Pflege-Bonus Mehrere Thüringer Krankenhäuser zahlen Corona-Prämie für Pflegepersonal

Die Pandemie zeigt, wie unverzichtbar Pflegekräfte sind. Sie verdienen nicht nur Beifall sondern auch finanzielle Wertschätzung. Weil viele Krankenschwestern und Pfleger keine Sonderzahlung vom Bund bekamen, springen Krankenhäuser ein, sofern sie das nötige Geld dafür haben. Das aber ist laut Landeskrankenhausgesellschaft Thüringen nur begrenzt.

Ärzte und Pfleger untersuchen einen Patienten auf der Covid 19 Intensivstation im SRH Waldklinikum.
Ärzte und Pfleger untersuchen einen Patienten auf der Covid-19 Intensivstation im SRH Waldklinikum Gera. (Archivbild) Bildrechte: dpa

Mehrere Thüringer Krankenhäuser zahlen ihren Mitarbeitern eine Corona-Prämie als Ausgleich für den entgangenen Bonus vom Bund. Einer stichprobenartigen Umfrage von MDR THÜRINGEN zufolge zahlen als große Arbeitgeber die Thüringen Kliniken "Georgius Agricola" und das Südharzklinikum Nordhausen Beschäftigten eine Prämie. In Nordhausen erhalten alle Mitarbeiter in Vollzeit 200 Euro ausgezahlt. Die Thüringen Kliniken zahlen für das Pflegepersonal auf den fünf Pandemiestationen in Saalfeld, Rudolstadt und Pößneck 150 Euro Corona-Prämie. Sie seien seit Wochen besonders gefordert, zumeist schwerkranke und pflegeintensive Patienten zu versorgen, sagte ein Kliniksprecher.  

Auch die SRH Holding wird den Mitarbeitern in den Kliniken in Suhl, Waltershausen-Friedrichroda und Gera eine Prämie zahlen. Sprecher Martin Kussler sagte MDR THÜRINGEN, für den Einsatz in speziellen COVID-Bereichen bekämen Mitarbeiter 700 Euro. Ansonsten werde die Sonderzahlung verrechnet, so beim Pflegepersonal in Waltershausen-Friedrichroda und am Waldklinikum Gera, das von der staatlichen Corona-Hilfe profitiert. Beschäftigte mit sonstigem Patientenkontakt erhalten 300 Euro und Beschäftigte ohne Patientenkontakt können sich über 150 Euro freuen. 

Tarifbeschäftige im Altenburger Land erhalten Prämie

Auch alle Beschäftigten des Klinikums Altenburger Land, die nach den Tarifen im Öffentlichen Dienst entlohnt werden, bekommen eine Prämie mit dem Dezember-Gehalt. Je nach Eingruppierung erhalten sie steuerfrei zwischen 300 und 600 Euro, Auszubildende und Praktikanten mindestens 200 Euro. Auch das Katholische Krankenhaus in Erfurt und das St. Georg Klinikum in Eisenach zahlen diese Corona-Sonderzahlung entsprechend der Regelung im Öffentlichen Dienst.  

Das Sophien- und Hufeland Klinikum Weimar hat seinen Beschäftigten eine Corona-Prämie je nach Umfang der Beschäftigung von bis zu 600 Euro gezahlt. Von der Reinigungskraft bis zum Chefarzt hätten das Geld alle für ihren Einsatz verdient, sagte Geschäftsführer Tomas Kallenbach MDR THÜRINGEN. Die Mitarbeiter dürften nicht ausbaden, dass sie die staatliche Prämie nicht erhalten, weil zu wenig COVID-19-Patienten betreut wurden. 

Corona-Sonderleistung vom Bund nur für "belastete" Kliniken

Anspruch auf die Sonderleistung vom Bund für Krankenpflegepersonal haben nur Krankenhäuser, die zwischen Januar und Mai 2020 durch die Behandlung von Corona-Patienten besonders belastet waren. Darunter fallen Krankenhäuser mit weniger als 500 Betten, die mindestens 20 Corona-Fälle betreuten sowie Krankenhäuser mit mehr als 500 Betten und 50 Corona-Fällen. In Thüringen profitieren davon neun von 45 Akut-Krankenhäusern im Umfang von insgesamt rund 1,5 Millionen Euro.

Der Geschäftsführer der Landeskrankenhausgesellschaft Rainer Poniewaß verwies darauf, dass Beschäftigte in Krankenhäusern, die weniger Erkrankte behandelten, ungerechtfertigt benachteiligt würden. Damit verfehle das 100 Millionen-Programm vom Bund das eigentliche Ziel. Poniewaß sagte, dass manche Kliniken ihren Beschäftigten keinen zusätzlichen Bonus zahlen könnten. Sie warteten noch auf Ausgleichszahlungen dafür, dass sie Betten für die Behandlung von Covid-19 Patienten freihielten. Das Land werde diese erst Mitte Januar 2021 auszahlen. Den Kliniken fehlten deshalb auch kurzfristig die Erlöse aus planbaren Operationen, gibt Poniewaß zu Bedenken.

Quelle: MDR THÜRINGEN

Dieses Thema im Programm: MDR THÜRINGEN - Das Radio | Nachrichten | 22. Dezember 2020 | 18:00 Uhr

8 Kommentare

Peter vor 10 Wochen

Na, ralf meier, stimmt das auch mit der Steuersenkung in Italien?
"Die italienische Regierung erwägt nach den Worten von Vize-Ministerpräsident Matteo Salvini im Haushalt für das kommende Jahr Steuersenkungen in Milliardenhöhe."
Der Bericht der Nachrichtenagentur Reuters stammt vom 15.07.2019 und bezieht sich auf die Aussage eines Herrn Salvini.
Nur: Herr Salvini ist als Chef der Lega einer der Busenfreunde der AfD. Und: Herr Salvini ist seit September 2019 nicht mehr Regierungsmitglied in Italien.
Wenn man Beides unter den Tisch fallen lässt, könnte der uninformierte Leser einen falschen Eindruck gewinnen. Wollen Sie das etwa, Herr meier?

Peter vor 10 Wochen

Tatsache ist, dass, wenn es nach der AfD gegangen wäre, kein einziger Pfleger überhaupt einen Cent Prämie erhalten hätte.
Warum?
Ganz einfach. Die haben die Corona-Hilfen im Deutschen Bundestag glatt abgelehnt.

ralf meier vor 10 Wochen

Haben die Altparteien nicht gerade erst eine Neuverschuldung von fast 500 Milliarden Euro abgesegnet ?

OK , Netto muß man schon mal 60 Milliarden abziehen, damit in Italien die Steuern gesenkt werden können und weitere zig Milliarden wird uns die im Zuge der Coronahilfen beschlossene Subventionierung von e-mobilen und Windmühlen kosten. Aber ein paar Milliarden sollten doch auch für die Pflegekräfte drin sein. Nun ja, die haben immerhin nicht ihren Job verloren.

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