Ab 1. Januar Bonpflicht für jeden Einkauf

Ab dem 1. Januar gilt in Deutschland eine Bonpflicht. Da heißt, für jeden Einkauf, egal ob für das Brötchen beim Bäcker oder den Cappuccino im Café, muss ein Kassenzettel ausgestellt werden. Mit dem neuen Gesetz soll Steuerbetrug im Einzelhandel eingedämmt werden. Wenn ein Bon ausgegeben wird, ist der Einkauf in der Kasse registriert. So kann das Finanzamt kontrollieren, ob für den Einkauf Steuern abgeführt werden.

Kassenbons
Seit 1. Januar 2020 sind die kleinen Zettel Pflicht bei jedem Einkauf. Bildrechte: imago images/teamwork

Im Einzelhandel kam die Änderung bisher nicht gut an. Vor allem über den großen bürokratischen Aufwand wird geklagt. Auch für Frank Klaaszens, der einen Obst- und Gemüseladen in Erfurt betreibt, ist die Bonpflicht "einfach nur Unsinn". Denn die sogenannte Registrierkasse, die ab Herbst 2020 Pflicht sein wird, erfasst auch ohne das Ausstellen eines Bons jeden Einkauf. Das sei sicher genug, meint der Gemüsehändler.

Mehrere Bon-Rollen pro Tag

Dafür muss der Einkauf aber korrekt in das Kassensystem eingetippt werden. Ob das passiert, kann der Kunde über die Anzeige des Kaufbetrags auf dem Display der Kasse erkennen. Dass jetzt der Bon dazu kommt, stört Klaaszens aus mehreren Gründen. Er beklagt zum einen steigende Kosten, eine Bon-Rolle würde rund 2,50 Euro kosten und er bräuchte in Zukunft mehrere pro Tag. Zum anderen sei der klassische Kassenbon schlecht für die Umwelt und sogar gesundheitsgefährdend. Auch ökologisch ergibt die Gesetzgebung für ihnen keinen Sinn: "Wir verbieten die Plastiktüte und machen mit dem Bon neuen Müll, der nicht recycelt werden kann“.

Gesundheitsgefahr durch Kassenzettel

Gemüsehändler hinter der Theke
Ladenbesitzer Frank Klaaszens findet die Bonpflicht unsinnig. Bildrechte: MDR/Franziska Grewe

Damit hat der Einzelhändler Recht. Kassenzettel dürfen nicht im Papiermüll entsorgt werden, sondern gehören in den Restmüll. Reguläre Kassenbons werden nämlich auf sogenanntes Thermopapier gedruckt. Dieses Papier ist mit verschiedenen Chemikalien beschichtet, zum Beispiel mit Bis Phenol A. Auch als BPA bekannt. Dieser Stoff steht unter anderem im Verdacht, krebserregend zu sein und Diabetes zu fördern. Besonders Babys und Kleinkinder sollten deswegen nicht mit Kassenzetteln spielen. Bisphenol A kann bei Ihnen auch zu Asthma führen. Die Chemikalien machen das Thermopapier aber erst funktionsfähig. Sie führen dazu, dass es sich unter Hitze verfärbt. Es wird also nicht mit Tinte, sondern mit Wärme gedruckt. Für die Einzelhändler hat das einen entscheidenden Vorteil: Es muss nie eine Druckerpatrone gewechselt werden. Das spart Zeit und Geld.

BUND kritisiert "unnötigen Ressourcenverbrauch"

Zwei Hände halten einen Kassenzettel
Die Kassenbons sind mit verschiedenen Chemikalien beschichtet. Bildrechte: MDR/Franziska Grewe

Auch für das bloße Papier werden Rohstoffe verbraucht, sprich Bäume benötigt. Burkhard Vogel, der Landesgeschäftsführer des BUND Thüringen sagt zwar, der Ressourcenverbrauch sei quantitativ nicht sehr hoch, aber unnötig. Im Zeitalter der Digitalisierung findet er Kassenbons aus Papier überholt, stattdessen könnten auch Dateien verschickt werden, zum Beispiel per E-Mail. Da es jetzt aber erstmal der Bon aus Papier sein muss, verweist er auf eine weitere Möglichkeit: "Es gibt umweltfreundlichere Alternativen“. Die werden kommen im Moment aber meist nur in ausgewählten Bio-Märkten zu Einsatz.

Kaum Auswirkung auf Kunden

Nicht nur Umweltschutzorganisationen und Einzelhandel beklagen die Neuregelung, auch von politischer Seite regt sich Widerstand. Bundeswirtschaftsminister Peter Altmaier (CDU) forderte im Dezember, die Praxis zu überprüfen und mittelfristig zu ändern. Die Bonpflicht ist nur Teil eines Gesetzes, dass Kassen durch technische Sicherheitseinrichtungen betrugssicherer machen soll.

Auf Kunden wird sich das Gesetz erstmal nur geringfügig auswirken. Mehr als die ständige Frage "möchten Sie den Bon mitnehmen?", ist erstmal nicht zu befürchten. Längere Wartezeiten an Kassen durch das häufigere Austauschen von Bon-Rollen werden sich wohl auch kaum bemerkbar machen. Da die meisten Kunden für ein Brötchen aber keinen Bon mitnehmen wollen, steht der Bäcker vor der Frage: wohin damit?

Quelle: MDR THÜRINGEN/nis

Dieses Thema im Programm: MDR THÜRINGEN - Das Radio | MDR THÜRINGEN JOURNAL | 01. Januar 2020 | 19:00 Uhr

20 Kommentare

Blume vor 47 Wochen

Übrigens sieht man spätestens nach 3 Monaten auf dem Bon, auch wenn er im dunklen Ordner eingesperrt ist, sowieso keine Zahl mehr. Eine Erfindung für die Tonne. Bei wichtigen Dingen sollte man eine Kopie machen, oder einscannen, oder, oder...
Ein Glück, das es unmöglich ist, zurück ins Mittelalter "fortzuschreiten". Deutschland wäre ganz weit vorn dabei. Lächerliche Gesetze, wo andere Länder schon seit 10 Jahren weiter sind. Was haben wir nur für schlaue Politiker. Ich möchte auch kein Bon auf mein Handy. Was ist wenn ich kein Datenvolumen mehr habe, oder der Akku alle ist? Ich möchte keine Überwachung über gekaufte Äpfel. Irgendwann ist Schluss.

Querdenker vor 47 Wochen

siehe „umweltbundesamt EU erkennt Bisphenol A als besonders besorgniserregend an“

Zitat: „Die Verwendung von Bisphenol A in Thermopapier ist aus Gründen des Gesundheitsschutzes ab 2020 verboten.“

Der Kunde sollte aus den verschiedensten Gründen (z.B. Einkauf für Dritte, Steuer, Beleg gegenüber der Polizei bei Raub, Beleg für bezahlte Ware, etc.) ein Recht auf einen Beleg haben und sich nicht dafür rechtfertigen müssen, einen Kassenbon zu verlangen.

Zitat: „… stattdessen könnten auch Dateien verschickt werden, zum Beispiel per E-Mail.“

Was für ein Quatsch! Den Beleg möchte man ggf. sofort im Laden überprüfen. Das sollte eigentlich sogar der Regelfall sein, wenn man reklamieren möchte.

Zitat: „Da es jetzt aber erstmal der Bon aus Papier sein muss, verweist er auf eine weitere Möglichkeit: "Es gibt umweltfreundlichere Alternativen“.“

Und deswegen gibt es gar kein Problem.

Edward S. vor 47 Wochen

Klar! Die Bäckerei-Innung, das Gaststäätenwesen u. Kleinhändler sind gegen die Bonpflicht. Ich kenne Gastätten u. Bäckereien, wo mir noch nie ein Bon angeboten wurde. Kartenzahlungen in vielen Gaststätten nicht möglich-sind Anzeichen für anstehenden Betrug. 10 Mrd. Euro vorbei am Fiskus, Olaf Scholz besteht zu Recht auf eine Bonpflicht!

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