Bildung Thüringer Studierende fordern Verlängerung der Regelstudienzeit

Mit einem Hilferuf haben Studierende in Thüringen auf ihre prekäre Situation aufmerksam gemacht. In einem offenen Brief der Konferenz Thüringer Studierendenschaften (KTS) an das Wissenschaftsministerium heißt es, viele Studierende würden wegen der Corona-Krise in eine Schuldenspirale gezwungen.

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Auch die Hochschulen sind von den Corona-Einschränkungen betroffen. Bildrechte: MDR/ Patricia Geissler

Studierende in Thüringen fordern die Regelstudienzeit an allen Hochschulen pauschal um mindestens zwei Semester zu verlängern. Die Konferenz Thüringer Studierendenschaften (KTS) weist in einem offenen Brief an das Thüringer Wissenschaftsministerium darauf hin, dass Studenten weniger leistungsfähig sind als noch vor der Corona-Pandemie. Sprecherin Hannah Schneider sagte MDR THÜRINGEN, dass auch das Wintersemester überwiegend ein "Online-Semester" werde und damit die Qualität des Lehrangebots leide. Derzeit müssen Studierende einen Antrag stellen, um die Regelstudienzeit aussetzen oder verlängern zu können. Darüber entscheidet dann das Prüfungsamt.

Abschaffung von Gebühren gefordert

Die Studierenden fordern zudem, die Langzeitstudiengebühren generell abzuschaffen - mindestens aber für das laufende Semester und das kommende Semester auszusetzen. Bereits das Sommersemester wird Studierenden, die ihre Regelstudienzeit überschreiten, nicht berechnet. Das sollte laut Wissenschaftsministerium auch für das laufende Semester gelten. Dafür sei ein Beschluss des Landtags nötig.

Nur Langzeitstudierende müssen zahlen

Studierende müssen Gebühren zahlen, wenn sie die Regelstudienzeit um mehr als vier Semester überziehen. Je Semester werden dann 500 Euro fällig. Im Jahr 2018 wurden rund 2.500.000 Euro an Gebühren vom Land eingenommen. Nach Angaben des Ministeriums beendeten rund 90 Prozent der Studierenden ihr Studium in der Regelstudienzeit. Im Jahr 2017 beliefen sich die Gebühren auf ähnlicher Höhe. Rund 6.500 Langzeitstudierende mussten zahlen.

330 Anträge auf Corona-Finanzhilfe genehmigt

In ihrem Brief fordert die KTS auch, die Corona-Finanzhilfe von Land und Hochschulen für unverschuldet in Not geratene Studierende in Höhe von 800 Euro vollständig zu gewähren.

Studierende mit Mund- und Nasenmaske sitzen in einem Hörsaal
Auch im Hörsaal gelten strenge Abstands-Regeln. Bildrechte: dpa

Von dem 800-Euro-Darlehen müssen sie die Hälfte der Summe nach sechs Monaten per Raten zurückzahlen. Nach Angaben des Studierendenwerks wurden seit April 2020 rund 330 Anträge auf Corona-Finanzhilfe genehmigt - das ist knapp die Hälfte der Anträge. In etwa 20 Prozent der Fälle meldeten sich die Studierenden nicht zurück oder beantragten die Überbrückungshilfe des Bundes von 500 Euro monatlich. Hier konnten seit Juni 2020 von rund 6.400 Anträgen 4.800 und damit 75 Prozent genehmigt werden.

In Thüringen sind an den Hochschulen rund 75.000 Studierende eingeschrieben.

Quelle: MDR THÜRINGEN

Dieses Thema im Programm: MDR THÜRINGEN - Das Radio | Nachrichten | 09. Dezember 2020 | 19:00 Uhr

5 Kommentare

Rumsdibums vor 5 Wochen

Studieren ist natürlich ein aktiver Prozess und nicht einfach nur ein fortgesetzter Schulbesuch. Zu dieser Erkenntnis kommt der Studierende früher oder später von allein. Wer das nicht umsetzt schafft das Studium nur mit Schwierigkeiten wenn überhaupt.
Jedoch, diejenigen die Studierfähig sich auch in Coronazeiten durch ihr Fachgebiet arbeiten, müssen essen und wohnen. Für diesen Luxus sind nicht wenige auf zusätzliche Einnahmen angewiesen. Diese fehlen jetzt. Das kann zu einer Unterbrechung des Studiums zwingen. Eine finanzielle Unterstützung ist hier hilfreich.

Hans Frieder leistner vor 5 Wochen

90 % der Studenten beenden ihr Studium in der Regelzeit. Warum schaffen das die restlichen 10 % nicht? Sind das die für jeden Unsinn auf der Straße demonstrierenden "Studenten"? Alles hat halt seinen Preis.

Harka2 vor 5 Wochen

Natürlich sind Regelstudienzeiten sinnvoll. Für die kann man Bafög bekommen, für ewig studierende gibt es keines. Das ist sinnvoll und sollte auch so bleiben. Vorlesungen werden schon lange kaum mehr besucht. Den Stoff gibt es schon gefühlt ewig zum Download. Da hat sich mit Corona kaum etwas geändert.

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