Coronavirus in Thüringen Lehramtsanwärter und Studierende könnten gefährdete Lehrer ersetzen

Um durch das Coronavirus gefährdete Lehrkräfte vor Infektionen zu bewahren, könnten sie beim Neustart des Schulbetriebs in Thüringen von Lehramtsanwärtern und Studierenden ersetzt werden. Der Ansatz ist umstritten.

Lehrerin hilft Schüler.
Eine junge Lehrerin hilft einem Schüler. Bildrechte: imago/Westend61

Lehramtsanwärter und Absolventen eines Lehramtsstudiums könnten verstärkt Schüler in geteilten Klassen betreuen. Nach Ansicht des Thüringer Philologenverbandes wäre es dadurch möglich, Lehrer mit Vorerkrankungen und im Alter von über 60 Jahren im Unterricht zu ersetzen. Sie könnten dann vor einer Ansteckung mit dem Coronavirus geschützt werden und von zu Hause arbeiten, sagte die Landesvorsitzende des Verbandes, Heike Schimke, MDR THÜRINGEN am Dienstag.

Absolventen haben Praktikumserfahrung

Absolventen eines Lehramtsstudiums hätten Praktika in Schulen absolviert und könnten parallel zu den Lehrern auf Honorarbasis Schüler betreuen. Lehramtsanwärter könnten in Absprache mit dem Studienseminar statt der durchschnittlich acht Stunden in der Woche bis zu 15 Wochenstunden allein unterrichten. Auch bezahlte Mehrarbeit durch Lehramtsanwärter mit zweitem Staatsexamen hält Schimke für denkbar.

Thüringer Bildungsminister: Alles Personal rekrutieren

Um den zukünftigen Ausfall von Lehrer zu kompensieren und geteilte Klassen besser unterrichten zu können hat Thüringens Bildungsminister Helmut Holter (Linke) am Dienstag bestätigt, Studierende und Lehrer aus der Landesverwaltung holen zu wollen. "Wir müssen alles Personal rekrutieren, damit der Unterricht stattfinden kann", sagte Holter in einer Pressekonferenz.

Gewerkschaft sieht Einsatz problematisch

Die Gewerkschaft Erziehung und Wissenschaft (GEW) verweist dagegen darauf, dass es um eine "vernünftige Ausbildung" gehe und nicht vordergründig um abgesicherten Unterricht. Die Krisenbewältigung sei für bereits gestandene Lehrer und Lehrerinnen eine immense Herausforderung. Ein Sprung ins eiskalte und risikobehaftete Wasser wäre eine Katastrophe, sagte ein Sprecher der GEW.

Weitere Informationen zum Coronavirus in Thüringen

Quelle: MDR THÜRINGEN/ls

Dieses Thema im Programm: MDR THÜRINGEN - Das Radio | Regionalnachrichten | 21. April 2020 | 12:30 Uhr

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