Friedrich Merz, Annegret Kramp-Karrenbauer und Jens Spahn
Friedrich Merz, Annegret Kramp-Karrenbauer und Jens Spahn wollen den CDU-Bundesvorsitz. Bildrechte: dpa

Politik Thüringer Delegierte vor der Wahl zum CDU-Bundesvorsitz

1.001 Christdemokraten wählen auf dem CDU-Bundesparteitag in Berlin eine neue Führung. Erstmals seit 1971 steht mehr als ein Name auf dem Stimmzettel - die Qual der Wahl. Die Thüringer CDU ist mit 24 Delegierten vertreten.

von Ulli Sondermann-Becker

Friedrich Merz, Annegret Kramp-Karrenbauer und Jens Spahn
Friedrich Merz, Annegret Kramp-Karrenbauer und Jens Spahn wollen den CDU-Bundesvorsitz. Bildrechte: dpa

Michael Panse hat einfach Pech. Seit der Jahrtausendwende ist der CDU-Fraktionschef im Erfurter Stadtrat ununterbrochen Delegierter auf CDU-Bundesparteitagen gewesen. In diesen 18 Jahren hat er achtmal an der Wahl der CDU-Bundesspitze mitgewirkt. "Mitwirken" trifft diese Tätigkeit ganz gut, denn eine echte Auswahl hatte der Erfurter nie.

Auf dem Wahlzettel stand in schöner Regelmäßigkeit immer nur ein Name - und der fing mit "A..." an und hörte mit "...ngela Merkel" auf. Ein Name - keine Auswahl. Bestenfalls die zwischen "Frontfrau bestätigen" oder "Frontfrau nicht bestätigen". Eine in der Union jahrzehntelang geübte Tradition übrigens. Die letzte RICHTIGE Auswahl zwischen mindestens zwei Kandidaten um die CDU-Bundesspitze gab es 1971, also vor fast fünfzig Jahren, als ein gewisser Rainer Candidus Barzel gegen Helmut Kohl antrat, gewann und einen gewissen Kurt Georg Kiesinger aus dem Chefsessel schubste.

Der Beauftragte der Thüringer Landesregierung für das Zusammenleben der Generationen, Michael Panse (CDU), verfolgt  im Plenarsaal des Thüringer Landtages die Debatte.
Michael Panse Bildrechte: dpa

Aber nun zurück zu Michael Panse aus Erfurt. Der langjährige CDU-Kämpe (Landtag, Stadtrat) hätte jetzt das erste Mal in seinem Delegierten-Leben eine echte Wahl - die Auswahl aus mindestens drei Kandidaten: einer politisch erfolgreichen Ministerpräsidentin, einem wirtschaftlich erfolgreichen Sauerländer, einem karriere-technisch erfolgreichen Münsterländer. Aber Panse wird diesen ungewohnten Markt der Möglichkeiten nicht nutzen können. Obschon von der Thüringer CDU-Basis zum Delegierten gewählt, findet der CDU-Bundesparteitag 2018 ohne ihn statt. Eine lang geplante private Unternehmung mit seinen Söhnen geht ihm vor. Irgendwo auch schade, sagt Panse, aber nicht zu ändern. Beim Aufbruch ist er also nicht dabei. "Dabei soll es jetzt sogar Wahlkabinen für die geheime Wahl geben."

Walsmann: "Es ist einfach Wahnsinn!"

Seine Erfurter CDU-Kreisvorsitzende Marion Walsmann kann den Delegierteneinsatz auf dem Bundesparteitag dagegen kaum erwarten. "Es ist doch phantastisch", ruft  die Landtagsabgeordnete durchs Telefon. "Wissen Sie, wir haben drei wahnsinnig starke Kandidaten", sagt die 55-Jährige, die von der Vorwende-Volkskammer bis zur Thüringer Staatskanzlei, ehemals Kurmainzischen Statthalterei, so ziemlich alles ausprobiert hat, was das politische Leben so zu bieten vermag, und gerade Anlauf auf's Europäische Parlament nimmt. "Das ist ein wahnsinniger Gewinn für die Partei." Aber öffentlich über ihren Herzenswunsch sprechen? Nein. "Da habe ich mir Zurückhaltung auferlegt. Es ist einfach Wahnsinn!"

Wie viele andere auch erwarten die Thüringer Delegierten ein knappes Rennen zwischen Friedrich Merz und Annegret Kramp-Karrenbauer. Ex-Ministerpräsident Dieter Althaus warnt aber davor, Kandidat Jens Spahn schon jetzt alle Chancen abzusprechen. Der Mann aus dem Münsterland habe sich respektabel geschlagen.

Dieter Althaus
Dieter Althaus Bildrechte: IMAGO

Und Delegierten-Kollege MdB Mark Hauptmann aus Suhl hält nicht viel von den bislang veröffentlichten Umfragen zur Kandidatenkür. "Befragt wurden CDU-Anhänger. Die Befragten sind aber nicht gleich CDU-Mitglieder und schon gar nicht Delegierte." Und für wen schlägt sein Südthüringer Herz? Mark Hauptmann mag noch nicht darüber sprechen. Nur so viel: "Die ganz Debatte ist ungeheuer wohltuend und belebend."

Voigt und Vogel sehen die Wahl analytisch

Mario Voigt
Mario Voigt favorisiert Kramp-Karrenbauer Bildrechte: Mario Voigt

Mario Voigt spricht dagegen Klartext und sieht die Angelegenheit analytisch. Der ehemalige CDU-Generalsekretär und Landtagsabgeordnete mit Hochschul-Professur fragt rhetorisch: "Wollen wir die Zukunft mit Rezepten aus der Vergangenheit gewinnen?" Funktioniert nicht, sagt er und spricht sich klar für Annegret Kramp-Karrenbauer aus. "Profunde in der Sache, menschlich im Umgang und konsequent im Handeln." Das sieht der Ehrenvorsitzende der Thüringer CDU, Bernhard Vogel, übrigens ähnlich. Die Frau aus dem Saarland habe bewiesen, dass sie könne, wovon andere nur reden: Tatsächlich Wahlen gewinnen. "Auch in schwierigen Situationen", so der große alte Mann der Thüringer Union.

Mike Mohring
Mike Mohring Bildrechte: dpa

Und für wen stimmt Thüringens aktueller CDU-Chef? Mike Mohring weicht der Antwort aus. "Die Wahl ist geheim." Alle drei Anwärter seien sehr sehr gut und den Worten von Annegret Kramp-Karrenbauer könne er nur zustimmen: "Am Tag Eins nach der Wahl entscheidet sich, ob wir noch EINE Union sind." Oder ob sich die CDU wieder streitet "wie die Kesselflicker". Und welcher Kandidat hat die meiste Ost-Kompetenz? Die meisten der Drei kommen ja aus einem ziemlich westlichen Westen.

Mohring überlegt lange und schlägt dann einen Bogen zu eigenen Ambitionen auf dem Parteitag. Nach Jahren im erweiterten Bundesvorstand kämpft Mohring am Freitag um einen der hart umkämpften Plätze im Bundespräsidium, dem engsten Führungszirkel der Union. Dort brauche es Menschen wie ihn. "Entscheidend ist doch: Gelingt es uns aus dem Osten, in der CDU-Bundespitze wahrnehmbar zu bleiben?"

Quelle: MDR THÜRINGEN

AKTUELLES AUS THÜRINGEN

Dieses Thema im Programm: MDR THÜRINGEN - Das Radio | Nachrichten | 05. Dezember 2018 | 05:00 Uhr

Zuletzt aktualisiert: 07. Dezember 2018, 09:40 Uhr

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23 Kommentare

08.12.2018 20:49 Dorfbewohner 23

Realist2014 (22),

muss wieder mal staunen, ist genau meine Meinung.

Und was soll es jetzt bringen, dass Mohring zum Thüringer Wahlkampf den ‘48,3%-Kämpfer’ und nicht den ‘knapp-63%-Kämpfer’ zur Unterstützung zu holen beabsichtigt?

08.12.2018 18:02 Realist2014 22

@Dorfbewohner: Meine Vermutungen: Angst vor baldigen Neuwahlen (und damit um die aktuellen Posten vieler Delegierter), Unfähigkeit zur Veränderung, Neid gegenüber Merz Einkommen, jahrelange Dominanz durch Frau Merkel (die ich lange Zeit sehr geschätzt habe), Absprachen für die eigene Karriere mit dem Merkelzirkel, natürlich auch echte Überzeugung und ziemlich linke Politiker wie Daniel Günther, die in der immer weiter nach links gerückten Union längst eine Heimat und an Einfluss gewonnen haben. Vermutlich war es schon zu spät. Die alte CDU, die die BRD erfolgreich gemacht hat, ist tot, die neue ist nur noch eine kompetentere Version der SPD mit ein bisschen Adenauerfolklore.

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