Bildung Abiturprüfungen in Thüringen ab 18. Mai

Am 27. April soll der Unterricht für die Abiturjahrgänge in Thüringen wieder beginnen. Jetzt stehen auch die Termine für die Prüfungen fest. Am 18. Mai sollen die schriftlichen Prüfungen starten, am 8. Juni die mündlichen. Unklar ist noch, ob die Prüfungstermine für Haupt- und Realschulabschlüsse gehalten werden können.

Abiturienten warten auf den Beginn einer schriftlichen Prüfung.
Allen Prüflingen wird Vorbereitungszeit zugesichert Bildrechte: dpa

Die wegen der Coronavirus-Pandemie verlegten Abiturprüfungen sollen in Thüringen ab dem 18. Mai nachgeholt werden. Thüringens Bildungsminister Helmut Holter sagte am Donnerstagabend, damit gebe es für die Schüler genügend Zeit zur Vorbereitung.

Termine für Haupt- und Realschulabschlüsse in Prüfung

Seit Mittwoch steht fest, dass die Abiturienten im Freistaat ab dem 27. April wieder in die Schule gehen sollen. Ursprünglich hätten die Abiturprüfungen in Thüringen am 30. April starten sollen. Wegen der Corona-Pandemie wurden sie aber zeitlich verschoben. Holter hatte versichert, dass die Abiturienten genug Zeit zur Vorbereitung bekommen sollen - in einem schulischen Umfeld. Einen neuen Termin hatte er aber bis zum Donnerstagnachmittag nicht genannt, da er erst die Entwicklung der Corona-Infektionen in Thüringen abwarten wollte. Die Thüringer Landesschülervertretung hatte dies kritisiert und konkrete Termine gefordert.

Holter sagte, dass die Abiturienten ab 27. April Zeit zur individuellen Prüfungsvorbereitung in den Schulen haben. "Das wird aber kein klassischer Unterricht sein", sagte er. Mit Blick auf die Prüfungen sei denkbar, dass diese in diesem Jahr nicht jeweils in einem großen Raum stattfinden, sondern in getrennten Räumen. Ob die Termine für die Haupt- und Realschulabschluss-Prüfungen gehalten werden können, werde derzeit noch geprüft. Auch in diesem Fall sollen die Schüler ausreichend Vorbereitungszeit erhalten.

Mix aus Präsenz- und Distanzunterricht in Thüringen geplant

Das Bildungsministerium wägt nach eigenen Angaben derzeit darüber hinaus ab, welche Empfehlungen zur Eindämmung des Coronavirus in den Schulen umsetzbar sind und welche nicht. Es gebe "auf lange Sicht" keine Rückkehr zum Normalzustand. Aktuell plant das Land mit einem Mix aus Präsenz- und Distanzunterricht. Geprüft werde auch, die Schüler tage- oder schichtweise zu unterrichten. Der Gesundheitsschutz der Lehrerinnen und Lehrer sowie der Schüler stehe über allen, so der Sprecher. Auf jeden Fall solle verhindert werden, dass sich die Situation bei den Infektionszahlen wieder verschärfe.

Lehrervertretungen fordern klare Regelungen vor Unterrichtsstart

Im Zuge dessen fordern der Thüringer Lehrerverband (tlv) und die Gewerkschaft Erziehung und Wissenschaft (GEW) klare Regeln für einen Neustart an den Schulen in der Corona-Krise. In einer gemeinsamen Mitteilung erklärten sie am Donnerstag, die Diskussion über "eine mögliche Rückkehr in den normalen Alltag sorgen für eine starke Verunsicherung in den Schulen". Man sei sich einig, dass "eine vorschnelle Entscheidung zur schrittweisen Öffnung der Thüringen Schulen nach den Osterferien zu Lasten der Beschäftigten und der Schülerinnen und Schüler geht, wenn es keine klaren Regelungen gibt, unter welchen Bedingungen dies möglich sein kann", hieß es. "Schulen dürfen kein Experimentierfeld für den Umgang mit dem ansteckenden Virus sei", heißt es in der gemeinsamen Erklärung.

Corona-Krise: Mehr Personal in den Schulen nötig, fehlende Regelungen zum Abstandsgebot

Anfang Mai sollen in Thüringen weitere Abschlussklassen wieder in den Schulen unterrichtet werden. Nach Ansicht der Lehrer-Vertretungen wird mehr Personal nötig sein, um den Schulbetrieb in der Corona-Krise stemmen zu können. Bisher fehlten auch Regelungen zum Abstandsgebot zwischen Schülern und Lehrern und zur Maskennutzung. Rolf Busch vom Lehrerverband forderte deshalb das Bildung- und Gesundheitsministerium auf, Regeln vorzulegen, wie der Unterricht stattfinden soll.

Landeselternvertretung: Welche Schüler sind von der Schulpflicht zu befreien?

Die Landeselternvertretung reagierte zustimmend auf die Pläne, den Unterricht ab 27. April wieder starten zu lassen. Landeselternsprecher Roul Rommeiß sagte, es sei ein notwendiger Schritt. Ziel müsse sein, dass die Schüler anstehende Abschlussprüfungen ablegen könnten. Laut Rommeiß wird aber der Unterricht unter Corona-Auflagen die Lehrer, Schulen und Schulträger vor große Herausforderungen stellen. Wenn kleinere Klassen gebildet würden, seien mehr Klassenräume und mehr Lehrer nötig. Zudem erinnerte er daran, dass noch viele Fragen zu klären seien - etwa, wie mit Schülern umgegangen werde, die selbst Vorerkrankungen haben oder in deren Haushalt sich Menschen aus Risikogruppen befinden. "Welche Kinder und Jugendliche sind von der Schulpflicht zu befreien und welche nicht?", fragte Rommeiß. Auch müssten Details zu Hygienevorschriften, Abstandsregeln und andere Schutzvorkehrungen geklärt werden.

Das Tragen von Masken scheint seinen Gegenüber zu schützen. Ich bin der Meinung, dass man eine Maskenpflicht an Schulen zumindest prüfen sollte.

Landeselternsprecher Roul Rommeiß

Als große Herausforderung sieht der Landeselternsprecher die Organisation des Schülertransportes. Rommeiß machte diesbezüglich klar, dass die Situation in ländlichen Gebieten völlig unterschiedlich zu der in den Großstädten sei.

Grüne: Regeln für schulischen Infektionsschutz nötig

Auch die Thüringer Grünen-Fraktion begrüßt grundsätzlich das schrittweise Öffnen der Schulen im Freistaat. Bildungspolitikerin und Fraktionschefin Astrid Rothe-Beinlich mahnte aber zugleich, dass es nun Regeln für den schulischen Infektionsschutz brauche. Außerdem müsse es genügend zeitlichen Vorlauf für Kommunen geben, die Regeln umzusetzen und etwa den Schülertransport neu zu organisieren.

Quelle: MDR THÜRINGEN/mam, dpa

Dieses Thema im Programm: MDR THÜRINGEN | MDR THÜRINGEN JOURNAL | 16. April 2020 | 19:00 Uhr

7 Kommentare

M_S vor 16 Wochen

Ich hoffe nur das Lösungen gefunden werden, die auch mit dem Arbeitsleben vereinbar sind, sonst geht wieder alles zu Lasten der Eltern. Die Lehrer und sämtliche Verantwortliche hatten seit 14.03.2020 Zeit sich auf diese Situation einzustellen. Jetzt fängt man an zu überlegen. Wahnsinn. Unternehmen werden von heute auf Morgen vor Tatsachen gestellt und müssen zu sehen wie sie fertig werden. Was unsere Behörden abliefern ist echt der Wahnsinn.

Hansjuergen vor 16 Wochen

Insgesamt finde ich den Zeitplan schon in Ordnung. Die Einzelheiten sollten aber gut durchdacht geplant werden.
Bsp.: Viele unserer Lehrer/innen gehören auch zu Risikogruppen(Alter,Vorerkrankungen). Das muss beachtet werden und verringert die Zahl der einsetzbaren Leher/innen.
Sprechberuf mit Mundschutz? Für mich kaum vorstellbar und auch nicht zielführend. Der Mundschutz ist viel zu schnell durchnässt und ist dann eher eine Gefahr, denn eine Hilfe. Durch entsprechende Plannung lässt sich das Sprechen verringern, aber ein Problem und sicher auch eine entsprechende Belastung bleibt es dennoch. Und das sind nur zwei kleine Punkte aus vielen Fragen,die zu klären sind. Da wünsche ich den Verantwortlichen wirklich viel sprichwörtliche Weisheit.Viele Menschen haben in der Krise schon viel geleistet. Jetzt sind unsere Lehrer, die schon im normalen Alltag eine Menge leisten müssen, dran. Wir sollten auch sie bestmöglich bei der Arbeit mit unseren Kindern unterstützen.

martin vor 16 Wochen

@katja: Ich meine mich zu erinnern, dass die Bewerbungsfristen verlängert werden sollen. Nicht nur für die Hochschulen - auch mit Blick auf das nächste Ausbildungsjahr.

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