Bienen an Ausflugsöffnungen eines Bienenstocks
Bienenstock: Die Hobbyimkerei hat zuletzt einen regelrechten Boom erlebt. Bildrechte: MDR/Robert Müller

Milde Winter Imker bangen um ihre Bienenvölker

Thüringer Imker sind besorgt: Viele wissen nicht, wie viele ihrer Völker überlebt haben. Milde Winter sind für die Honigbienen ein Problem.

von Robert Müller

Bienen an Ausflugsöffnungen eines Bienenstocks
Bienenstock: Die Hobbyimkerei hat zuletzt einen regelrechten Boom erlebt. Bildrechte: MDR/Robert Müller

Melanie Wimmer aus Bittstädt bei Arnstadt ist eine von vielen Thüringer Hobbyimkerinnen. Das Imkern ist für sie die ideale Freizeitgestaltung. Immer draußen in der Natur und der Honig als süßes Extra. 18 Völker zählte ihr Königreich vor der Winterpause.

Imkerin Melanie Wimmer
Imkerin Melanie Wimmer Bildrechte: MDR/Robert Müller

Als sie am vergangenen Wochenende die Bienenkästen öffnete, ahnte sie schon nichts Gutes. Zu wenig Betrieb an den Fluglöchern. Und dann die traurige Gewissheit: Von ihren 18 Bienenvölkern haben zehn den Winter nicht überlebt.

Wie Melanie Wimmer schauen viele Thüringer Imker nach den ersten warmen Tagen voller Sorge auf die Ausflugsöffnungen der Bienenstöcke. Denn jedes Jahr sterben laut Thüringer Imkerverband etwa 15 Prozent der Bienenvölker. Ein großes Problem sind dabei zu milde Winter.

Hoher Energieverbrauch

Denn dann geht die Königin nicht in die Winterpause, sondern legt fleißig weiter Eier, um die sich die Winterbienen kümmern müssen. Das verbraucht viel Energie. Winterbienen überleben deshalb nicht wie üblich bis zu sechs Monate, sondern sterben viel früher. Auch der Befall mit Varroa-Milben - dem Erzfeind der Bienen - steigt nach milden Wintern deutlich an.

Vorsitzender des Landesverbandes der Thüringer Imker Frank Reichardt
Vorsitzender des Landesverbandes der Thüringer Imker, Frank Reichardt Bildrechte: MDR/Robert Müller

Bedroht ist die Honigbiene derzeit aber nicht. "Honigbienen werden überleben, so lange es Imker gibt", sagt der Chef des Landesverbands der Thüringer Imker, Frank Reichardt. In Thüringen ist die Zahl der Imker laut Verband in den vergangenen zehn Jahren um 70 Prozent gestiegen. 3.900 Imker sind im Thüringer Imkerverband organsiert. Manche von ihnen haben weit über 100 Bienenvölker. Bundesweit gibt es 121.000 Imker. Laut dem Deutschen Imkerbund sind nur etwa ein Prozent davon Berufsimker, die von ihrem Honigverkauf leben können.

Sorgen muss man sich dagegen um die Wildbienen. Von den etwa 580 Wildbienenarten in Deutschland ist gut die Hälfte auf der roten Liste der gefährdeten Arten. Ihre Bestäubungsleistung übertrifft die ihrer domestizierten Vertreter - der Honigbienen - bei weitem.

Auch das Insektensterben insgesamt nimmt dramatisch zu: Laut aktuellen wissenschaftlichen Studien ist der Bestand an Fluginsekten in den vergangenen 30 Jahren um 75 Prozent geschrumpft. In einer aktuellen Emnid-Umfrage im Auftrag des BUND sprechen sich 67 Prozent der Befragten dafür aus, die Landwirtschaft zum Insektenschutz zu verpflichten.

Quelle: MDR THÜRINGEN

Dieses Thema im Programm: MDR THÜRINGEN | THÜRINGEN JOURNAL | 13. März 2019 | 19:00 Uhr

Zuletzt aktualisiert: 13. März 2019, 19:17 Uhr

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8 Kommentare

15.03.2019 16:06 Ernst Ellert 8

Es geht hierbei nicht um Schuldzuweisungen. Was jedoch noch viel wichtiger ist: Tiere sind keine "Sache" aus der man durch solche inakzeptablen Fehlschläge lernt (Learning by dying!) Überall redet man vom Tierwohl. Stellen Sie sich bitte einmal vor, wie elend ein Volk (ca. 10-15.000 Bienen im Winter) zugrunde zugrunde gehen muß, nur weil der "Bienenhalter" mangels Ausbildung und Wissen nicht in der Lage ist eine einfachst durchzuführende Varroabehandlung zum richtigen Zeitpunkt durchzuführen oder seine Völker ausreichend einzufüttern oder - wenn es sein muß - mitten im Winter eine Futterwabe zuzuhängen. Schon wäre kein Volk verhungert. Alle reden vom Tierwohl. Wie würden wohl die Medien darüber berichten, wenn ein Rinder- oder Schweinehalter ebenso arbeiten würde...? Ein Imker hat keinen Freibrief, nur weil es gerade eine Modeerscheinung ist, Biene zu halten.

15.03.2019 12:03 Martin 7

Als Hobby-Imker-Neuling vor ein paar Jahren musste ich schon die Erfahrung machen, dass es bei den Imkern mindestens so zugeht wie bei den Rechtsanwälten (Sie wissen schon: Zwei Anwälte, drei Meinungen). Da ist es schon nicht einfach, den Überblick zu behalten. Ich fände maße mir nicht an, aufgrund eines Artikelsder Imkerin gut Ratschläge zu erteilen und fände es gut, wenn man seine Kolleg(inn)en nicht - wie unten geschehen - mit Schuldzuweisungen und Inkompetenzvorwürfen überschüttet.

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