Coronavirus in Thüringen Thüringer Jugendherbergen kämpfen ums Überleben

In Thüringen gibt es insgesamt 21 Jugendherbergen. Wegen der Coronakrise dürfen sie momentan keine Gäste empfangen. Langsam wird die Situation brenzlig. Von der Landesregierung könnte bald Hilfe kommen.

Idyllischer Ausblick auf Wald und Wolken, vom Dach aus.
Die Lage mitten in der Natur entschädigt den fehlenden Komfort. Bildrechte: MDR/Bettina Ehrlich

Seit mehr als 30 Jahren ist die Jugendherberge auf dem Simmersberg bei Schnett das zweite Zuhause von Heidi und Andreas Schramm. "Wir sind die strengsten Herbergseltern der Welt", sagt Heidi zwinkernd. Und Andreas ergänzt, dass er bei den Kindern einfach darauf achtet, dass sie grüßen und Bitte und Danke sagen. Außerdem werden im Flur die Straßenschuhe ausgezogen. Durch die Herberge geht es nur in Pantoffeln. Die Jugendherberge in Schnett hat ihren ganz eigenen Charme. Komfort suchen die Gäste vergeblich. Duschen und WC sind auf dem Flur. Aber den Meisten macht das nichts aus.

Viele Familien kommen jedes Jahr wieder. Sie lieben einfach die Ruhe. Im Winter fällst du aus dem Bett und stehst schon auf der Loipe. Außerdem gibt es direkt am Haus einen Rodelhang. "Jedes Kind muss seinen Schlitten allerdings selbst hinaufziehen und schläft abends wie ein Engel", grinst der Herbergsvater.

Herbergsleiterin in einem leeren Zimmer.
Herbergsmutter Heidi Schramm ist streng, aber herzlich. Ihre Klöße am Sonntag ein Gedicht. Bildrechte: MDR/Bettina Ehrlich

Bedrohte Idylle

Diese Idylle am Waldrand jedoch ist in Gefahr. Wegen Corona dürfen keine Gäste kommen. Wann es wieder losgeht, weiß im Moment niemand. Thüringen verbietet Klassenfahrten bis Ende des Schuljahres, Brandenburg sogar bis Ende Dezember. Noch haben die Schnetter Herbergseltern keinen Kassensturz gemacht, der Schaden geht aber in die Tausende. Schon bis Ende Juni haben fast alle Gäste abgesagt.

Außenansicht der Jugendherberge
Die Jugendherberge in Schnett liegt besonders idyllisch auf dem Simmersberg. Bildrechte: MDR/Bettina Ehrlich

Die Jugendherberge gehört wie alle anderen 20 Häuser im Freistaat zum Thüringer Landesverband des Deutschen Jugendherbergswerks. Landesverbandsgeschäftsführer Peter Kraft schätzt den bisher aufgelaufenen Schaden auf mehr als 1,5 Millionen Euro. Kraft hofft, dass das Land auch die Jugendherbergen unter den Rettungsschirm nimmt.

Rettungsschirm in Sicht

Im Bildungsministerium wurde das Problem schon erkannt. Wie Sprecher Felix Knothe sagte, wurde beim Finanzministerium ein Bedarf für die Jugendherbergen über genau 1,5 Millionen Euro angemeldet. Sollte die Fianzministerin das Geld freigeben, wäre das nicht weniger als die Rettung von 21 Thüringer Jugendherbergen. Zurzeit sind die rund 200 Mitarbeiter in Kurzarbeit.

Seine Gäste will der Landesverband mit Gutscheinen und Rabattaktionen bei der Stange halten. "Es kommt ja auch darauf an, dass sie nach dem 'Lockdown' schnell wieder kommen und dass auch Klassenfahrten wieder stattfinden", sagt Peter Kraft.

Blick durch ein Fenster in die Landschaft.
Nur Wald und Wiesen rundherum. Wer Natur und Ruhe liebt ist hier richtig. Bildrechte: MDR/Bettina Ehrlich

Genauso sehen es auch die Schnetter Herbergseltern. Jeden Tag schauen sie nach, ob noch alles in Ordnung ist. Bänke werden gestrichen und die Beete in Ordnung gebracht. Die Schramms jedenfalls sind vorbereitet. Von einem Tag auf den anderen könnte die kleine Herberge auf dem Simmersberg wieder öffnen. Aber bitte: Hausschuhe nicht vergessen!

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Quelle: MDR THÜRINGEN/ls

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