Pandemie Thüringer Hausärzte-Verband kritisiert Corona-Impfbürokratie

Die Bürokratie bei den Corona-Schutzimpfungen sei zu umfangreich, sagt der Vorsitzende des Thüringer Hausärzteverbands. Er wünscht sich zur Erleichterung ein Online-Portal. Derweil kritisiert der Seniorenverband den Standort des Suhler Impfzentrums.

Frau in Schutzkleidung beim Aufziehen einer Spritze
Eine Corona-Impfung wird vorbereitet. (Archivbild) Bildrechte: MDR/Bernd Rödger

Der Thüringer Hausärzteverband kritisiert einen zu bürokratischen Aufwand bei Corona-Schutzimpfungen. Der Verbandsvorsitzende Ulf Zitterbart sagte MDR THÜRINGEN, der Dokumentationsumfang der Corona-Impfungen sei im Vergleich zu sonstigen Impfungen wesentlich umfangreicher.

Impfbürokratie: Hausärzteverband fordert Online-Portal

Es gehe nicht darum, die Aufklärung der Patienten einzuschränken, sondern um die aus seiner Sicht komplizierte, unnötige "Zettelwirtschaft". So lange von spezialisierten Impfteams und in Impfstellen geimpft werde, sei das machbar, aber nicht, wenn später millionenfach Hausärzte impfen sollen. Der zeitliche Aufwand sei enorm, da jeder Patient mehrere Formulare unterschreiben müsse, die dann unter anderem an die Kassenärztliche Vereinigung und das Robert-Koch-Institut übermittelt würden. Wünschenswert sei eine Onlineplattform, in die die Praxen alle notwendigen Daten papierlos sofort online eintragen können, so Zitterbart.

Verbandsvorsitzender im Impf-Einsatz

Der Verbandsvorsitzende und Hausarzt Ulf Zitterbart unterstützt selbst die laufende Corona-Impfkampagne. Am Montagvormittag hat der Mediziner zusammen mit einem mobilen Impfteam rund 170 Bewohner und Mitarbeiter von Pflegeheimen in Kranichfeld und Tannroda im Weimarer Land geimpft. Sie erhielten als erste in Thüringen bereits die notwendige zweite Dosis des Impfstoffes von Biontech/Pfizer. Im ASB-Pflegeheim in Kranichfeld ließen sich 38 der 48 Mitarbeiter impfen.

Suhl und Eisenach: Kritik auch an Abläufen in Impfzentren

Kritik wurde zuletzt auch bezüglich der Impfzentren in Eisenach und in der Suhler Friedrich-König-Straße laut. Wie der Seniorenbeauftragte der Stadt Suhl, Achim Nickel (Linke), MDR THÜRINGEN sagte, hätte es in Suhl deutlich besser geeignete Objekte für ein Impfzentrum gegeben. Die Kommunikation zwischen der Kassenärztlichen Vereinigung und der Stadt sei mangelhaft gewesen. Die Parksituation sei unbefriedigend und Rentner müssten in der Kälte warten. Das Impfzentrum soll laut Nickel am Mittwoch im Stadtrat angesprochen werden.

Nach Kritik des Landtagsabgeordneten Raymond Walk (CDU) bekommt das Eisenacher Impfzentrum hingegen einen separaten Wartebereich. Er kritisierte, dass auch in Eisenach über 80-Jährige auf ihren Termin in der Kälte warten müssten. Walk teilte mit, die Kassenärztliche Vereinigung (KVT) habe nach der Kritik an einem fehlenden Wartebereich eine kurzfristige Lösung zugesagt. Ein zusätzlicher Container als Wartebereich sei bestellt worden. Walk hofft, das die Container keine Dauerlösung sind. Derzeit wird nach seinen Angaben mit der KVT über eine zusätzliche Drive-in-Station als Impfstelle diskutiert.

Impfungen: Forderungen nach Kostenübernahme für Anreise

Auch die Anreise zu den Impfzentren stellt einige Patienten vor Herausforderungen. Das Thüringer Verkehrsgewerbe hat deshalb vom Land die Kostenübernahme für Taxifahrten von Senioren zu Corona-Impfzentren gefordert. Verbands-Geschäftsführer Martin Kammer sagte, oft könnten sich ältere Menschen eine Fahrt mit Taxi oder Mietwagen nicht leisten. In Berlin übernehme der Senat die Kosten. Das Gesundheitsministerium teilte mit, das Problem sei bekannt. Zurzeit könne aber noch keine Lösung in Aussicht gestellt werden.

Quelle: MDR THÜRINGEN/ls

Dieses Thema im Programm: MDR THÜRINGEN - Das Radio | Nachrichten | 18. Januar 2021 | 13:00 Uhr

5 Kommentare

Hans Frieder leistner vor 6 Wochen

Man kann noch soviel Impfsere ordern. Wenn die Produktion nicht nachkommt, hilft das auch nicht. Wichtiger wäre gewesen schon im Sommer eine Lieferkette und Lagermöglichkeiten aufzubauen.Das Sicherste wäre doch gewesen, wenn man mit allen Länderchefs des RK, Malteser etc. einen Plan auszuarbeiten. Die kennen doch ihre Möglichkeiten am besten und nicht irgend ein bürokratischher Staatssekretär oder Minister.

Lyn vor 6 Wochen

Bis Ostern 60%, das wäre traumhaft.
Dann hätte man die Herdenimmunität um die Massnahmen komplett aufzuheben.
Aber man müsste gucken wegen der Kühlkette - in welchem Zeitraum muss der Impfstoff verbraucht werden, wenn er aus dem Tiefkühlschrank -70° rauskommt, oder gibt es spezielle Transportmöglichkeiten?

Weisskopf vor 6 Wochen

Hätte man genug Impfstoff geordert hätte man bis Ostern 60% schaffen können,wenn Hausärzte mit Impfen können. Damit wäre es so gut wie beendet gewesen ,statt dessen Lockdown bis zum Sommer . Ein Versagen auf voller Länge. Na,ja so kann man das Volk in Abhängigkeit bringen und sie dann auspressen wie Zitronen von wen auch sonst. ...

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