Für eine Limited reicht ein Englisches Pfund als Stammkapital aus, während bei der deutschen GmbH 25.000 Euro nötig sind.
Für eine Limited reicht ein Englisches Pfund als Stammkapital aus, während bei der deutschen GmbH 25.000 Euro nötig sind. Bildrechte: MDR/Karsten Heuke

Limited und jetzt? Brexit trifft Thüringer Firmen

Der anstehende EU-Austritt Großbritanniens erschüttert nicht nur die Wirtschaftswelt im Großen. Auch hunderte Thüringer Handwerker und Dienstleister sind unmittelbar betroffen. Denn viele betreiben ihre Betriebe nicht als Einzelunternehmer oder GmbH, sondern überraschenderweise als britische Limited.

von Karsten Heuke

Für eine Limited reicht ein Englisches Pfund als Stammkapital aus, während bei der deutschen GmbH 25.000 Euro nötig sind.
Für eine Limited reicht ein Englisches Pfund als Stammkapital aus, während bei der deutschen GmbH 25.000 Euro nötig sind. Bildrechte: MDR/Karsten Heuke

Das Kürzel "Ltd." weißt auf die rechtliche Besonderheit hin, die plötzlich große Unsicherheit bedeutet. Im Geschäftsalltag spielte es kaum eine Rolle, dass hunderte meist kleinere Thüringer Betriebe als Limited, kurz Ltd., firmieren und ihren offiziellen Hauptsitz in Großbritannien haben. Dazu gehören Dachdecker, Maler, Installateure, IT-Dienstleister, Fahrschulen oder auch Hotels. Die Unternehmer sind nicht Geschäftsführer, sondern englische Directors. Und ihre tagtäglichen Geschäfte wickeln sie rein rechtlich gesehen über ihre deutsche Zweigniederlassung ab. Hier zahlen sie auch regulär ihre Steuern. Am Hauptsitz in England verfügen sie dagegen gewöhnlich nur über einen Briefkasten und nutzen einen Verwaltungsdienstleister.

Kommt es in ein paar Monaten zum Brexit, reißt diese grenzüberschreitende Verbindung jedoch schlagartig ab. Dann fällt die EU-Niederlassungsfreiheit für britische Firmen, die ausschließlich in Deutschland aktiv sind, weg. Damit greife auch die Haftungsbegrenzung der Limited nicht mehr, warnt der Unternehmensrechtler Carl-Heinz Witt von der Universität Erfurt. Die Unternehmer hafteten stattdessen persönlich mit ihrem gesamten privaten Vermögen für alle Verbindlichkeiten ihrer Firma. Dem könnten sie nur entgehen, wenn sie eine andere Unternehmensform, beispielsweise eine GmbH, wählen.

GmbH-Gründungsaufwand schreckt ab

Harald Hnik hat vor 15 Jahren die Suhler Montagebau Ltd. mit Sitz in Birmingham gegründet.
Harald Hnik hat vor 15 Jahren die Suhler Montagebau Ltd. mit Sitz in Birmingham gegründet. Kunden und Lieferanten haben sich längst an den Firmennamen gewöhnt. Bildrechte: MDR/Karsten Heuke

Doch viele Betroffene fürchten hohen bürokratischen Aufwand und Kosten. Zumal viele Unternehmer sich einst für die Limited entschieden hatten, um genau das zu vermeiden. Sie wollten eine Haftungsbegrenzung wie bei der deutschen GmbH zu günstigeren Konditionen. Der Trockenbauer Harald Hnik hat sich 2004 mit seiner Suhler Montagebau Ltd. selbständig gemacht. "Das ging sehr schnell, außerdem war ein Englisches Pfund als Stammkapital ausreichend" so Hnik. Bei einer GmbH wären dagegen 25.000 Euro notwendig gewesen.

Auch Hotel-Unternehmer Hans-Christian Greulich aus Mellingen wählte die Limited, weil es die einfachste Möglichkeit gewesen sei. "Wir waren innerhalb von nur drei Tagen arbeitsfähig und die Kosten waren viel niedriger", so Greulich.

Der Ingenieur Matthias Bachmann hat auch die englische Limited den deutschen Rechtsformen vorgezogen. Seine JenMechanik Ltd. sei nicht nur einfach zu gründen gewesen, sondern ausländischen Kunden sei das Kürzel Ltd. auch vertrauter als GmbH. Momentan wartet der Laser-Spezialist noch ab, wie sich die Brexit-Pläne weiter entwickeln. Sein Motto sei "stay calm“ (zu deutsch: bleib ruhig), auch wenn vor allem unseriöse Geschäftemacher regelmäßig Panik schürten. Wie viele scheut er die Kosten einer sogenannten Verschmelzung auf eine deutsche GmbH, bei erster Kalkulation rechnet er dabei mit 20.000 Euro Kosten und mehr.

Der Ingenieur Matthias Bachmann.
Der Ingenieur Matthias Bachmann konstruiert mit seiner JenMechanik Ltd. Laser-Technik für Kunden aus Israel, den USA und Italien. Bildrechte: MDR/Karsten Heuke

Dass der Umwandlungsaufwand beträchtlich ist, bestätigt Ingolf Oschmann aus Eisenach. Aus der Oschmann Heizung-Sanitär Limited ist vor zwei Monaten eine GmbH geworden. "Die Gründung der GmbH hat sechs Monate gedauert", sagt der Unternehmer. Und die Umstellung sei noch nicht beendet, so müssten alle Arbeitsverträge der Mitarbeiter nun für die GmbH abgeschlossen werden. Auch irritiere die neue Bankverbindung immer noch Kunden und Lieferanten, da werde noch einiges falsch überwiesen, so Oschmann. Doch er habe handeln müssen, damit er nicht am Ende im rechtsfreien Raum stehe.

Nicht allein auf Übergangsregelungen hoffen

Der Unternehmensrechtler Prof. Dr. Carl-Heinz Witt von der Universität Erfurt.
Der Unternehmensrechtler Prof. Dr. Carl-Heinz Witt von der Universität Erfurt rät deutschen Limited-Firmen noch vor dem Brexit zu handeln. Bildrechte: MDR/Karsten Heuke

Dem stimmt der Unternehmensrechtler Carl-Heinz Witt zu, da so eine Umwandlung insgesamt sogar bis zu einem Jahr dauern könne. Unternehmen sollten in jedem Fall noch vor dem Brexit einen entsprechenden Plan erstellen und die ersten Schritte umsetzen. Das gelte auch, sagte Witt, wenn die Bundesregierung noch Übergangsregelungen für Limited-Firmen beschließe. Denn die Niederlassungsfreiheit für Firmen, wie sie in der EU gelte, werde auf jeden Fall wegfallen. Da ist sich der Lehrstuhlinhaber sicher. Das sei auch bei einem Brexit-Deal nicht verhandelbar, weil die Briten diese Freiheit im Gegenzug ja gerade nicht wollten.

Quelle: MDR THÜRINGEN

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Dieses Thema im Programm: MDR THÜRINGEN - Das Radio | Nachrichten | 25. Oktober 2018 | 05:00 Uhr

Zuletzt aktualisiert: 25. Oktober 2018, 20:20 Uhr

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2 Kommentare

26.10.2018 08:10 Jakob 2

Man könnte sich ja mal auf den Cayman-Islands umhören, ob dort noch Platz für Briefkästen wäre.

25.10.2018 16:57 Werner Hausse 1

Der Brexit bringt für alle nur Nachteile und Ärger, die Briten sollten ihn absagen oder solche überflüssigen Kosten übernehmen! Abgesehen davon könnte die Bundesregierung auch schneller und unbürokratischer helfen.

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