Coronavirus in Thüringen Ministerpräsident Ramelow will Corona-Beschränkungen ab 6. Juni aufheben

Ministerpräsident Bodo Ramelow hat ein Ende der Corona-Beschränkungen in Thüringen ab dem 6. Juni angekündigt. Einen entsprechenden Vorschlag wolle er am Dienstag dem Kabinett vorlegen. Auf erhöhte Infektionsraten soll jedoch mit lokalen Maßnahmen reagiert werden. Landespolitiker begrüßten Ramelows Vorschlag überwiegend.

Bodo Ramelow
Ministerpräsident Bodo Ramelow kündigte weitere Lockerungen der Corona-Beschränkungen in Thüringen an. (Archivbild) Bildrechte: dpa

Das Land Thüringen will die strengen Corona-Regeln unter bestimmten Bedingungen in zwei Wochen aufheben. Das kündigte Ministerpräsident Bodo Ramelow in der "Thüringer Allgemeinen" an. Ramelow sagte dem Blatt, er wolle den allgemeinen Lockdown am 6. Juni aufheben. Entsprechende Schritte werde er am Dienstag dem Kabinett vorschlagen. Damit könnten etwa die Vorschriften zum Tragen eines Mundschutzes und zum Einhalten des Mindestabstands der Vergangenheit angehören.

Regulärer Betrieb in Schulen und Kindergärten wahrscheinlicher

Falls der allgemeine Lockdown am 6. Juni aufgehoben werde, könnten auch in Schulen und Kindergärten weitere Schritte hin zu einem regulären Ablauf gegangen werden. Dafür müssten aber Lehrer und Erzieherinnen die Möglichkeit bekommen, getestet zu werden, auch wenn sie keine Symptome haben.

Frau mit Maske und Sonnenbrille
Auch die flächendeckende Maskenpflicht könnte im Freistaat bald Geschichte sein. Bildrechte: imago images/ddbd

Strenge Grenzwerte bei Corona-Neuinfektionen

Dort, wo sich das Infektionsgeschehen erneut negativ entwickle, müssten die Corona-Regeln dann aber wesentlich deutlicher und schneller wieder ergriffen werden, so Ramelow. Die Regeln könnten dann aber örtlich ganz unterschiedlich sein. Der Grenzwert dafür solle bei 35 Neuinfektionen pro 100.000 Einwohner innerhalb von sieben Tagen liegen. Das wäre strenger als die bundesweite Norm von 50 Neuinfektionen.

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MDR THÜRINGEN JOURNAL Sa 23.05.2020 19:00Uhr 01:55 min

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Thüringer CDU: Ankündigung zügig umsetzen

Mario Voigt
Thüringens CDU-Fraktionschef Mario Voigt Bildrechte: MDR/Mario Voigt

Das baldige Ende für die Corona-Beschränkungen in Thüringen ist in der Landespolitik auf ein positives Echo gestoßen. CDU-Fraktions-Chef Mario Voigt sagte MDR THÜRINGEN, endlich komme dieser Schritt. Die Menschen wünschten sich Normalität. Viele Lösungen der letzten Wochen seien lebensfremd gewesen. Deshalb sei es gut, wenn das jetzt geändert werde.

SPD und Grüne: Massentests für Schulen und Kindergärten

SPD-Fraktionschef Matthias Hey sprach von einem überlegenswerten Vorschlag. Allerdings dürften die Kommunen dabei nicht allein gelassen werden. Wichtig sei auch, einen Notfallplan zu haben, falls es zu einer zweiten Infektionswelle kommen sollte. Für den Regelbetrieb vor allem von Schulen und Kindergärten seien Massentests wichtig.

Grünen Fraktions-Chefin Astrid Rothe-Beinlich erklärte, sie könne den Vorschlag gut nachvollziehen. Er sei eine folgerichtige Reaktion auf die Entwicklung der letzten Wochen. Wegen Problemen in Schulen und Kindergärten sei es gut, wenn der Umgang neu geregelt werde. Das sei aber nur möglich, wenn Lehrer und Erzieherinnen getestet werden.

FDP bemängelt fehlende Absprache

Für die FDP erklärte Fraktions-Chef Thomas Kemmerich, auch die Freien Demokraten würden es begrüßen, wenn die Einschränkungen durch die Corona-Pandemie tatsächlich beendet werden könnten. Allerdings sei der Schritt offensichtlich weder mit den anderen Bundesländern, noch mit den Thüringer Landkreisen und Kommunen abgestimmt. Es dürfe kein "Verordnungs-Flickenteppich" entstehen, zumal die Menschen ohnehin stark verunsichert seien.

AfD: Schwerer Schaden durch Lockdown

Die AfD teilte mit, ihre Landtagsfraktion habe schon Mitte April die entsprechenden Schritte gefordert, um die Corona-Krise zu beenden. Ramelow gebe das jetzt als seine eigenen aus. Der Lockdown sei unnötig, so der Gesundheitspolitiker Wolfgang Lauerwald. Durch ihn sei den Menschen in Thüringen schwerer Schaden zugefügt worden. Weitere Wochen kosteten die Bürger Millionen Euro.

Weitere Informationen zum Coronavirus in Thüringen:

Quelle: MDR THÜRINGEN/ls

Dieses Thema im Programm: MDR THÜRINGEN - Das Radio | Nachrichten | 23. Mai 2020 | 10:00 Uhr

358 Kommentare

LebenskraftTanz vor 5 Tagen

Diese übereilten Maßnahmen sind für mich unverständlich.Ja wir Bürger sollen eigenverantwortlich handeln,dennoch sind die Maßnahmen absolut nicht stabilisiert und das Risiko für uns alle sehr groß.Handlungen müssen eingeübt werden.Es gleicht einer Ventilöffung und alle strömen los,gerade jetzt wo doch viele Bürger sich an die Regeln halten,unterbricht es den Verhaltensprozess.
Ich war etwas verärgert, da ich gerade mein Unternehmen auf Hygieneregeln umstrukturiere und es per Arbeitsaufwand einer Unternehmensgründung gleicht.Die Aussage vom MP Thüringen war für mich absolut störend,demotivierend.Hätte ich mir die Arbeit sparen können und meinen Unternehmensplan einfach fortsetzen.
Nein,ich spiele da nicht mit,bin als Unternehmerin in Eigenverantwortung gewöhnt.Ich werde die Hygiene Regeln in der Praxis ab 02.06.2020 strikt anwenden.Kann sein, das ich dann die Verliererin bin,weil es wo anders halt gelockerter,wie eben vor Corona zugeht.Der Preis ist hoch!
HG

Udo vor 5 Tagen

Nur weil wenige sich falsch verhalten, sollen ALLE gegängelt werden?
Die Supermärkte waren von Anfang an geöffnet, sogar lange Zeit ohne Mundschutzpflicht. Und es gab keine erhöhte Ansteckung, die auf Supermärkte zurück zu führen war.
Auch der Bußgeldkatalog im Straßenverkehr macht das Leben nicht sicherer, denn die wenigen Unvernünftigen ändern ihr Verhalten trotzdem nicht.
Wollen Sie etwa alles reglementieren, was die Möglichkeit einer Bedrohung beinhalten könnte?

Botschafter Sarek vor 5 Tagen

Na, ob man den Zahlen den Zahlen aus Weißrussland trauen darf? Das ist eine Diktatur ohne freie Medien.

Was Schweden im Vergleich zu z.B. Spanien angeht: Was genau haben sie verglichen? Die Sterberate im Bezug auf die Infizierten? Oder die Toten/Infizierten im Bezug auf die Bevölkerung?

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