Schnelles Internet in Thüringen Mobilfunklöcher und Breitbandausbau: Eine Bilanz

Gespräche reißen ab, Nachrichten kommen nicht an, das Navi auf dem Smartphone versteht nicht mal Bahnhof: Das Mobilfunknetz in ländlichen Regionen Thüringens ist noch immer ein Ärgernis. Besser sieht es beim Breitbandausbau für schnelles Internet aus.

Ein Telefon mit der Startseite von mdr.de/mobil
Smartphone-Nutzer erwarten schnelles Internet, um sich zum Beispiel unterwegs Nachrichten anschauen zu können. Bildrechte: MITTELDEUTSCHER RUNDFUNK/colourbox

Bei der Versorgung mit einem leistungsstarken Internet ist Deutschland Entwicklungsland. Einfacher Test: Wer auf den Gedanken kommt, sich einen Kinofilm in Full HD mit Normallänge von 90 Minuten anzuschauen, braucht im aktuellsten Mobilfunknetz mit LTE etwa zehn Minuten zum Laden. Empfang vorausgesetzt. Denn gerade auf dem Land gibt es noch viele "weiße Flecken" beim schnellen Mobilfunk.

Im September hat das Bundesministerium für Verkehr und digitale Infrastruktur (BMVI) die Netzbetreiber Telekom, Vodafone Telefonica und 1&1 Drillisch vertraglich verpflichtet, eine bessere Versorgung des ländlichen Raums sicherzustellen. Bis Ende 2021 müssen demnach 99 Prozent der Haushalte in jedem Bundesland eine LTE-Versorgung erhalten. Also auch in Thüringen.

Stadt-Land-Gefälle beim mobilen Internet

Die Mobilfunkbetreiber stehen damit vor großen Herausforderungen - schaut man sich die aktuelle Versorgungslage mit LTE in Thüringen an. Laut Breitbandatlas des BMVI verfügen 87 bis 92 Prozent der Thüringer Haushalte über LTE. Das klingt eigentlich ganz gut, doch es gibt große regionale Unterschiede. So kommt zum Beispiel die Stadt Bürgel im Saale-Holzland-Kreis auf nur vier Prozent. In Ballstädt im Landkreis Gotha sind es 45 Prozent und in Brotterode-Trusetal im Kreis Schmalkalden Meiningen 27 Prozent. Die städtischen Regionen erreichen durchweg über 95 Prozent. Die Bundesnetzagentur hat eine Karte veröffentlicht, in der die Funklöcher eingesehen werden können.

Ländlicher Raum abgehängt

Ein junger Mann mit blonden Haaren sieht auf sein Smartphone und hat einen verwirrten Gesichtsausdruck, an einem Baum stehend, Hintergrund unscharf
Frust mit dem Smartphone: Gerade auf dem Land gibt es noch viele "weiße Flecken" beim schnellen Mobilfunk. Bildrechte: imago images/Panthermedia

Das unabhängige Verbraucherportal "Opensignal" kommt bei der Untersuchung der 4G-Versorgung im ländliche Raum zu ähnlichen Ergebnissen. Laut aktueller Analyse leben in ländlichen Regionen Thüringens knapp 74 Prozent der Bevölkerung, von denen knapp 76 Prozent 4G nutzen können. Die 4G-Versorgungsprognose des BMVI geht davon aus, dass es auch nach 2024 in Thüringen noch 138 "weiße Flecken" geben wird - mit einer Gesamtfläche von 218 Quadratkilometern. Davon betroffen wären laut Prognose noch etwa 5.700 Haushalte. Der Grund dafür liegt auf der Hand: Mobilfunkanbieter können in relativ dünn besiedelten Gebieten mit der vorhandenen Kundennachfrage nicht ausreichend Geld verdienen. Anders gesagt: Der Netzausbau lohnt sich für sie schlichtweg nicht.

Breitbandausbau kommt in Thüringen voran

Wesentlich besser sieht es in Sachen Breitbandausbau für schnelles Internet in Thüringen aus. Nach aktuellen Zahlen der Digitalagentur Thüringen können derzeit rund 92 Prozent der Haushalte im Freistaat mit mindestens 30 Megabit pro Sekunde (MBit/s) schnellem Internet versorgt werden. In etwa 90 Prozent der Haushalte werden mindestens 50 MBit/s, in rund 63 Prozent der Haushalte sogar mehr als 100 MBit/s erreicht. Die positive Entwicklung wird sich nach Einschätzung des Wirtschaftsministeriums durch Fördervorhaben in den kommenden Monaten beschleunigen. Bund, Land, Kommunen und private Telekommunikationsunternehmen haben mehr als 400 Millionen Euro für den Breitbandausbau im Freistaat zugesagt. Allein 50 Thüringer Regionen werden - mit Ko-Finanzierung vom Land - über das aktuelle Bundesprogramm Breitband gefördert.

Millionen-Investitionen für schnelles Internet

Die Stadt Suhl und die Verwaltungsgemeinschaft Dolmar-Salzbrücke im Landkreis Schmalkalden-Meiningen erhalten 9,1 Millionen Euro für den Breitbandausbau. Mit dem Bau von Glasfaserzugängen soll im kommenden Jahr begonnen werden. In beiden Regionen werden damit laut Ministerium bis Ende 2020 über 900 Haushalte, 159 Unternehmen und 17 Schulen an das leistungsstarke Glasfasernetz angeschlossen.

Breitbandausbau ohne kommunalen Eigenanteil

Smart TV
Streaming über den smarten Fernseher: Wer lange Filme in HD-Qualität schauen will, braucht mitunter Geduld, bis die Inhalte geladen wurden. Bildrechte: Colourbox.de

Auch der Unstrut-Hainich-Kreis und der Kyffhäuserkreis haben weitere Landesmittel für den Ausbau des schnellen Internets erhalten. 3,8 Millionen Euro gingen an den Kyffhäuserkreis und 4,9 Millionen Euro an den Unstrut-Hainich-Kreis. In beiden Kreisen sind laut Wirtschaftsministerium Investitionen in Höhe von insgesamt mehr als 32 Millionen Euro geplant. Große Teile davon kommen vom Förderprogramm des Bundes. Der Freistaat erhöhte seinen Förderanteil von 20 auf 30 Prozent. Damit entfällt der kommunale Eigenanteil komplett. Im Kyffhäuserkreis hat der Breitbandausbau bereits begonnen, im Unstrut-Hainich-Kreis starten die Arbeiten im nächsten Jahr. Vom Breitband profitieren unter anderem Bewohner von Sondershausen, Rohnstedt, Artern, Ringleben und Wenigenehrich. Bis Ende nächsten Jahres sollen insgesamt 14.000 Haushalte in 26 Städten und Gemeinden eine Zugriffsmöglichkeit auf schnelles Internet haben.

Landeseigene Infrastrukturgesellschaft

In einigen Regionen Thüringens ist es jetzt schon möglich, mit hohen Geschwindigkeiten im Internet zu surfen. Laut Wirtschaftsministerium konnten Ende 2018 bereits rund vierzehn Prozent aller Haushalte mit Bandbreiten von mehr als 1.000 Megabit pro Sekunde online gehen. In den nächsten Jahren soll die Verfügbarkeit solcher Anschlüsse mit dem Ausbau von Glasfaserleitungen deutlich zunehmen. Dabei soll eine landeseigene Infrastrukturgesellschaft helfen. Sie soll die Kommunen unter anderem dabei unterstützen, Zuschüsse zum Netzausbau zu beantragen und für die Koordination bei den notwendigen Bauarbeiten sorgen. Damit will das Land zum Beispiel erreichen, dass die Gewerbegebiete bis zum Jahr 2022 flächendeckend angeschlossen sind. Schulen sollen bis 2023 folgen. Bis 2025 soll es den Nutzern in allen Gemeinden Thüringens möglich sein, mit Bandbreiten von mehr als 1.000 Megabit pro Sekunde online zu gehen.

Ausbau des Glasfasernetzes vorrangiges Ziel

Wie das Wirtschaftsministerium mitteilte, bildet das bestehende Glasfasernetz schon jetzt das Rückgrat des Breitbandausbaus, die Kabel endeten aber noch häufig in einem Verteilerkasten auf einem Gehweg. Das letzte Stück bis zu den Häusern werde häufig weiterhin von Kupferkabeln überbrückt. Dabei seien die Übertragungsraten umso schlechter, je weiter der Verteilerkasten von den Haushalten entfernt steht. Vor allem in der Industrie würden sehr hohe Bandbreiten etwa für die Echtzeitsteuerung von Maschinen und Prozessen gebraucht. Diese erweiterten Anforderungen können nach Einschätzung des Ministeriums nur durch Breitbandnetze abgedeckt werden, die maßgeblich auf Glasfasertechnologie basieren. Vorrangiges Ziel sei es deshalb, in Thüringen eine flächendeckende Glasfaserinfrastruktur aufzubauen, die Glasfaserleitungen im Regelfall bis an das Grundstück und Gebäude bringt (sog. FTTB = Fiber to the Building-Ausbau). Ein flächendeckendes Glasfasernetz ist nach Ansicht des Wirtschaftsministerium zudem Voraussetzung für die Einführung des neuen Mobilfunkstandards 5G in den kommenden Jahren.

Zwei Thüringer Städte werden Modellregion für 5G

Eisenach und Ilmenau sollen sogenannte 5G-Modellregionen werden. Nach Angaben des Wirtschaftsministeriums haben beide Städte vom Bund Förderzusagen über 70.000 bzw. 79.000 Euro erhalten, die Bescheide wurden am 19.12.2019 in Berlin übergeben. Mit dem Geld sollen zunächst Konzepte erstellt werden, wie die neue Technologie kommunal angewendet werden kann, etwa bei der Verkehrssteuerung oder in der Energie- und Abfallwirtschaft. Liegen Konzepte vor, entscheidet der Bund im kommenden Jahr über weitere Fördermittel, um die Pläne umzusetzen. Deutschlandweit hatten sich 138 Standorte beworben, rund 50 wurden für die erste Phase ausgewählt.

Quelle: MDR THÜRINGEN/uka

Dieses Thema im Programm: MDR THÜRINGEN - Das Radio | Nachrichten | 26. Dezember 2019 | 08:00 Uhr

2 Kommentare

part vor 38 Wochen

Die BRD liegt weit abgeschlagen in der digitalen Versorgung in Europa und der Welt, Argumente wegen einzelner bergigen Landschaften lasse ich nicht gelten. Es ist wie mit der restlichen Infrastruktur: ob Gesundheitsversorgung, ÖPNV, Post, Wasser, Abwasser, Elektroenergie, Wohnungsversorgung, Altenversorgung, sozialer Hilfeleistung und anderen Dingen, die dringend zur Staatlichen Daseinsfürsorge gehören. Es zählt nur noch die Dividente am Aktienmarkt, nachdem der Staat das Eigentum der Bürger privatisiert hat um vemeintliche Schulden abzumildern. Die Abzocker bei der digitale Versorgung erfreuen sich aber am deutschen Modell der Gewinnerwartung bei geringer Leistung immer mehr, nur nützt dies der wirtschaftlichen Entwicklung nichts, wobei aber CO²- Einsparungsderivate erzielt werden könnten, wegen geringeren Streamingraten. Immer eine Abwägung des Pro- und Contra...

Ekkehard Kohfeld vor 38 Wochen

Ist schon sehr bedenklich das man eher Geld ins Netz steckt als die ständig steigende Armut zu bekämpfen.
Funklöcher sind wohl wichtiger wie Löcher in den Finanzen der armen Menschen.
Und ja das ist meine Meinung dazu,Zensur?
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