Lippenlesen erschwert Maskenpflicht in Thüringen trifft Hörgeschädigte besonders hart

Wenn Nase und Mund in Arztpraxen, Apotheken, Behörden und Geschäften bedeckt sind, bekommen viele Gehörlose ein Problem: Sie haben es viel schwerer, ihr Gegenüber zu verstehen. Daher trifft die Mundschutzpflicht in Thüringen Hörgeschädigte besonders.

Frau mit Mundschutz beim Einkaufen
Ob beim Einkaufen, in der Arztpraxis, in der Apotheke oder in Behörden: Wenn Hörgeschädigte nicht mehr den Mund ihres Gegenübers erkennen können, fällt die Verständigung mitunter schwer. Bildrechte: imago images / Michael Weber

Die Maskenpflicht in Thüringen trifft hörgeschädigte Menschen besonders hart. Das sagte der Präsident vom Landesverband für Hörgeschädigte, Jens Elschner, MDR THÜRINGEN. Elschner forderte daher von der Landesregierung, öffentliche Bereiche wie Arztpraxen, Apotheken, Supermärkte oder Krankenhäuser zu sensibilisieren.

Mundschutz verhindert Lippenlesen

Menschen mit einer Hörschädigung verstehen die gesprochene Sprache laut Elschner zu etwa 50 Prozent über das Lippenabsehen. Das sei mit Mundschutz nicht möglich. Als positives Beispiel nannte der Verbandspräsident eine Apotheke in Weimar, in der Mitarbeiter hinter einer Plexiglasscheibe stehen und einen durchsichtigen Kopfschutz tragen, sodass der Mund zu sehen ist.

Thüringer Verband vertritt 8.000 Menschen mit Hörschädigung

Der Landesverband für Hörgeschädigte vertritt in Thüringen rund 8.000 Menschen mit Hörschädigung, darunter 1.200 Gehörlose. In den vergangenen Tagen habe es viele Anfragen zum Thema Mundschutz gegeben, sagte Elschner. Er fürchtet, dass vor allem ältere Menschen sozial isoliert werden. Auch psychische Erkrankungen könnten zunehmen. Positiv sei, dass in der Corona-Krise viele Informationen in Gebärdensprache verfügbar seien. Allerdings müsste mehr davon später mit Untertiteln im Internet zum Nachlesen verfügbar sein, weil die Übersetzung häufig sehr schnell sei, so Elschner.

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Quelle: MDR THÜRINGEN/uka

Dieses Thema im Programm: MDR THÜRINGEN - Das Radio | Nachrichten | 22. April 2020 | 08:30 Uhr

11 Kommentare

Grosser Klaus vor 15 Wochen

Was bezwecken sie mit dem Hinweis auf die Zahlen der an Influenza Erkrankten und Verstorbenen ?
Was sind denn ihre konkreten Vorschläge, wie mit dem neuen Coronavirus umgegangen werden soll?

eine Thueringerin vor 15 Wochen

Kann mich Ihnen nur anschließen allerdings wird uns das nichts nutzen, denn es wird so weitergehen wie bisher, vielleicht noch schlimmer werden mitder Gängelei leider.

eine Thueringerin vor 15 Wochen

Der Verweis auf die Grippetoten die es trotz Impfstoff gibt gehört hier her schon um die Verhältnismäßigkeit mit der Angst und Panik die verbreitet wird zu zeigen.

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