Energiewende Wenig Begeisterung für das Windbürgergeld in Thüringen

Ein Vorschlag der Bundes-SPD sieht vor, Anwohner beim Bau von Windkraftanlagen mit Geld oder einer Gewinnbeteiligung zu entschädigen. Doch weder bei Behörden noch bei Windkraftgegnern kommt dieser Vorschlag gut an.

Ein Windrad dreht sich am 02.03.2015 bei Nieder-Gemünden (Vogelsbergkreis, Hessen) vor weiß-blauem Himmel.
Können Entschädigungszahlungen für Anwohner beim Bau von Windkraftanlagen die Energiewende wieder in Gang bringen? Bildrechte: dpa

Bürgern Windkraftanlagen in ihrer unmittelbaren Nähe schmackhaft machen oder sie zumindest ein Stück weit für die ungeliebten Kolosse zu entschädigen - das ist die Idee des sogenannten "Windbürgergeldes", das die Bundes-SPD ins Gespräch gebracht hat. Eine Bund-Länder-Kommission soll verschiedene Modelle prüfen, darunter auch eine genossenschaftliche oder Gewinnbeteiligung. Bis Ende März sollen dann konkrete Vorschläge unterbreitet werden.

Windkraftausbau in Thüringen geht nicht voran

In Thüringen wird man die Debatten und ihre Ergebnisse aufmerksam verfolgen. Auch hierzulande ist der Windkraftausbau nahezu zum Erliegen gekommen. 843 Windkraftanlagen gibt es im Freistaat, davon wurden gerade mal zehn im letzten Jahr zugelassen. Soweit die Zahlen der Thüringer Energieagentur, die die Energiewende fördern und Bürger und Kommunen dabei beraten soll. Die Hauptgründe sind laut Agentur langwierige Antragsverfahren und vor allem: Bürgerproteste vor Ort.

Auszahlung von Geld wird kritisch gesehen

Könnten staatliche Ausgleichszahlungen den Protest wirklich abschwächen? Eine direkte Auszahlung von Geld findet die zuständige Abteilungsleiterin bei der Energieagentur, Ramona Rothe, nicht zielführend. Die Kommunen oder Bürger könnten jedoch über Genossenschaften an den Erlösen beteiligt werden. Ähnlich äußert sich das Thüringer Umweltministerium. Anliegern das Geld auszuzahlen, sei etwas schlicht, sagte ein Ministeriumssprecher. Stattdessen müssten die Bürger in die Planungen einbezogen und an den Gewinnen beteiligt werden. Als negatives Signal für andere Bauprojekte in den Kommunen sieht es der Geschäftsführer des Thüringer Gemeinde- und Städtebundes, Ralf Rusch. Die Frage sei, wofür die Bürger in Zukunft ebenfalls Ausgleichszahlungen erwarten würden. Vielleicht für die neugebaute Straße, die am Haus vorbeiführt, die neu eingeweihte Grundschule oder eine Kirche oder Moschee?

Ablehnung bei Windkraftgegnern

Unklar sei auch, wer denn tatsächlich Anspruch auf das Windbürgergeld habe. Der Anwohner selbst - oder nicht vielmehr auch sein Vermieter? Eine klare Absage für solche Pläne gibt es von Seiten der erklärten Windkraftgegner in Thüringen. Mit einem Windbürgergeld wollten sich die Politiker die Zustimmung vor Ort erkaufen, meinen die Vertreter von Bürgerinitiativen - wie etwa dem Verband "Energiewende mit Vernunft" oder der Initiative "Unser Holzland - kein Windkraftland". Mit derartigen Zahlungen würden die Wertverluste der Grundstücke zumeist nicht annähernd ausgeglichen werden, meinen die Aktivisten. Sie stellen den Sinn von Windkraftanlagen prinzipiell in Frage.

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Quelle: MDR THÜRINGEN

Dieses Thema im Programm: MDR FERNSEHEN | Thüringen Journal | 12. Januar 2020 | 19:00 Uhr

20 Kommentare

Rotti vor 36 Wochen

...und irgendwann wird das Bargeld abgeschafft und das ist es aus die Maus. Der gesundheitsschädliche Asbest - Rotoren - Spargel im Garten und keine Kohle. Aber vielleicht hat da der Infraschall schon wahnsinnig gemacht und dann kriegt man eh nichts mehr mit.

Rotti vor 36 Wochen

In der Altmark hat man die Leute zu Beginn damit geködert, dass der Strom nichts kostet und die Gemeinden Zuschüsse der Investoren und Gewerbesteuer bekommen. Fairerweise muss man sagen, dass die Gemeinden, die sich intensiv gekümmert haben, auch gutes Geld für ihre Infrastruktur erhalten haben. Aber schon bei der Gewerbesteuer ist es dann lächerlich.
Fakt ist, wenn Bürger ihre Gesundheit und die ihrer Kinder verkaufen wollen, nur zu. Aber dann fordere ich auch, dass die Krankenkassen da raus sind. Nicht schon wieder die Kosten sozialisieren.
Und auch kein Mitleid mit den Landbesitzern, wenn die dann die Anlagen entsorgen müssen, weil es die sogenannten Investoren nicht mehr gibt.

Ines W. vor 36 Wochen

Man sollte sich einmal entscheiden was man will!
Aus meiner Sicht kann man nicht wegen jeder gefühlten Beeinträchtigung Geld ausschütten, den sonst gibt es bald ein Stromtrassengeld oder ein Autobahngeld. Das Tagebaugeld wird wohl mangels Zukunft nicht angedacht werden.

Das wir Infrastruktur brauchen ist klar und irgendwo müssen halt die Trassen von Strom oder Verkehrswegen verlaufen. Identisch ist es mit der Energieerzeugung. eine Raffinierie oder ein Kohlekraftwerk vor der Haustür ist sicher auch keine Zierde.

Ob man sich jedoch an einem emmisionfreien Windrad stören muss, das ausreichenden Abstand zur Wohnbebauung hat, das ist sicher eine Glaubensfrage die meist nach dem Motto "überall gern, nur nicht bei mir" entschieden wird.

Wenn klamme Kommunen durch Windräder plötzlich sprudelnde Einnahmequellen hätten, dann wäre doch den Anwohnern am besten geholfen, denn damit schafft man Lebensqualität durch Investitionen in die Gemeinschaft.

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