Kampf gegen Borkenkäfer Hilft die Bundeswehr in Thüringer Wäldern?

Thüringens Landesforstanstalt lotet einen möglichen Einsatz der Bundeswehr gegen die Borkenkäferplage aus. Der Vorstand von Thüringenforst habe Kontakt mit dem Landeskommando der Bundeswehr aufgenommen, teilte das Landwirtschaftsministerium in Erfurt mit. Seit Mitte August gibt es eine Diskussion darüber, ob das Militär dabei helfen könnte, abgestorbene Bäume aus den Wäldern zu holen.

Viele Bundeswehr-Soldaten aus Thüringen im Ausland

Ein vom Baum mit braunen Ästen.
Vom Borkenkäfer befallener Baum im Saale-Orla-Kreis Bildrechte: MDR/Stefanie Reinhardt

Gespräche gebe es, ein offizielles Hilfeersuchen aber noch nicht, sagte ein Bundeswehrsprecher MDR THÜRINGEN. Zwar sei die Bundeswehr bereit, dem Land zu helfen. Der Sprecher räumte allerdings ein, dass personelle Unterstützung vermutlich nur eingeschränkt möglich sei. Der Hintergrund: Viele der in Thüringen stationierten Soldaten sind derzeit im Auslandseinsatz gebunden. Denkbar sei eine technisch-logistische Unterstützung, zum Beispiel durch Gerätschaften (Sägen, Notstromaggregate et cetera) bis hin zu "helfenden Händen". "Grundsätzlich hält die Bundeswehr für solche Unterstützungsleistungen weder Kräfte noch Gerätschaften vor, unterstützt werden kann nur mit dem, was gerade verfügbar ist", sagte der Bundeswehrsprecher.

Was den Borkenkäfer so gefährlich macht Der Käfer bohrt seine Brutgänge in die Rinde, wo die Larven den Stoffwechsel des Baumes stören. Die Wurzeln werden nicht mehr mit Energie aus der Baumkrone verorgt.

Bis zu drei Borkenkäfer-Generationen können innerhalb eines Jahres entstehen. Die erste Generation bevorzugt Totholz, die weiteren Generationen befallen vitalere Bäume.

Monokulturen sind anfälliger für den Schädling, der sich auf eine Baumart spezialisiert hat. Die gefährlichsten Borkenkäfer sind der Buchdrucker und der Kupferstecher, die beide die Fichte befallen.

Lange Hitze- oder Trockenperioden führen zu einer massenhaften Vermehrung des Borkenkäfers, da die Bäume weniger Harz produzieren, das den Schädling abwehren würde.

Hilfe der Bundeswehr in Thüringen nicht unumstritten

Schätzungen zufolge werden in Thüringen bis Jahresende etwa 600.000 Buchen wegen Trockenheit absterben. Fünf bis sechs Millionen Fichten könnten dem Borkenkäfer zum Opfer fallen.

Ein Borkenkäfer kriecht über eine befallene Fichte
Kleiner Käfer mit großer Wirkung: der Borkenkäfer Bildrechte: dpa

Die Hilfe der Bundeswehr ist in Thüringen nicht unumstritten. Während sich CDU-Fraktionschef Mike Mohring dafür aussprach, bezeichnete Thüringens Grünen-Fraktionschef Dirk Adams die Forderung als "puren Aktionismus". Die Landesforstanstalt habe die Möglichkeit bekommen, personell aufzustocken. "Sie werden es auch schaffen, das befallene Holz herauszuholen", sagte Adams.

Quelle: MDR THÜRINGEN/dpa/dvs

Dieses Thema im Programm: MDR THÜRINGEN - Das Radio | Nachrichten | 22. August 2019 | 05:00 Uhr

Zuletzt aktualisiert: 22. August 2019, 05:00 Uhr

7 Kommentare

Jana vor 3 Wochen

Na ja muss ja kein Forstwirt sein. Aber man könnte die Leute sicher besser qualifizieren wie irgendwelche Soldaten die da genau mal 3 Wochen helfen können und wieder weg müssen. Der Sägenschein wäre ja nur eine Mindestvoraussetzung.

_martin_ vor 3 Wochen

Vielleicht sollte man dem normalen Bürger auch mal verraten, dass ein vielen Fällen gar nicht nötig ist, die abgestorbenen Bäume aus dem Wald zu holen. Erstens geht von den Fichten, die schon abgestorben sind, keine Gefahr mehr aus, weil der Käfer da schon wieder raus ist. Zweitens ist aufgrund der Holzschemme und der gesunkenen Preise, die Aufarbeitung oft nicht mehr kostendeckend. Beräumt werden müssen nur befallene aber noch teilweise grüne Bäume. Eine Wiederbewaldung gelingt möglicherweise ohne Beräumung besser, weil das Wild nicht so gerne in den zusammenbrechenden Fichtengerippen herumstürzt und die Naturverjüngung dann gleich mehr Chancen hat.

martin vor 3 Wochen

Ich bin mir nicht sicher, ob so viele Harvester rum stehen und mit ein paar Sonderschichten bei J.D. dürfte das auch nicht getan sein.

Aber bzgl. der Soldaten gebe ich Ihnen Recht. Welche Fähigkeiten für diese Arbeiten sind denn vorhanden? Bei den Pionieren sicher - aber die sind eher auf Großgerät trainiert, was den Wald zusätzlich belasten würde.

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