Gedanken über den Laufsport und die Coronakrise Stell dir vor, es ist Wettkampf und keiner darf hin!

Was bedeuteten die zahlreichen Absagen von Laufveranstaltungen für die Läufer? Viele haben hart und lange trainiert. Sandra Voigtmann ist eine davon und teilt ihre Gedanken zu den Folgen der aktuellen Coronakrise.

Porträt Sandra Voigtmann
Die leidenschaftliche Läuferin Sandra Voigtmann macht sich Gedanken über den Laufsport im Zeichen der Coronakrise. Bildrechte: MDR/Daniela Dufft

Laufen ist gesund, heißt es ja. Doch in Zeiten von Corona darf man da ein Fragezeichen dahinter setzen. Die Corona-Krise hat den Laufsport erreicht. Unzählige Läufe weltweit wurden bereits abgesagt. Hier und da hoffen die Läufer und Läuferinnen noch, dass sie an den Start gehen können. So auch ich. Darss-Marathon, Supermarathon beim Rennsteiglauf, ThüringenUltra und EigerUltra. All die Wettkämpfe, für die ich trainiere, liegen im ersten Halbjahr des Jahres 2020. Und ausgerechnet jetzt kommt dieses Virus. Muss das sein? So wie mir geht es unzähligen Läufern. Deshalb wird in der Szene heftig diskutiert über den Sinn und Unsinn von Absagen verschiedener Läufe.

Enttäuschung, Trauer, Trotz - da mischt sich vieles zusammen. Schließlich haben ja alle auf ihren Saison-Höhepunkt hin trainiert und der ist eben bei vielen schon jetzt oder eben demnächst. Der Tokiomarathon wurde abgesagt, der Barcelonamarathon verschoben, der Marathon in Rom ersatzlos gestrichen. Doch nicht nur internationale Läufe fallen dem Corona-Virus zum Opfer, auch in Thüringen trifft es etliche Läufe. So zum Beispiel den Possenlauf in Sondershausen oder den Kyffhäuser-Berglauf. Beide Läufe werden verschoben. Bis Donnerstag hatten die Organisatoren des BraveHeartBattle in Steinach noch gehofft.

Kampf gegen Corona statt gegen Matsch

Doch jetzt steht auch dort fest, keiner der knallharten Hindernisläufer darf an Start gehen am 29. März 2020. Vorerst wird es also nichts mit dem Kampf gegen Schnee, Kälte und Eiswasser, gegen Höhenmeter und Wadenkrämpfe. Der Wettkampf wurde verschoben auf Anfang November. Und das ist das Problem. Viele Läufe werden jetzt in den Herbst verschoben. Doch im September, Oktober und November finden traditionell auch noch viele Läufe statt. Die Konkurrenz wird also größer in diesem Jahr.

Ein Mann klettert beim Extrem-Lauf 'Getting Tough' über ein Hindernis.
Auch der Extremlaufe "BraveHeartBattle" in Steinach ist verschoben (Symbolbild). Bildrechte: MITTELDEUTSCHER RUNDFUNK

Wird jeder Lauf noch genügend Starter haben? Graben sich die Läufe nicht untereinander das Wasser ab? Ein zweischneidiges Schwert - der Läufer kann wählen. Der Veranstalter muss buhlen - und zwar um jeden Starter. Gerade kleine Läufe dürften an ihre finanziellen Grenzen kommen. Startgebühren deckeln ja meist gerade so die Kosten. Vieles wird im Ehrenamt gemacht. Dank Corona wird dem einen oder anderen Veranstalter möglicherweise die Lust vergehen. Hoffentlich nicht!

Denn wir Läufer trainieren ja weiter. Stillstand ausgeschlossen. Dafür ist das, was wir tun, für uns viel zu schön. Draußen sein in der Natur, sich bewegen, an seine Grenzen kommen und diese überschreiten, fühlen, dass man lebt, gemeinsam mit anderen unterwegs sein. Und wir sind VIELE! Zu sehen auch unter dem Hashtag #NeverNotRunning. Die Idee hat der Rennsteiglaufverein in die socialmedia-Welt geworfen. Bekannt ist den Thüringen und den Liebhabern des Rennsteiglaufes bereits das Motto #demrennsteigdietreue. Abgewandelt unter dem Motto #demlaufsportdietreue wird auf facebook und instagram #NeverNotRunning derzeit viel gespostet.

Auch die deutschen Laufikonen wie Florian Neuschwander haben sich zu Wort gemeldet. Er sagte, Läufer sollten jetzt positiv denken. Ändern könne man es sowie nicht. Vielmehr sollten eigene Projekte und Challanges angegangen werden. Neuschwander meint, es gibt noch viele Gipfel, Seen und Straßen, die man sich noch erlaufen kann. Und recht hat er, finde ich. Hauptsache laufen, Hauptsache draußen sein. Schließlich lassen wir uns ja auch von Sturm, Regen, Schnee oder Hitze nicht davon abhalten, die Laufschuhe zu schnüren. Wir machen das, weil es uns gut tut und weil es uns Spaß macht. Und seien wir mal ehrlich, meistens laufen wir doch allein oder nur in kleinen Gruppen. Und mit Erkältungssymptomen geht der vernünftige Läufer nicht mal auf die Trainingsstrecke.

Laufen in Zeiten der Corona-Krise

Wer partout nicht auf das Kräfte messen mit anderen Läufern verzichten kann, der weiß: Sich messen, auch wenn der Wettkampf ausfällt, das geht ja trotzdem. Die TrailtunningCrew Thüringen macht aus der Not der abgesagten Wettkämpfe eine Tugend. Es werden Trainingsläufe an den Tagen organisiert und angeboten, an denen Wettkämpfe ausfallen. Dann gibt es diverse Laufapps, mit denen sich Läufer auf gleichen Strecken batteln können. Wer den Wettkampf möchte, kann ihn also auch virtuell haben. Und dann wurde in den letzten Tagen die Idee des "Coronathon" geboren. Eine große Laufzeitschrift stellt Urkunden im Netz zur Verfügung, die man sich ausstellen kann für seinen einsam gelaufenen Wettkampf. Warum nicht?

Auch ich werde weiter trainieren. Und auch ich werde meinen geplanten Wettkampf laufen - zunächst am 26.4.! Marathon! Wenn es sein muss allein. Aber ich bin mir sicher, da stehen noch mehr Läufer an der Startlinie, die dann eigentlich keine mehr ist. Und natürlich werde ich Abstand halten zu meinen Mitstreitern, mindestens zwei Meter, so wie vom Robert-Koch-Institut vorgeschrieben. Wahrscheinlich werden es sogar mehrere dutzend Meter sein, denn auf Sieg habe ich nie trainiert. Leichtfertig werde ich mit meiner Gesundheit nicht umgehen. Ich laufe, um meiner schweren Krankheit immer einen Schritt voraus zu sein. Ich weiß, um das hohe Gut der Gesundheit, weil ich es selbst schon lange nicht mehr besitze. Laufen tut mir gut. Laufen lässt mich leben. Auch in Zeiten von Corona.

Bei den Läufern läuft es also trotzdem. Stillstand ist ausgeschlossen. Trainieren geht immer. Die Veranstalter der vielen Läufe, die uns Läufer glücklich machen, überleben das Corona-Virus hoffentlich auch und starten im Herbst oder im nächsten Jahr wieder voll durch.

Quelle: MDR THÜRINGEN/ls

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