veränderungen im Aufsichtsrat, soll es auch eine neue operative Ebene geben. Damit reagiert der Landesverband auf die Kritik an überhöhten Vorstandsbezügen, die dem Leitbild der Arbeiterwohlfahrt widersprechen.

Ein Logo der Arbeiterwohlfahrt auf einer Fahne
Solidarität, Gerechtigkeit und Gleichheit gehören bis heute zum Leitbild der AWO. Überhöhte Vorstandsgehälter haben damit wenig zu tun. Bildrechte: dpa

Nach den Vorwürfen der zu hohen Vorstandsbezüge bei der Thüringer Arbeiterwohlfahrt hat der Landesverband eine neue Organisationsstruktur angekündigt. Geplant sei eine neue operative Ebene unterhalb der Geschäftsführung, in der die Kernbereiche des Unternehmens organisiert werden sollen, sagte AWO-Landessprecher Dirk Gersdorf. Außerdem soll der Aufsichtsrat mit mehr unabhänigen Experten besetzt werden.

AWO-Bundesvorstand schaltete sich ein

Hintergrund ist ein interner Prüfbericht des AWO-Bundesvorstandes. Daraus geht hervor, das die drei Thüringer Geschäftsführer und ein Prokurist eines AWO-Tochterunternehmens mit Sitz in Erfurt zu viel Gehalt bezogen haben. In dem Bericht ist von jährlichen Bruttobezügen von insgesamt rund 860.000 Euro die Rede. Vorausgegangen waren verschiedene Medienberichten, die bereits 2016 eine Bereicherung auf Vorstandsebene ausmachten. Eine damals eingeleitete Ermittlung gegen den Geschäftsführer des Tochterunternehmens AJS, Michael Hack, war jedoch eingestellt worden.

Eben dieser hat nach Einschätzung des AWO Bundesverbandes jahrelang mehr als doppelt so viel an Gehalt bezogen, wie nach dem seit 2017 geltenden Governance-Kodex des Sozialverbandes gerechtfertigt wäre. Demnach wären rund 140.000 Euro Jahres-Brutto-Salär für den Geschäftsführer eines Unternehmens dieser Größe angemessen gewesen. Ähnlich verhält es sich den Unterlagen zufolge mit den Bezügen des zweiten AJS-Geschäftsführer Achim Ries. Auch das Jahresgehalt des Geschäftsführers der AWO Thüringen, Ulf Grießmann ist dem Bericht zufolge zu hoch.

Erheblicher Rufschaden für die AWO in Thüringen

Laut Gersdorf zeigt der aktuelle Bericht, dass es erheblichen Handlungsbedarf gibt. Aufgabe der AWO AJS gGmbH und ihrer Gesellschafter werde jetzt sein, den Prüfbericht des AWO Bundesverbandes auszuwerten und zu entscheiden, welche Konsequenzen aus den Ergebnissen zu ziehen sind. "Als sozialwirtschaftliches Unternehmen gehören wir zur "AWO-Welt“ und sind deren Werten verpflichtet – Solidarität, Toleranz, Freiheit, Gleichheit und Gerechtigkeit. Daran müssen sich auch unsere unternehmerischen Entscheidungen messen lassen.", sagte Gersdorf.

Die Arbeiterwohlfahrt wurde 1919 von Marie Juchacz gegründet, um Arbeiter unabhängig von Armenpflege, Stiftungen und Kirche zu machen. In Thüringen betreibt die AWO viele Kindergärten, Alten- und Pflegeheime. Solidarität, Gerechtigkeit und Gleichheit gehören bis heute zum Leitbild der AWO, weshalb der Fall noch schwerer wiegt. Im Grundsatzprogramm heißt es: "Wir finden uns mit Ungleichheit und Ungerechtigkeit nicht ab. Der demokratische Sozialstaat ist verpflichetet, Ausgleich zwischen Arm und Reich herzustellen."

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Quelle: MDR THÜRINGEN/ask

Dieses Thema im Programm: MDR THÜRINGEN - Das Radio | 23. Mai 2020 | 09:00 Uhr

9 Kommentare

Bernd1951 vor 4 Tagen

Ironie an
Was ich total vergessen habe:
Durch diese übermäßig hohen Gehälter stieg in Thüringen der Durchschnittsverdienst. Wären diese Gehälter noch höher gewesen, dann wäre der Durchschnittsverdienst noch mehr gestiegen und es wäre eine Erfolgsgeschichte gewesen.
Ironie aus

Bernd1951 vor 4 Tagen

Meines Erachtens lässt sich der Strafbestand des Betrugs nicht anwenden.
Nach Wikipedia heißt es dazu
"Sie erfasst Verhaltensweisen, mit denen jemand einen anderen durch Tücke dazu bewegt, sich selbst in seinem Vermögen zugunsten des Täters oder eines Dritten zu schädigen."
Ich glaube kaum dass die entsprechenden Geschäftsführer und Prokuristen mit Tücke zu ihren Gehältern gelangt sind. Irgendwer muss ja die Arbeitsverträge abgeschlossen haben und damit für diese hohen Gehälter verantwortlich sein. Es muss ja irgendwelche Kriterien dafür geben wie solche Stellen entlohnt werden oder ist hier "Wünsch Dir was". Diese Personen wären dann m. E. eher zur Rechenschaft zu ziehen bzw. sollten das erklären. Es sollte auch für Redakteure des mdr leicht sein in Erfahrung zu bringen, welche Personen das sind oder ?
Ich denke, das geht aus wie das berüchtigte Hornberger Schießen. Der Pulverdampf verzieht sich und alles bleibt beim Alten.

jochen1 vor 5 Tagen

Es soll also "Handlungsbedarf" geben ?

Ich glaube, als einig richtige Konsequenz sollte es doch ein Strafverfahren wegen schwerem Betrug geben.
Aber daran glaube ich unter diesem System nicht. Es wurde bisher zuviel unter den Teppich gekehrt.

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