Debatte um Schweinemast Bauernverband wirft Siegesmund fehlendes Wissen vor

Am Freitag stimmt der Bundesrat über Regelungen zur Schweinehaltung ab. Es geht darum, ob die Kastenhaltung für Schweine abschafft wird. Zuvor gibt es Knatsch zwischen Thüringens Umweltministerin und dem Bauernverband.

Anja Siegesmund, Spitzenkandidatin von Bündnis 90/Die Grünen in Thüringen, beantwortet Fragen von Journalisten in der Bundespressekonferenz über das Ergebnis der Landtagswahl in Thüringen.
Thüringens Umweltministerin Anja Siegesmund. Bildrechte: dpa

Der Thüringer Bauernverband hat Umweltministerin Anja Siegesmund (Grüne) fehlendes Wissen in der Tierhaltung vorgeworfen. Verbandspräsident Klaus Wagner sagte, die Ministerin habe bei der Debatte über die Schweinehaltung mit falschen Zahlen argumentiert. Wer so daneben greife, zeige sein Desinteresse am Thema. Wer sich ständig zu Themen aus anderen Ressorts äußere, sollte auch in der Lage sein, die Zahlen richtig einzuordnen.

Siegesmund hatte zuvor erklärt, dass in Thüringen zurzeit etwa 800.000 Sauen gezüchtet würden. Das sei nicht im Sinne einer nachhaltigen Tierwirtschaft. Nach Angaben des Thüringer Bauernverbandes gibt es dagegen im Freistaat nur noch rund 675.000 Schweine. Die Haltung von Schweinen sei seit Jahren stark rückläufig.

Ein Sprecher des Umweltministeriums sagte MDR THÜRINGEN, es handele sich hier um ein Missverständnis. Tatsächlich gebe es in Thüringen laut Landesamt für Statistik insgesamt knapp 700.000 Schweine. Die Kritik des Bauernverbandes wies das Ministerium dennoch zurück. Es gehe um eine andere Form der Tierhaltung.

Bundesrat stimmt über Kastenhaltung ab

Am Freitag stimmt der Bundesrat über Regelungen zur Schweinehaltung in Deutschland ab. Dabei geht es darum, ob die Kastenhaltung für Schweine abschafft werden soll. Seit Monaten wird zwischen den Ländern um das Thema gefeilscht.

Entgegen aller Verordnungen - eine hochschwangere Sau in einem viel zu engen Kastenstand.
Trächtige Sau in einem zu engen Kastenstand. Tierschutzorganisationen machten zuletzt mit Fotos auf die Zustände aufmerksam. Bildrechte: Animal Rights Watch

Laut Siegesmund steht am Freitag ein Kompromiss im Raum, nach dem Sauen in Zukunft nur noch 15 Tage pro Jahr in einem Kastenstand gehalten werden dürften. In den Kastenständen dürften sich die Sauen in Zukunft auch nur zum Schutz ihrer Ferkel aufhalten. "Damit wird die Kastenhaltung abgeschafft und die Gruppenhaltung hat sich durchgesetzt", sagte Siegesmund. Alle grün regierten Länder wollten dem zustimmen.

Weiter sagte Siegesmund, der Kompromiss sehe vor, dass die neuen Regelungen erst in acht Jahren vollständig umgesetzt sein müssten. Es seien jedoch insgesamt 300 Millionen Euro Fördergeld für diejenigen Betriebe vorgesehen, die den Umstieg schneller schafften.

Die Kastenhaltung wird von Tierschützern seit Jahren heftig kritisiert. Bislang dürfe eine Sau im Regelfall bis zu 118, in Ausnahmefällen sogar für bis zu 150 Tage jährlich in einen Kastenstand gesperrt werden, sagte Siegesmund. In der Gruppe müsse jedes Tier nun fünf Quadratmeter Platz haben.

Kritik von Landwirten

Der Thüringer Bauernverband äußerte deutliche Kritik an den bisher bekannten Entwürfen. Dass der Schweinebestand seit Jahren rückläufig sei, liege an den Anforderungen und andauernden rechtlichen Unsicherheiten bei der Schweinehaltung. Das führe dazu, dass Landwirte nicht mehr kostendeckend produzieren können, die Tierhaltung aufgeben und Fleisch importiert werden muss.

"Niemand baut mehr, weil keiner weiß, wie Ställe in drei, oder zehn Jahren aussehen sollen", sagte Anne Byrenheid vom Bauernverband. Insofern begrüße der Verband, dass es bald eine rechtliche Regelung gebe. Komme es aber tatsächlich dazu, dass jedes Tier fünf Quadratmeter Fläche zur Verfügung haben soll, müssten die Ställe erweitert werden, um die aktuelle Bestandsgröße beizubehalten. Unter anderem baurechtliche Fragen erschwerten solche Vergrößerungen aber. "Wir gehen dann eher von einem weiteren Rückgang des Sauenbestands aus", so Byrenheid.

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Quelle: MDR THÜRINGEN/sar, dpa

Dieses Thema im Programm: MDR THÜRINGEN - Das Radio | Fazit vom Tag | 02. Juli 2020 | 18:00 Uhr

8 Kommentare

husar vor 4 Wochen

Die Grünen haben von allem Ahnung, nur nicht genug. Die große Vordenkerin Annalena weiß z.B. wie man Strom auf Überlandleitungen speichern kann, da weiß man natürlich auch alles über die Schweinezucht. Was wäre Deutschland nur ohne das Wissen dieser grünen Spezialisten.

Atheist vor 4 Wochen

Ich staune immer wie man mit 5,2% die restlichen 94,8% bevormunden kann, soll wohl Demokratie sein.
Und das mit den Schweineverbrauch hat sich in spätestens 1 Generation eh erledigt.

Horst vor 4 Wochen

Scheindebatte und dummdreiste Lügen der Agralobby!
Die Rechtslage ist seit 1992 eindeutig, es gibt ein neues explizites Urtei von 2016 (Oberverwaltungsgericht Magdeburg) - und jetzt geht es wieder um Übergangsfristen von 8 bis 15 Jahren.
Und "Fleisch importiert werden muss"?! Wir haben seit Jahren ein Exportüberschuss! Die Menschen in Deutschland essen immer weniger (Schweine)Fleisch. Produziert wird für den Weltmarkt.

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