Armenische Mafia Boxer Karo Murat sagt im Schlägerei-Prozess aus

von Axel Hemmerling und Ludwig Kendzia

Im Prozess um eine Schlägerei am Rande einer Box-Gala in Erfurt hat das mutmaßliche Opfer ausgesagt. Der armenisch-deutsche Profi-Boxer Karo Murat war am Mittwoch vor dem Amtsgericht Erfurt als Zeuge geladen. Während seiner Vernehmung herrschte zwischen ihm und den Angeklagten eine aggressive Stimmung. So gab es Wortgefechte auf Armenisch zwischen Murat und den fünf armenisch stämmigen Männern im Gerichtssaal. Richterin Martina Bucke musste mehrfach für Ruhe im Saal sorgen, auch weil Murats Bruder Koko aus dem Publikum heraus sich an der Auseinandersetzung beteiligte. Er musste von Murats Berliner Anwalt Michael Bärlein beruhigt werden.

Koko Murat (links) und Karo Murat (rechts)
Koko Murat (links) und Karo Murat (rechts). Bildrechte: MITTELDEUTSCHER RUNDFUNK

In der Zeugenvernehmung seines Bruders Karo sollten die Umstände der Schlägerei am Rande des WM-Boxkampfes in der Erfurter Messehalle 2017 geklärt werden. Den fünf Angeklagten wirft die Staatsanwaltschaft Gera vor, auf Murat losgegangen zu sein und ihn dabei attackiert zu haben. So sollen sie auf ihn eingeschlagen und eingetreten haben. Zudem sollen sie mit Stühlen nach ihm geworfen haben. Dabei hätten sie Karo Murat im Gesicht verletzt, der dadurch eine tiefe Schnittwunde erlitten habe, sagte Staatsanwalt Thomas Müller-Gründel.

Karo Murat verstrickt sich in Widersprüche

Doch Karo Murat konnte weder zu dem Vorfall selber, noch zu den Hintergründen etwas Erhellendes sagen. Er sei an diesem Abend Gast der Box-Gala gewesen. Als er am Gehen war, habe er einen anderen Armenier getroffen. Diesen habe er gegrüßt, doch der habe ihn beleidigt und eher er sich versah sei er angegriffen worden. Auf ihn seien mehrere Männer losgegangen. Sie hätten Stühle und Flaschen nach ihm geworfen. Er sei von ihnen umringt gewesen und habe sich gewehrt. Erst nach einiger Zeit hätten sie von ihm abgelassen und er habe in die Kabine gelangen können.

Richterin Bucke fragte Murat, ob er einen der Männer auf der Anklagebank kenne. Dabei verstrickte dieser sich in Widersprüche. Erst sagte er, dass er keinen kenne. Dann räumte er ein, dass er sie von dem Boxkampf in Erfurt kenne oder von anderen Kämpfen. Dann wieder, dass er sich doch nicht genau kenne. Das sorgte dann für die auf Armenisch ausgetragenen verbalen Auseinandersetzungen. Einige der Angeklagten und Murats Bruder Koko, der im Saal saß, begannen ein aggressives Wortgefecht. Nachdem Richterin Bucke für Ruhe sorgte ließ sie sich von der anwesenden Dolmetscherin übersetzen, was gesagt wurde. Demnach warfen einige der Angeklagten Murat vor, nicht die Wahrheit zu sagen. Er kenne sie doch, warum er das nicht sage, sollen sie ihm entgegnet haben.

Angeklagte und ihre Anwälte sitzen in einem Gerichtsaal
In Erfurt hat am Mittwoch der Prozess gegen die Männer begonnen, die an der Prügelei beteiligt gewesen sein sollen. Bildrechte: MDR/Cornelia Hartmann

Zusammenhang zur Mafia-Schießerei 2014?

Dieser Vorwurf hat in dem Verfahren eine Bedeutung, weil der Verdacht besteht, dass zwischen der Attacke 2017 und der berüchtigten Mafia-Schießerei 2014 in Erfurt ein Zusammenhang besteht. Denn von den fünf Angeklagten in dem aktuellen Verfahren, waren mindestens drei von ihnen auch bei der Schießerei dabei. Das Thüringer Landeskriminalamt war damals auch dem Verdacht nachgegangen, dass Karo Murat ebenfalls bei der Auseinandersetzung zwischen mehreren armenischen Mafia-Clans in Erfurt 2014 dabei war. Das hatte er immer bestritten. Dafür hatte sein Bruder Koko erklärt, dass er damals in Erfurt in der Spielothek dabei gewesen sei. Allerdings sei das nur Zufall gewesen und er habe auch keinen gekannt. Nach der Auseinandersetzung am Mittwoch im Erfurter Amtsgericht ist diese Aussage von ihm, die er 2014 bei der Polizei über seine Anwesenheit bei der Schießerei gemacht hatte, zumindest fragwürdiger geworden.

Sein Bruder Karo wurde am Mittwoch als Zeuge vorerst entlassen. Ob er nochmal vorgeladen wird, ließen die Verteidiger der fünf Angeklagten offen. Die Hintergründe und Motive der Schlägerei am Rande der Box-Gala 2017 blieben nach dem ersten Prozesstag weiterhin unklar. Das Verfahren wird in der kommenden Woche fortgesetzt. Das Verfahren ist bis in den November terminiert.

Quelle: MDR THÜRINGEN

Dieses Thema im Programm: MDR FERNSEHEN | MDR THÜRINGEN JOURNAL | 21. August 2019 | 19:00 Uhr

Zuletzt aktualisiert: 21. August 2019, 20:02 Uhr

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