Coronavirus in Thüringen Es leben die Antikörper - Greizer Labor startet Testreihe

Antikörper-Tests sind derzeit das Thema in der Corona-Krise. Denn wer Antikörper im Blut hat, der ist gleich doppelt sicher. Einmal ist er geschützt davor, erneut zu erkranken und zum anderen kann er andere nicht anstecken. Das ist auch der Grund, weshalb jetzt in erster Linie das Personal in Krankenhäusern und Senioreneinrichtungen getestet werden soll.

Hände halten Röhrchen mit Aufschrift Corona
Für die Antikörpertests werden Blutproben benötigt. Bildrechte: Colourbox.de

Schnelltests für zu Hause

Aber wie sicher sind diese Tests eigentlich? Klar ist, ein Test für zu Hause birgt einige Gefahren, auch wenn es solche Angebote bereits gibt und auch weiter daran gearbeitet wird. Denn es ist unwahrscheinlich, dass sich die Einrichtungen darauf verlassen werden, wenn ihre Mitarbeiter die gute Nachricht eines Selbsttests verkünden.

Die Schnelltests, die das Jenaer Leibnitz-Institut gemeinsam mit der Weimarer Firma Sonova entwickelt hat, sind beispielsweise für Arztpraxen gedacht oder für andere medizinische Einrichtungen. Variante drei sind Labortests, die jetzt auch in Thüringen anlaufen. Zum Beispiel am Montag im Dianovis-Labor in Greiz. Dort wurde auch der erste Thüringer auf Corona positiv getestet und es folgten viele weitere Patienten und das mehrfach.

Antikörpertests seit Dezember möglich

Entsprechend gut kann man jetzt in Kenntnis der Krankheitsgeschichte auch die Antikörper-Tests selbst testen. Das hat Dr. Katharina Boden auch getan, bevor sie nun grünes Licht gegeben hat für die Tests in der kommenden Woche. Vereinfacht gesprochen: Man wusste, was herauskommen muss. Was man noch nicht weiß ist allerdings, wie lange jemand immun ist, der die Krankheit überstanden hat. Die längste "Teststrecke" reicht von Dezember bis heute, also von dem Zeitpunkt an, als die ersten Chinesen praktisch genesen waren. Wenn diese ersten Patienten immer wieder auf Antikörper getestet werden, kann man Rückschlüsse auf die Länge der Immunität schließen. Auch hier lernt man also ständig dazu.

Es gibt auch eine Arbeit an Rhesusmakaken, wo man geprüft hat, ob eine Reinfektion möglich ist. Und bisher alle validen Daten zeigen, dass Personen, die sich einmal angesteckt haben, weder erkranken können, noch das Virus weitertragen können.

Dr. Katharina Boden Leiterin Infektiologische Abteilung Dianovis-Labor Greiz

Einziger Schutz bis zur Impfung

Arzt und Helferin in Schutzkleidung
Arzt und Helferin in Schutzkleidung (Symbolbild). Bildrechte: imago images / localpic

Diese Erkenntnis ist sehr wichtig, so dass die vielzitierte "Herdenimmunität" auch wirklich eintreten kann, wenn also die Bevölkerung größtenteils Antikörper in sich trägt. Bis zu einer Impfung ist das der einzige Schutz, auf den wir uns verlassen können. Bei Schutzanzügen, Masken und ständigem Händewaschen bleibt immer ein Restrisiko, außerdem ist alles nicht wirklich angenehm.

Schutzanzüge sind gut, aber wer schon mal welche getragen hat, der weiß auch, wie schwierig das ist, diese korrekt zu tragen. Wenn wir aber wüssten, welche Mitarbeiter eines Altenheims die Infektion durchgemacht haben, können wir diese Personen nah am Patienten arbeiten lassen.

Dr. Katharina Boden Leiterin Infektiologische Abteilung Dianovis-Labor Greiz

Das erhöht die Kontaktmöglichkeiten deutlich. Selbst Menschen, die sich eher um das Seelische kümmern, können dann die Senioren besuchen und sich auch einmal längere Zeit mit Ihnen unterhalten.

Grundlage für Lockerung der Maßnahmen

Diesen Gedanken kann man bis auf die Angehörigen weiterspinnen und auf Berufsgruppen wie Polizisten oder Verkäuferinnen ausdehnen. Auch wenn das noch ein paar Wochen dauern wird, bis genügend zuverlässige Tests zur Verfügung stehen, liefern die jetzt anlaufenden Tests auch für die Epidemiologien und Mathematiker wichtige Erkenntnisse über den "Gesamtzustand" der Gesellschaft oder einzelner Regionen. So können wir in absehbarer Zeit zielgerichtet die derzeitigen strengen Regeln lockern. Und auch, wenn das vielen nicht schnell genug geht, für Experten wie Katharina Boden ist das Tempo der Erkenntnisse und der Wissenschaftler beachtenswert.

Ich finde es schon faszinierend, wie schnell wir doch sehr gute Testmethoden im Labor haben.

Dr. Katharina Boden Leiterin Infektiologische Abteilung Dianovis-Labor Greiz

"Marathonlauf"

Schließlich fallen diese nicht vom Himmel, sondern sind das Ergebnis von aufwändigen Forschungen und penibler wissenschaftlicher Arbeit, die eigentlich eher ein Marathonlauf ist, als ein Sprint. Das sollten die Ungeduldigen in diesen Tagen auch wissen. Denn im Moment arbeiten die Forscher - genau wie das medizinische Personal und andere Branchen - quasi rund um die Uhr - und das wie gesagt im völlig unüblichen Sprinttempo, bei dem Fehltritte nicht erlaubt sind.

3D-Modell Coronavirus
3D-Modell des Coronavirus (Symbolbild). Bildrechte: imago images/Hollandse Hoogte

Auch werden wir die Antikörpertests noch sehr lange in großer Zahl brauchen. Denn auf eine Immunität auf Lebenszeit können wir nicht rechnen und wenn die Antikörper bei den ersten Betroffenen verschwunden sind aus dem Blut, wäre das ein guter Zeitpunkt, flächendeckend mit den dann hoffentlich verfügbaren Impfungen zu beginnen. Damit sich das Jahr 2020 nicht noch einmal wiederholt. Hoffentlich halten die Antikörper auch so lange durch.

Weitere Informationen zum Coronavirus in Thringen:

Quelle: MDR THÜRINGEN/ls

Dieses Thema im Programm: MDR THÜRINGEN - Das Radio | Der Redakteur | 03. April 2020 | 16:40 Uhr

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