Coronavirus Hilferuf der Gastronomen - Thüringen kündigt Unterstützung an

Thüringer Gastronomen machen mit leeren Stühlen vor ihren Lokalen auf Probleme in der Corona-Krise aufmerksam. Forderungen nach einer Mehrwertsteuersenkung werden laut. Die Landesregierung kündigt derweil weitere Hilfen für bedrohte Gastronomen an.

 Leere Stühle vor einem geschlossenen Café
Leere Stühle vor einem geschlossenen Café. Bildrechte: MDR /Karina Heßland

Mit leeren Stühlen haben in vielen Orten Thüringens Gastronomen auf ihre schwierige Lage zu Corona-Zeiten aufmerksam gemacht. Um 11 Uhr stellten sie am Montag Mobiliar vor ihre Lokale. Die Gastronomen fordern Hilfen von der Bundesregierung. Neben einem Konjunkturpaket wünschen sie sich, die Mehrwertsteuer auf sieben Prozent zu senken. Man solle den Gastronomen mehr von dem lassen, was erwirtschaftet wurde, sagte Gastronom Ronny Grosser MDR THÜRINGEN. Weil die Gaststätten geschlossen seien, könnten die Betreiber auch nicht investieren.

Vorbild für Thüringen: Gastro-Proteste in Dresden

Die Aktion der Thüringer Gastronomen schließt an die Forderungen der 530 Gastronomen und Eventbetreiber an, die vorige Woche symbolisch leere Tische und Stühle auf dem Dresdner Neumarkt aufgestellt hatten.

Thüringer CDU unterstützt Mehrwertsteuersenkung

Der Thüringer CDU-Fraktionschef Mario Voigt forderte, die Mehrwertsteuer in der Gastronomie auf sieben Prozent zu senken. Dadurch könne den Betrieben wieder eine Perspektive gegeben werden. Wenn die Hygiene- und Abstandsregeln beachtet würden, könnten auch die Einschnitte im Gastgewerbe wieder gelockert werden.

Ähnlich äußerte sich die FDP-Fraktion. Noch in dieser Woche müsse das Land mit dem Hotel- und Gaststättenverband Dehoga dazu Pläne ausarbeiten. So könnten zum Beispiel Außenbereiche in der Gastronomie auf vergrößerten Flächen wieder geöffnet werden.

Gastronomen und Hotels in Thüringen können mit Hilfe rechnen

Die Landesregierung hat inzwischen weitere Hilfen angekündigt. Wie Wirtschaftsminister Wolfgang Tiefensee (SPD) sagte, sind 45 Millionen Euro für Unternehmen eingeplant, die von Schließungen betroffen seien. Allein in Thüringen sei bei der Hälfte der Gastrobetriebe nicht klar, ob sie weiter fortbestehen könnten, sagte Tiefensee.

Wolfgang Tiefensee
Thüringens Wirtschaftsminister Tiefensee stellt der Gastronomie Hilfe in der Corona-Krise in Aussicht. Bildrechte: MITTELDEUTSCHER RUNDFUNK

Er forderte, das Thema Gastronomie bei der nächsten Ministerpräsidentenkonferenz Ende April zu beraten und eine Bund-Länder-Lösung zu suchen. Neben dem Thüringer Rettungsschirm für Unternehmen, der Soforthilfe, Unternehmerkredite und Bürgschaften umfasst, bietet das Land für Gastronomie und Hotellerie finanzielle Hilfe bei den Azubi-Gehältern. Außerdem hatte das Land eine Online-Plattform aktiviert, auf der Gastronomiebetriebe ihre Lieferservice-Angebote bewerben können.

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Quelle: MDR THÜRINGEN/ls

Dieses Thema im Programm: MDR THÜRINGEN - Das Radio | Nachrichten | 20. April 2020 | 11:00 Uhr

6 Kommentare

kleinerfrontkaempfer vor 15 Wochen

Vor 10 Jahren hat die FDP ihrem Wählerklientel in der Hotellerie die Absenkung der Mehrwertsteuer um 12 % präsentiert. Sind deshalb Übernachtungen billiger geworden? 10 jahre Zusatzerträge blieben im Unternehmen. Sehr verführerisch für Inhaber und Besitzer.

Werner Original vor 15 Wochen

Manche Menschen können nicht verstehen, wie das "echte Leben" ist, weil sie "offenleslich" in einer Blase leben - mit Geld, was sie nicht selbst erarbeiten... mit hohem persönlichen Einsatz & Risiko "erkämpfen" müssen... Verantwortung auch für insbesondere die Mitarbeiter und deren Familien tragen, Schicksale, und was alles noch als ellenlanger "Rattenschwanz" als Folgen hinten dran hängt... Kredite bei persönlicher Haftung des gesamten Vermögens & Bürgschaften... mögliche Zwangsversteigerung - und das nicht mal könnten, selbst wenn sie wollten. Eigentlich sind mir die Kommentare solcher offenleslich dümmster, rücksichtsloser Menschen mit aggressiv-bösartig großer Fresse "zu blöd", und ein Kommentar vollkommen sinnlos. Aber in dem Fall ist es "noch viel blöder" als "zu blöd"... auch wenn das jetzt genau so wenig "nett" war. Manche Dinge sind aktuell unfassbar, und ab und zu entsteht der Verdacht nach Provokation, oder/und mit "gewissen Entzugserscheinungen" in der aktuellen Situation.

StefanK vor 16 Wochen

Ernsthaft? Also ich bin Betreiber eines Landgasthofes mit 12 Angestellten und habe eine Frau und zwei kleine Kinder. Wir haben in den letzten 2 Jahren knapp 120.000 € in den Laden gesteckt und haben genau eine Woche vor Corona unseren Küchenumbau abgeschlossen. Durch die Pandemie wurden bereits über 20 Veranstaltungen abgesagt, das Osterwochenende ist ausgefallen, der 1. Mai ist ausgefallen und wir haben ca. 4 Wochen Biergartenwetter versäumt. Unser Sommergeschäft trägt uns über den Winter da wir im Winter froh sind wenn wir unsere Kosten decken können. Wir bieten einen Lieferservice an, allerdings wird bei den Temperaturen immer wenig bestellt so dass wir in der Woche sogar draufzahlen. Und jetzt sitze ich verzweifelt vorm Rechner und recherchiere ob es etwas Neues zum Thema Hilfe für die Gastro gibt und stolper über Ihren Kommentar. Vielen Dank dafür.

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