Vorbereitungen Corona: Diese Maßnahmen stehen im Thüringer Pandemieplan

Nach Angaben des Thüringer Gesundheitsministeriums ist der Freistaat auf eine Ausbreitung von Covid-19 gut vorbereitet. Ein ausgearbeiteter "Influenza-Pandemieplan" könne in weiten Teilen für das Coronavirus übernommen werden.

Coronavirus
Bis jetzt wurde kein Fall von Covid-19 in Thüringen nachgewiesen. Bildrechte: imago images/Xinhua

Mit diesen Zahlen wird gerechnet: Anstieg von Patienten und Todesfällen

Im Thüringer Influenza-Pandemieplan wird davon ausgegangen, dass - im Falle einer Pandemie - etwa 30 Prozent der Bevölkerung erkranken. Dies wäre laut Expertenmeinung zumindest der wahrscheinlichste Fall, heißt es im Plan. Eine solche Erkrankungswelle würde demzufolge ungefähr acht Wochen andauern bis sie wieder abebbt.

Bezogen auf die Thüringer Einwohnerzahl würde das bedeuten, dass auf Arztpraxen eine zusätzliche Belastung von 366.000 Patientenbesuchen zukommt. Krankenhäuser müssten 10.450 zusätzlich Patienten versorgen. Auch mit einem Anstieg von Todesfällen wäre zu rechnen. Hier wird von 2.900 Fällen ausgegangen. Zugrunde liegt hier aber die Sterblichkeitsrate einer herkömmlichen Grippe, nicht die des Covid-19-Virus.

Den Überblick behalten - So funktioniert die Informationskette

Um Covid-19-Verdachtsfälle zu bestätigen, schickt der behandelnde Arzt einen Rachenabstrich an ein Labor, das in der Lage ist Coronaviren nachzuweisen. Momentan ist dies das Konsilliarbüro für Coronaviren in der Berliner Charité. Auch das Universitätsklinikum in Jena ist in der Lage, Covid-19 nachzuweisen, tut dies aber zur Zeit nur für eigene Patienten.

Sollte der Virus nachgewiesen werden informiert das Labor das zuständige Gesundheitsamt. Wenn der Patient in Erfurt gemeldet ist, wäre dies das Erfurter Gesundheitsamt. Ein Patient aus Ilmenau würde dem Gesundheitsamt Ilm-Kreis gemeldet.

Ein Schild mit dem Bundesadler und dem Schriftzug des Institutes.
Beim Robert-Koch-Institut in Berlin werden alle Fälle gemeldet. Bildrechte: IMAGO

Die Gesundheitsämter melden die Infektion an das Thüringer Landesamt für Verbraucherschutz. Dieses meldet den Fall der zentralen Einrichtung der Bundesregierung zur Krankheitsüberwachung und -prävention - dem Robert-Koch-Institut in Berlin. Auch Verdachts- sowie Todesfälle müssen an die Gesundheitsämter gemeldet werden, die diese Informationen ebenfalls an das Robert-Koch-Institut weiterleiten.

Sollte das Gesundheitsamt eine Pandemie feststellen, werden die Bürgermeister und Landräte der betroffenen Städte bzw. Landkreise direkt informiert.

Ausbreitung verhindern - Diese Maßnahmen können die Gesundheitsämter anordnen

Festivalbesucher stehen vor einer Bühne.
Die Gesundheitsämter können Massenveranstaltungen untersagen. Bildrechte: dpa

Um eine Ausbreitung zu verhindern, ermitteln die Gesundheitsämter Personen, die nachweislich Kontakt mit Infizierten hatten. Diese werden nach Symptomen befragt und über einen längeren Zeitraum beobachtet. Die zuständigen Gesundheitsämter können auch eine häusliche Isolierung anordnen. Das heißt: Der Patient sollte zu Hause bleiben, bis eine Infektion ausgeschlossen oder bestätigt werden kann.

Bei steigenden Infektionsraten können die Gesundheitsämter die Schließung von Gemeinschaftseinrichtungen und ein Verbot von Massenveranstaltungen anordnen. Auch Besuchsverbote in Krankenhäusern, sowie Alten- und Pflegeheimen sind im Pandemieplan aufgeführt.

Medizinisches Personal, Feuerwehrleute und Polizisten werden durch die Gesundheitsbehörden mit angemessener Schutzkleidung ausgerüstet.

Informieren der Bevölkerung

Durch Pressemeldungen, Merkblätter und Aushänge soll die Bevölkerung über wirksame Schutzmaßnahmen informiert werden. Dabei geht es unter anderem um Hygieneregeln und weiterer Schutzmaßnahmen, wie den Kontakt mit erkrankten Personen meiden.

Versorgung durch Arztpraxen - So soll ein Patienten-Ansturm bewältigt werden

Die Versorgung der Infizierten erfolgt überwiegend durch Arztpraxen oder durch Hausbesuche. Um lange Schlangen vor Arztpraxen zu verhindern, sollen vermehrt Sprechstunden und Hausbesuche angeboten werden. Zuständig dafür ist die Kassenärztliche Vereinigung Thüringen.

Zur Bewältigung der Krankheit können auch Ärzte im Ruhestand oder Fachärzte (Hautärzte, Hals-Nasen-Ohren-Arzt usw.) mobilisiert werden.

Sonderregeln für Krankentransporte

Für Krankentransporte können Ausnahmeregeln angeordnet werden. Um dem steigenden Transportbedarf von Erkrankten zu bewältigen, dürfen dann mehrere Infizierte in einem Fahrzeug transportiert werden. Patienten tragen Mund-Nasen-Masken, damit das Personal vor Ansteckung geschützt wird.

Versorgung in Krankenhäusern - Mehr Betten und mehr Personal

In Normalzeiten werden durchschnittlich 1.500 Patienten pro Tag in Thüringen eingewiesen. Im Falle einer Pandemie rechnen die Behörden mit etwa 330 zusätzlichen Krankenhauseinweisungen pro Tag. Dadurch ergibt sich ein erhöhter Betten- und Personalbedarf. Verschärft würde die Lage durch mögliche Infektionen bei Ärzten und Pflegekräften.

Eine Patientin in einem Krankenbett, neben ihr ein Nachttisch mit einem Wasserglas und einem Medikamentenbecher
Um die Bettenkapazität zu erhöhen, können Räume zweckentfremdet werden. Bildrechte: imago/Jochen Tack

Die Krankenhäuser müssen ausreichend Betten und Personal zur Verfügung stellen. Zur Not müssen Räume zweckentfremdet werden, die normalerweise nicht zur Aufnahme von Patienten vorgesehen sind. Um den erhöhten Personalbedarf zu decken, werden laut Pandemieplan Teilzeitkräfte, Lehrlinge und Personal im Ruhestand mobilisiert.

Krankenhäusern wird empfohlen, 20 bis 30 Prozent ihrer Betten für Infizierte bereitzuhalten. Die Verteilung der Patienten erfolgt kreis- und stadtübergreifend.

Umgang mit Verstorbenen

Totenscheine und Bestattungsscheine werden mit einem rot markierten "Infektiös"-Hinweis versehen. An den Körpern von Verstorbenen werden ebenfalls rot markierte Hinweisschilder befestigt. Kühlzellen, in denen die Toten aufbewahrt wurden, müssen markiert werden. Liegeflächen müssen desinfiziert werden.

Menschen, die mit den Toten in Kontakt kommen, müssen sich durch das Tragen von Schutzkitteln, Einmalhandschuhen und Atemmasken schützen. Die Schutzkittel müssen täglich gewechselt werden. Hände und Handschuhe sind nach jedem Körperkontakt zu desinfizieren.

Quelle: MDR THÜRINGEN/nis

Dieses Thema im Programm: MDR THÜRINGEN - Das Radio | Nachrichten | 26. Februar 2020 | 22:00 Uhr

Zuletzt aktualisiert: 28. Februar 2020, 08:34 Uhr

4 Kommentare

Heftklammer vor 4 Wochen

Nachtrag: Vieleicht ist es ein Feldversuch, um herauszufinden, wie sich die Bevölkerung und der Staat in einem solchen Fall verhält....
nur Gedanken....

Heftklammer vor 4 Wochen

Leute, laßt euch nicht verarschen! Es ist nichts anderes, als eine Grippewelle. Dem Kind wurde nur ein neuer Name gegeben.

Die starke Grippewelle in der Saison 2017/2018 hat in Deutschland die höchste Zahl an Todesfällen der vergangenen 30 Jahre gefordert. Durch die Influenza starben damals schätzungsweise 25.100 Menschen, wie das Robert-Koch-Institut (RKI) in Berlin mitteilte. So eine hohe Zahl an Todesfällen ist demnach sehr selten, in anderen Jahren gab es nur einige hundert Fälle.

Denkt!!!

Lyn vor 4 Wochen

Das klingt doch alles sehr vernünftig.
Bei häuslicher Isolierung finde ich, muss allerdings auch die Versorgung gesichert sein. Dann also Lieferung von Lebensmitteln vor die Haustür.
Außerdem muss gewährleistet werden, dass die Leute einen Krankenschein für den AG bekommen und der dorthin geliefert wird. Bei Klinikaufenthalten muss das der Hausarzt machen, da sollte eine andere Regelung her. Vielleicht auch via WhatsApp? Oder per Mail, als PDF?
30% Erkrankte halte ich, als Laie, für realistisch.
Das es dick kommt, ist nur noch eine Frage der Zeit.

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