Politikerin Judith Gerlach mit ihrem Kind in einer Fraktionssitzung
Judith Gerlach mit ihrem kleinen Sohn auf einer CSU-Fraktionssitzung im Bayerischen Landtag. Bildrechte: MDR/Björn Friedrich

Landtag Plenarsaal babyfrei - werden Mütter diskriminiert?

Deutschlandweit hatte der Vorfall im Thüringer Landtag Aufmerksamkeit erregt: Landtagspräsident Christian Carius (CDU) hatte die Abgeordnete Madeleine Henfling des Plenarsaals verwiesen, weil die Grünen-Politikerin ihr neugeborenes Baby  mit zur Abstimmung gebracht hatte. MDR THÜRINGEN fragte nach, wie damit woanders umgegangen wird.

Politikerin Judith Gerlach mit ihrem Kind in einer Fraktionssitzung
Judith Gerlach mit ihrem kleinen Sohn auf einer CSU-Fraktionssitzung im Bayerischen Landtag. Bildrechte: MDR/Björn Friedrich

Thüringens Landtagspräsident Christian Carius (CDU) hatte am Mittwoch die Abgeordnete Madeleine Henfling des Plenarsaals verwiesen. Die Grünen-Politikerin hatte ihr neugeborenes Baby mit ins Plenum genommen.

Dass Mütter durchaus ihre Pflichten und Aufgaben im Parlament wahrnehmen können, zeigt der Bayerische Landtag. Auch dort gibt es keine klare Regelung in der Geschäftsordnung, ob Kinder in den Plenarsaal mitgebracht werden dürfen oder nicht. Ebenso wie in Thüringen obliegt die Entscheidung der Präsidentin. Allerdings wird es nicht so streng gehandhabt. Immer wieder bringen Eltern ihre Kinder mit, wenn es nicht anders geht.

Verena Osygyan (Bündnis 90/Die Grünen) hat ihren Sohn schon mehrfach mit ins Plenum genommen, wenn es nicht anders ging. Sie sagt, dass es im Bayerischen Landtag mehrere Abgeordnete gab und gibt, die ihre Kinder häufig dabei haben. Die Reaktionen drauf seien immer positiv gewesen.

Politikerin Judith Gerlach
Judith Gerlach ist Rechtsanwältin und Mitglied der CSU-Fraktion im Bayerischen Landtag. Bildrechte: MDR/Björn Friedrich

Darüber hinaus gibt es im Landtag einen Mutter-und-Kind-Raum, in dem Ruhe herrscht - zum Stillen beispielsweise. Direkt neben dem Parlament befindet sich eine Kita, in der für die Abgeordneten Plätze bereit stehen. Die Öffnungszeiten passen aber nicht zu den teilweise sehr langen Sitzungszeiten. Ein weiteres Problem ist die Größe des Landes, weil die Parlamentarier teilweise sehr lange Anfahrtswege aus ihren Wahlkreisen haben.

Judith Gerlach (CSU) beispielsweise kommt aus Aschaffenburg. Sie fährt drei Stunden nach München in den Landtag. Solange ihre Kinder gestillt wurden, mussten sie stets bei ihr sein. Deshalb hatte Gerlach ihre beiden Kinder (zweieinhalb Jahre und sechs Monate) immer wieder mit ins Plenum genommen, wie sie MDR THÜRINGEN erzählt. 

Natürlich sollen sie die Arbeit nicht stören, ein Plenarsaal ist schließlich keine Kita. Aber die Abgeordneten können eben keine Elternzeit, keinen Mutterschutz in Anspruch nehmen. Außerdem können sie ihre Stimme für die Zeit ihrer Abwesenheit eben auch nicht auf jemand anderen übertragen.

 Der Landtag ist ein Spiegelbild der Gesellschaft, natürlich gehören junge Mütter mit Kindern dazu. Die Menschen wollen doch, dass wir unsere Lebenswirklichkeit in die Entscheidungen einbringen.

Judith Gerlach (CSU) Bayerischer Landtag

Die Reaktionen ihrer Kollegen in der Fraktion, aber auch von Seiten der Opposition auf die Kinder seien durchweg positiv gewesen: kein böses Wort, kein Augenrollen. Im Gegenteil: Judith Gerlach hat viel Hilfe und Unterstützung erfahren. Ideal ist die Situation aus ihrer Sicht dennoch nicht. Nur fehle bisher eine gute Idee, das Problem zu lösen, sagt die Abgeordnete. Die zu entwickeln, hat sich die junge Mutter jetzt vorgenommen.

Quelle: MDR THÜRINGEN

AKTUELLES AUS THÜRINGEN

Dieses Thema im Programm: MDR THÜRINGEN - Das Radio | Nachrichten | 29. August 2018 | 18:00 Uhr

Zuletzt aktualisiert: 31. August 2018, 10:36 Uhr

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22 Kommentare

31.08.2018 17:20 Sachse43 22

Pure Provokation. Soll se mal richtig arbeiten gehen, zum Beispiel in einer Fabrik.

31.08.2018 16:57 Pfingstrose 21

Nummer9: Warum nicht gleich eine vollständige Hebammenstation mit an den Landtag anbauen. Wo diese Politdamen nach der Entbindung gehegt und gepflegt werden und auch gleich den kurzen Weg zum Landtag haben. Steuern werden ohne hin genug verschwendet auch von den Damen und Herren des Land und Bundestag. Obwohl diese Abgeordneten genügend Geld und Diäten schäffeln monatlich. Da sind wir Frauen des einfachen Volkes und AN nicht so Dünnhäutig gestrickt wie diese Politdamen und unsere Löhne sind in den eneuen Bundesländern vorallem Thüringen etwas blutarm.

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