Bischof Ulrich Neymeyr
Weihbischof Ulrich Neymeyr Bildrechte: dpa

Bistum Erfurt Bischof Neymeyr hält Frauen im Priesteramt für "denkbar"

Erfurts katholischer Bischof Ulrich Neymeyr kann sich Frauen im Priesteramt vorstellen. Zudem sprach er sich dafür aus, verheiratete Diakone oder Gemeindereferenten zu Priestern zu weihen.

Bischof Ulrich Neymeyr
Weihbischof Ulrich Neymeyr Bildrechte: dpa

Der Erfurter Bischof Ulrich Neymeyr kann sich eine Zulassung von Frauen zum Priesteramt "vorstellen". Dies wäre aus seiner Sicht "theologisch denkbar", sagte Neymeyr am Donnerstagabend beim Jahresempfang des Bistums Erfurt. Dabei ist ihm bewusst, dass es so schnell wohl keine Frauen als Priesterinnen geben wird. Einen solchen Schritt halte er mit Blick auf die Weltkirche für derzeit "absolut unvorstellbar", betonte der Bischof.

Neymeyr rief dazu auf, in der Theologie weiter zu diskutieren, inwieweit das Priesteramt in der katholischen Kirche Männern vorbehalten werden müsse, um Christus repräsentieren zu können. Er äußerte Verständnis dafür, dass es unter Frauen eine "große Ungeduld und Unverständnis" über ihre Rolle in der Kirche gebe. Gottesdienste zu bestreiken lehnte er aber als Protestaktion ab. Eine Fraueninitiative unter dem Motto "Maria 2.0" hatte am Samstag bundesweit einen einwöchigen Kirchenstreik gestartet. Die gläubigen Frauen fordern unter anderem den Zugang zu allen Ämtern der Kirche für Frauen.

Neymeyr für Priesterweihe von verheirateten Diakonen

Der Bischof sprach sich dafür aus, auch verheiratete Diakone oder Gemeindereferenten zu Priestern zu weihen. "Wenn es erlaubt wäre, würde ich es tun", sagte Neymeyr. Die kirchlichen Mitarbeiter hätten gelernt, die Anforderungen ihres Berufs mit dem Familienleben zu vereinbaren. Zudem komme in die Frage einer Zulassung von Frauen zum Diakonenamt derzeit Bewegung.

Die Katholische Frauengemeinschaft unterstützt die Ideen Neymeyrs. Die Bischöfe sollten jetzt dranbleiben, so die stellvertretene Bundesvorsitzende Agnes Wuckelt. Thomas Kretschmer, der Vorsitzende des Katholikenrats in Thüringen, ist zuversichtlich. Die Bischöfe müssten allerdings auch ganz konkrete Schritte einleiten.

Neymeyr forderte auch neue Wege, über die katholische Sexualmoral nachzudenken. "Wenn sie apodiktisch vorgebracht wird, macht sich keiner mehr Gedanken, welche Überlegungen dahinter stehen", sagte er. Deshalb habe die katholische Kirche vielerorts bei diesem Thema die "Gesprächsbasis" mit jungen Menschen verloren.

Das Bistum Erfurt ist mit knapp 150.000 Gläubigen eines der kleineren in Deutschland. 2024 wird in Erfurt der Katholikentag ausgerichtet.

Quelle: dpa/KNA/MDR THÜRINGEN

Dieses Thema im Programm: MDR THÜRINGEN - Das Radio | 17. Mai 2019 | 05:00 Uhr

Zuletzt aktualisiert: 17. Mai 2019, 20:34 Uhr

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14 Kommentare

19.05.2019 17:21 martin 14

@13 anonym: Selbstverständlich gibt es in D die Religionsfreiheit. Das bedeutet aber nicht, dass Kritik sakrosankt ist.

Darüber hinaus gibt es innerhalb des Christentums unterschiedliche Auffassungen über die Rolle der Frau. Selbst innerhalb der kath. Kirche gibt es heftige Kritik an der Position der Kirchenleitung.

Abschließend: Wieviel Ahnung ich vom christlichen Glauben habe, können Sie aus der Ferne überhaupt nicht beurteilen. Aber Menschen mit anderen Meinungen unterstellen, dass sie keine Ahnung hätten, ist eine bequeme Lebensart.

19.05.2019 15:14 Zu Nr. 12 Martin 13

Es gibt nicht nur Meinungsfreiheit, sondern auch vom Grundgesetz her garantierte Religionsfreiheit. Was Sie und andere Kommentatoren hier tun, ist Beleidigung einer Religion mit herablassenden und naiven Worten. Wie gesagt: Wer keine Ahnung vom Glauben hat, der sollte lieber schweigen und die Gläubigen nicht diffamieren.

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