Infrastruktur Bahnstrecke Weimar-Gößnitz: Thüringen finanziert Planung für zweites Gleis bis Gera

Abschittsweise nur ein Gleis und keine Oberleitung - das ist die Bahnstrecke Weimar-Gera-Gößnitz. Der Ausbau ist geplant - inzwischen haben Bahn und Land Thüringen dafür weitere konkrete Schritte verabredet.

Neigetechik-Dieseltriebwagen von DB Regio auf der Fahrt von Göttingen nach Glauchau auf einem eingleisigen Streckenabschnitt der Bahnstrecke Weimar-Gera nahe Papiermühle im Saale-Holzland-Kreis.
Neigetechik-Dieseltriebwagen von DB Regio auf der Fahrt von Göttingen nach Glauchau auf einem eingleisigen Streckenabschnitt der Bahnstrecke Weimar-Gera nahe Papiermühle im Saale-Holzland-Kreis. Bildrechte: MDR/Sebastian Großert

Das Land Thüringen wird die Planungen für ein durchgehend zweites Gleis auf der Bahnstrecke Mitte-Deutschland-Verbindung zwischen Gera und Weimar finanzieren. Das hat eine Gruppe von Bundestagsabgeordneten aus Thüringen und Sachsen nach einem Treffen mit Bahn, Ostthüringer Kommunen und Landesregierung bekanntgegeben. Aktuell ist die Strecke zwischen Weimar und Gera auf den Abschnitten Stadtroda-Papiermühle - Hermsdorf/Klosterlausnitz sowie Töppeln - Gera eingleisig.

Nur Elektrifizierung ist "vordringlicher Bedarf"

Ralph Lenkert (Linke) zufolge handelt es sich beim Ausbau zwar um ein Projekt der Deutschen Bahn. Der Bundesverkehrswegeplan weise jedoch nur die Elektrifizierung zwischen Weimar und Gößnitz im Altenburger Land als vordringlichen Bedarf aus. Weil das Land einspringe, könnten auch die Planungen für ein zweites Gleis bis Gera beginnen.

Genehmigungsverfahren sollen parallel laufen

Die Genehmigungsverfahren für den zweigleisigen Ausbau und die Elektrifizierung sollen parallel laufen. Damit soll sichergestellt werden, dass die Strecke bis zum Fahrplanwechsel 2028/2029 vollständig mit einer Oberleitung für elektrische Loks und Triebzüge ausgerüstet ist. Lenkert sagte, ein durchgehendes zweites Gleis sei bis dahin nicht zu schaffen. Kosten und Fertigstellungsjahr ließen sich erst im Sommer abschätzen. Es dürfte sich um einen dreistelligen Millionenbedarf handeln.

Bahnhof Hermsdorf-Bad Klosterlausnitz auf der Holzlandbahn zwischen Gera und Jena.
Schon heute zweigleisig ist die Strecke am Haltepunkt Hermsdorf-Bad Klosterlausnitz. Bildrechte: MDR/Arne Schein

Kostenschätzung für Oberleitung stammt von 2012

Für die Elektrifizierung gibt es nach Angaben von Volkmar Vogel, der ebenfalls für Thüringen im Bundestag sitzt und zudem Parlamentarischer Staatssekretär im Bundesinnenministerium ist, eine Kostenschätzung von 2012. Damals seien 200 Millionen Euro kalkuliert worden. Diese fast zehn Jahre alte Schätzung sei aber nicht mehr belastbar, so der CDU-Politiker. Die Elektrifizierung finanziere die Deutsche Bahn mit Zuschüssen des Bundes.

Bahngleise 2 min
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MDR THÜRINGEN JOURNAL Fr 13.11.2020 19:00Uhr 02:07 min

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Denkmalgeschützte Ilmtalbrücke in Weimar wird verstärkt

Beim Ausbau soll nach Angaben der Bundestagsabgeordneten auch die denkmalgeschützte Sechsbogenbrücke über das Ilmtal in Weimar für die Oberleitung verstärkt werden. Außerdem sei geplant, die Bahnsteige an sechs Haltepunkten zwischen Weimar und Gera sowie in Hopfgarten zwischen Weimar und Erfurt zu verlängern. Lenkert sagte, die Bahnsteige seien seit der Wende saniert und dabei verkürzt worden. Inzwischen reichten die Bahnsteige nicht mehr aus, weil mehr Fahrgäste und deswegen längere Züge unterwegs seien.

Die Bundestagsabgeordneten aus Thüringen und Sachsen haben sich zusammengeschlossen, um den Ausbau der Bahnstrecke als Parlamentarier voranzubringen. Thüringen wird von Lenkert und Vogel sowie der SPD-Abgeordneten Elisabeth Kaiser und dem CDU-Abgeordneten Johannes Selle vertreten.

Anmerkung der Redaktion In einer früheren Version dieses Beitrag war davon die Rede, dass die Strecke bis Gößnitz zweigleisig ausgebaut werden solle. Dies ist jedoch nicht der Fall - zwischen Gera und Gößnitz soll es bei einem Gleis bleiben. Wir haben dies korrigiert und bitten den Fehler zu entschuldigen.

Quelle: MDR THÜRINGEN/seg

Dieses Thema im Programm: MDR THÜRINGEN - Das Radio | Nachrichten | 18. Februar 2021 | 10:00 Uhr

10 Kommentare

MDR-Team vor 1 Wochen

@ Peter Mueller und adler123: Vielen Dank für den Hinweis zu diesem Widerspruch und zur Pressemitteilung der DBAG. Wir setzen uns dazu mit den beiden zitierten Bundestagsabgeordneten in Verbindung sowie ggf. mit Bahn und Infrastrukturministerium. Da gerade Wochenende ist, bitten wir um Verständnis, denn das einige Zeit dauern kann. Auch Politiker haben manchmal frei ...

Peter Mueller vor 1 Wochen

Ja, das auf jeden Fall. Übrigens hat die DB selbst gestern auch eine Pressemeldung dazu herausgegeben. Darin steht: "Die vom Freistaat Thüringen beauftragte Vorplanung umfasst die Streckenabschnitte Papiermühle–Hermsdorf-Klosterlausnitz und Töppeln–Gera.". Da ich davon ausgehe, dass die DB als direkter Vertragspartner am besten weiß, was vereinbart wurde, ist der Bericht des MDR an der Stelle also tatsächlich nicht richtig und es wäre gut, wenn die Redaktion den Text noch ändern würde.

Peter Mueller vor 1 Wochen

Ich bin mir nicht sicher, ob wirklich die Untersuchung des zweigleisigen Ausbaus *bis Gößnitz* beauftragt wurde. Anderen Berichten zufolge geht es nur um den Abschnitt Jena - Gera, oder, noch genauer, die Abschnitte Papiermühle - Hermsdorf und Töppeln - Gera. Der Abschnitt Gera - Gößnitz und damit auch Ronneburg blieben demnach eingleisig. Vielleicht kann das die Redaktion noch klären.

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