Folgen der Corona-Pandemie Verzicht auf Mobilität verleidet Carsharing-Anbietern in Thüringen das Geschäft

MDR THÜRINGEN-Reporter Jonas Wölke
Bildrechte: MDR/Christin Gertler

Die Fahrzeug-Buchungen sind eingebrochen, doch die Kosten laufen weiter: Die Carsharing-Branche in Thüringen macht in der Corona-Pandemie schwere Zeiten durch. Marktführer Teilauto hat seine Kunden um Hilfe gebeten.

"Stay at home" lautet das Mantra der Corona-Pandemie: Nur wer zuhause bleibt, steckt sich nicht mit dem Virus an oder gibt ihn weiter. Für viele ist der Gang oder die Fahrt zum Supermarkt fast schon zum Highlight des Tages geworden. Die Zeiten sind also schwierig für alle Unternehmen, die ihr Geld damit verdienen, dass Menschen mobil sein können.

Geschäftsmodell in Schieflage

Für Carsharing-Anbieter in Thüringen bedeutet das erhebliche Buchungsrückgänge ihrer Fahrzeuge. Allein Teilauto, der mit über 5.000 Kunden größte Carsharing-Anbieter im Freistaat, verzeichnet seit Mitte März einen Buchungsrückgang von 40 bis 50 Prozent. Im Vergleich zum Vorjahr liegt der bisherige Verlust sogar bei rund 60 Prozent, erzählt Niklas Wachholtz, Regionalleiter von Teilauto in Thüringen. Der Anbieter ist mit seinen Autos vor allem in Erfurt, Jena und Weimar vertreten. Auch Flinkster, das Carsharing-Unternehmen der Deutschen Bahn, verzeichnet derzeit "eine geringere Nachfrage als üblich", wie es auf Anfrage von MDR THÜRINGEN heißt.

Bei Teilauto macht sich das insbesondere in Erfurt bemerkbar. Wachholtz berichtet, zwar gebe es noch Kunden, die Kurzfahrten in die Stadt oder ins Umland mit den Wagen zurücklegten, aber das bewege sich auf einem sehr niedrigen Niveau. Teilauto hat deswegen die Anzahl der Fahrzeuge an wenig genutzten Stationen reduziert und Mitarbeiter in Kurzarbeit geschickt.

Kunden als Retter in der Not

Was also tun? Die beiden Teilauto-Geschäftsführer Michael Creutzer und Patrick Schöne traten die Flucht nach vorn an. Anfang April schrieben sie ihren Kunden eine E-Mail und wiesen auf die existenzbedrohenden Probleme hin, die Corona mit sich bringt: Drastisch gefallenen Umsätzen stehen weiter laufende Kosten für Stellplätze, Fahrzeugversicherung und Buchungssoftware gegenüber. "Die Reaktionen auf den Newsletter haben uns sehr viel Mut gemacht", erinnert sich Patrick Schöne. Innerhalb kürzester Zeit gingen hunderte Rückmeldungen ein. Viele Kunden zeigten sich berührt und boten konkrete Unterstützung an. Um die Kosten für die Stellplätze zu finanzieren, wurde unter anderem die Idee einer Stationspatenschaft geboren. Das bedeutet: Kunden zahlen die Stellplatzmiete für die Autos und entlasten so die Carsharing-Firma.

Patenschaft aus Solidarität

Fagus Pauly, Geschäftsführer der Filmproduktionsfirma Cellulart aus Jena.
Fagus Pauly an der Carsharing-Station Jena-Beutenberg. Bildrechte: Teilauto

Fagus Pauly, Geschäftsführer der Filmproduktionsfirma Cellulart aus Jena, hat mit seiner Firma eine solche Patenschaft für die Carsharing-Station am Jenaer Beutenberg übernommen: "Wir haben ungefähr zwei Minuten gebraucht, um uns zu überlegen, ob wir die Patenschaft übernehmen oder nicht. Das war die Zeit, die ich gebraucht habe um den Newsletter zu lesen", erzählt Pauly. Seine Firma nutzt vor allem Carsharing-Transporter, um Ausrüstung zu Filmdreharbeiten zu transportieren.

Sein Motiv, Teilauto zu unterstützen, erklärt Fagus Pauly so: "Wir haben die Patenschaft für die Station auch deswegen übernommen, weil es am Beutenberg viele Start-Up-Unternehmen gibt. Als wir damals gegründet haben, konnten wir uns kein eigenes Auto leisten, mussten aber zu Produktionen fahren. Wir haben also Carsharing genutzt. Ich glaube, so geht es auch vielen anderen Start-Ups."

Carsharing-Unternehmen fordern Hilfen

Unterdessen wird in der Carsharing-Branche der Ruf nach staatlicher Unterstützung lauter. So fordert der Bundesverband Carsharing Hilfen von Bund, Land und Kommunen. Das Thüringer Wirtschaftsministerium will aber kein eigenes Programm für die Branche auflegen: "Carsharing-Anbieter haben genauso unter Buchungsrückgang oder Umsatzeinbußen zu leiden, wie viele andere Bereiche. Auch sie haben die Möglichkeit, die Programme des Landes zu nutzen."

Ein kleiner Lichtblick für Carsharing-Firmen mag da die Ankündigung von Bundesverkehrsminister Andreas Scheuer (CSU) sein. Der kündigte in einem Zeitungsinterview am Mittwoch an, dass die Bundesregierung in der Corona-Zeit dem medizinischem Personal einen Mietwagen für den Arbeitsweg finanzieren will. Dem Bericht zufolge werden dafür in den kommenden beiden Monaten zehn Millionen Euro zur Verfügung gestellt.

Quelle: MDR THÜRINGEN

Dieses Thema im Programm: MDR THÜRINGEN - Das Radio | Das Fazit vom Tag | 24. April 2020 | 18:36 Uhr

3 Kommentare

jackblack vor 26 Wochen

Ich stehe zu meinem Kommentar, hört sich hartherzig an, aber vom VERSTAND her habe ich RECHT. Gefühlsduselei wird die Wirtschaft und das zukünftige Leben ruinieren, übrigens habe ich eine Mutter von 99 Jahren. Die Weltbevölkerung nimmt TROTZ Corona TÄGLICH um 200.000 Menschen zu.

CrizzleMyNizzle vor 26 Wochen

"UNTER einem Jahr lag, und dafür richten wir die KOMPLETTE Wirtschaft zugrunde !!"
Ist das jetzt was neues? Es war schon von Tag1 bekannt dass es vorrangig alte und Kranke trifft! 1 Jahr, stimmt das ist nichts... sollten wir alle einfach so abgeben, Sie fangen an? Echt so eine Kälte ist schon beängstigend! Mal davon ab dass Sie ohne Angabe der Quelle viel erzählen können. Die Info dass keiner 1 Jahr gelebt hätte finde ich so nicht, also aktuell Fakenews.

Mal davon ab, es sind "nur" 65 die untersucht werden konnten, weil eben Maßnahmen zur Eindämmung getroffen werden.

Sie sind schon ein lustiger Typ, beschweren sich über die Maßnahmen und führen Zahlen an die ja nur so niedrig sind weil die Maßnahmen die sich nicht mögen greifen...
Perfekter Freitagskommentar von Ihnen ;)

jackblack vor 26 Wochen

Ein Hamburger Rechtsmediziner hat 65 Corona-Tote untersucht und festgestellt, dass 61 davon SCHWERE Vorerkrankungen hatten und deren Lebenserwartung UNTER einem Jahr lag, und dafür richten wir die KOMPLETTE Wirtschaft zugrunde !!

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