Coronavirus in Thüringen Weniger Aufträge: Zahntechniker spüren Corona-Krise

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Die Corona-Krise setzt allen zu. Nicht zuletzt den Zahnärzten. Patienten sagen aus Sorge Termine ab - viele Praxen arbeiten auf Sparflamme. Das merken auch andere Branchen, die von Zahnärzten abhängig sind: Zahntechniker zum Beispiel.

Damit am Ende die Prothese passt, muss der komplette Biss kontrolliert werden.
Nach Ansicht der Innung wird die Corona-Krise noch lange Auswirkungen auf Zahntechniker in Thüringen haben. (Symbolfoto) Bildrechte: MDR/Monika Werner

Für den Patienten sind sie vielleicht unsichtbar, aber ganz bestimmt nicht unverzichtbar: die Zahntechniker. Sie sind es, die Kronen fertigen, Implantate schleifen und Prothesen bauen. Ihre Aufträge bekommen sie von Zahnärzten überwiegend aus der Region, sagt Thomas Macher von der Thüringer Zahntechniker Innung. Doch seit Beginn der Corona-Pandemie sieht es mau aus. Die Auftragslage hat rapide abgenommen. Zahnärzte behandeln weniger.

Dentallabor in Apolda wegen Corona in Kurzarbeit

Eingriffe, die nicht wirklich dringend sind, werden aufgeschoben - darunter auch viele Anfertigungen. Das hat Konsequenzen. Im Dentallabor Preuß in Apolda zum Beispiel, arbeitet die elf Personen starke Belegschaft inzwischen schon in Kurzarbeit. Meister Gerd Grünauer hat dafür zwei Teams gebildet. Je ein Team arbeitet für vier Stunden. Man schlage zwei Fliegen mit einer Klappe: Kurzarbeit und Infektionsschutz könnten eingehalten werden.

Neustart für Zahntechniker wird dauern

Grünauer und auch Innungssprecher Macher sind sich einig: Die Corona-Krise werden die Zahntechniker noch lange spüren. Auch wenn das "System", wie sie es nennen, wieder angelaufen ist, werde es einige Zeit dauern, bis Heil- und Kostenpläne erstellt sind und neue Aufträge in die Labore flattern. Diesen Effekt kennen die Zahntechniker. Nach den Sommerferien zum Beispiel gibt es erfahrungsgemäß wenig zu tun. Das aber gleiche sich übers Jahr hinweg wieder aus. Die Corona-Ausfälle hingegen auszugleichen, das werde nicht gelingen, so Macher. Und das in einer Zeit, in der es Zahntechniker ohnehin nicht leicht haben.

Zahntechniker ist ein Handwerksberuf. Auch in der Branche gibt es Nachwuchsprobleme.
Zahntechniker ist ein Handwerksberuf. Auch in der Branche gibt es Nachwuchsprobleme. Bildrechte: MDR/Monika Werner

Zahntechniker auch vor Corona unter Druck

Es knirscht seit Jahrzehnten, berichtet Macher. Macher verweist auf die ausländische Konkurrenz, die Industrie drängt massiv in die Branche hinein und nicht zuletzt sind auch die Praxislabore der Zahnärzte selbst ein großes Problem. Viele Dienstleistungen werden inzwischen vor Ort erledigt. Zahnärzte investieren in die eigene Technik. Außerdem haben die bürokratischen Hürden zugenommen. Immer wieder gibt es neue Auflagen und Regeln, so die Innung.

Und wie in fast allen Branchen fehlt es an Nachwuchs. Thomas Macher rechnet damit, dass in den kommenden Jahren etliche der rund 300 Thüringer Dentallabore dicht machen werden. Dennoch schwingt Zuversicht in seinen Aussagen mit: Der Beruf des Zahntechnikers schwärmt er, ist kreativ, macht Spaß und werde ganz bestimmt nicht aussterben. Nur weniger werden es werden.

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Quelle: MDR THÜRINGEN/ls

Dieses Thema im Programm: MDR THÜRINGEN - Das Radio | Regionalnachrichten | 22. April 2020 | 12:30 Uhr

5 Kommentare

Ralf T. vor 15 Wochen

"Der Beruf des Zahntechnikers schwärmt er, ist kreativ, macht Spaß."

Und ist äußerst schlecht bezahlt, das sollte Herr Macher gleich bitte noch mit erwähnen!
Die meisten ausgebildeten Zahntechniker haben den Beruf deswegen längst verlassen und ein Jugendlicher, der bei der Berufswahl "Verdienst Zahntechniker" googelt entscheidet sich ganz sicher für eine andere Ausbildung.

Nicht mal Techniker aus Osteuropa wollen hier arbeiten, die gehen lieber nach Österreich oder Skandinavien.

Das ist die bittere Realität, Herr Macher.

MDR-Team vor 15 Wochen

Hallo Critica,
es besteht kein allgemeines Verbot zu bohren oder zu schleifen. Wenn es sich nicht um einen Notfall handelt, kann der Zahnarzt allerdings zu seiner eigenen Sicherheit entscheiden solche Behandlungen nicht durchzuführen.
Einen Artikel zu dem Thema finden Sie hier:
https://www.mdr.de/sachsen-anhalt/magdeburg/magdeburg/warum-man-trotz-corona-zum-zahnarzt-gehen-kann-100.html

Critica vor 15 Wochen

Das liest sich jetzt so, als seien die Patienten schuld. Dem ist nicht so. Ich wollte mir eine Brücke machen lassen, auch in Coronazeiten, und der Zahnarzt darf nicht bohren und nicht schleifen. Wer immer dies auch verboten hat, hat nur halb gedacht - wie bei so vielen Entscheidungen in Sachen Corona.
Also immer schön bei der Wahrheit bleiben und nicht alles auf Corona schieben.

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