Beschränkungen Saubere Luft in Thüringen während Corona

Zumindest der Umwelt geht es besser in der Covid19-Pandemie. Während des Lockdowns hat sich die Luftqualität in Thüringen deutlich verbessert. Das belegen Messwerte des Landesamtes für Umwelt, Bergbau und Naturschutz.

Sommer, blauer Himmel
Die Coronaeinschränkungen haben die Luftqualität in Thüringen verbessert. Die Konzentration von Stickstoff- und Schwefeldioxid verringerten sich. Bildrechte: IMAGO

Der Lockdown beginnt Mitte März: Wegen immer weiter steigenden Krankheitszahlen wird das ganze Land heruntergefahren, das öffentliche Leben kommt zum Stillstand.

Ausgangsbeschränkungen reduzieren das Verkehrsaufkommen, die Industrieproduktion wird teils komplett eingestellt. Das Arbeiten im Homeoffice wird in vielen Branchen zur Regel, die tägliche Fahrt zur Arbeit fällt weg. Ein Großteil der Geschäfte und Gaststätten ist geschlossen und wo am Wochenende üblicherweise Stau auf den Autobahnen herrscht, sind die Straßen wie leergefegt. Da liegt es auf der Hand, dass wegen geringerer Emissionen auch die Konzentration von Luftschadstoffen sinkt. Aber nicht alle Werte entwickelten sich so, wie von Experten erwartet.

Deutlich weniger Stickoxide in der Luft

Wie das Umweltministerium MDR THÜRINGEN mitteilte, wurde bei 19 von 20 automatischen Stickstoffdioxid-Messstationen (NO2) eine deutliche Abnahme der mittleren NO2-Konzentration verzeichnet. Im Vergleichszeitraum vom 17. März 2020 (als die Schulen flächendeckend geschlossen wurden) bis 26. April 2020 kam es gegenüber dem Vorjahreszeitraum zu einer Abnahme der Stickstoffdioxid-Werte von ca. 20 Prozent. An verkehrsintensiven Messstationen lag der Wert noch höher.

Diesel-Fahrzeuge weiter in der Kritik

Laut Umweltbundesamt gelten Diesel-Pkw als Hauptquelle für Stickstoffoxide in den Städten. Der Verkehrsbereich trägt zu rund 60 Prozent zur NO2-Belastung bei. Daran sind die Diesel-Pkw wesentlich beteiligt: Sie verursachen 65 Prozent der direkten NO2-Emissionen des Straßenverkehrs. Andere Fahrzeuge haben demnach einen wesentlich geringeren Anteil. Busse zum Beispiel machen im Bundesdurchschnitt nur vier Prozent der Emissionen des städtischen Verkehrs aus. Auch Lkw- und Lieferverkehr sind mit zusammen rund 28 Prozent deutlich weniger an der Luftbelastung beteiligt als die Diesel-Pkw. Die lokale Industrie ist für etwa drei Prozent der NO2-Belastung in den Städten verantwortlich. Die privaten Heizungen einer Stadt tragen zu rund sieben Prozent zur NO2-Belastung bei.

Auch weniger giftiges Schwefeldioxid in der Luft

Wie das Thüringer Landesamt für Umwelt, Bergbau und Naturschutz (TLUBN) MDR THÜRINGEN mitteilte, sank während des Lockdowns auch die Konzentration von Schwefeldioxid (SO2) in der Luft je nach Standort der Messstation um rund acht Prozent im Vergleich zum Vorjahr. Schwefeldioxid entsteht überwiegend bei Verbrennungsvorgängen durch Oxidation des im Brennstoff enthaltenen Schwefels. Die Emissionen treten nach Angaben des Umweltbundesamtes vornehmlich in den Bereichen der industriellen Produktion in der Chemischen Industrie, der Metallerzeugung und dem Sektor Steine und Erden sowie der Erdöl- und Erdgasaufbereitung auf. Diese Wirtschaftszweige spielen in Thüringen jedoch kaum eine Rolle. In industriellen Ballungsgebieten anderer Bundesländer (z.B. in Hessen) sank die SO2-Konzentration um bis zu 40 Prozent.

Weniger NO2 - aber nicht weniger Feinstaub

Beim Feinstaub PM10 (Partikelgröße 10 Mikrometer) und beim bodennahen Ozon haben sich die Messwerte hingegen kaum verändert. Laut TLUBN lagen die Abweichungen der Schadstoffkonzentrationen im Mittel um jeweils zwei Prozent niedriger als im Vergleichszeitraum 2019 (17.03 - 26.04. 2019). Das überrascht zunächst, denn mit den gesunkenen NO2-Werten sollte eigentlich auch die Feinstaubkonzentration sinken. Feinstaub hat seine Ursachen allerdings nicht nur im Straßenverkehr, sondern zum Beispiel auch bei der privaten Nutzung von Holzöfen oder in der Landwirtschaft. Gerade im Frühjahr entsteht er beim Düngen von Feldern. Daher sind die Feinstaubwerte mancherorts erhöht, obwohl die N02-Konztration gesunken ist. Zudem kann Feinstaub auch natürlichen Ursprungs sein - beispielsweise Saharastaub oder als Folge von Bodenerosion, Wald- und Buschfeuern.

Auch beim Ozon tat sich wenig

Ähnlich verhält es sich beim bodennahen Ozon. Es wird nicht direkt freigesetzt, sondern bei intensiver Sonneneinstrahlung durch photochemische Prozesse aus anderen Stoffen − überwiegend Stickstoffoxiden und flüchtigen organischen Verbindungen − gebildet. Die ohnehin schon niedrige SO2-Konzentration an den Thüringer Messstationen führt deswegen nicht zu erhöhten Ozon-Werten. Bodennahes Ozon ist im Gegensatz zum Ozon in der höheren Atmosphäre gesundheitsschädlich. Es kann Augen- und Atemwegsreizungen verursachen.

Bundesamt: Bessere Luftqualität nicht von Dauer

Nach Einschätzung des Umweltbundesamtes ist davon auszugehen, dass der Straßenverkehr in einigen Wochen wieder auf das übliche Maß oder sogar darüber ansteigen wird - mit entsprechend steigenden Luftschadstoff-Konzentrationen. Das belegen auch die Messwerte der Thüringer Stationen, die bereits seit Anfang Mai wieder einen leichten Aufwärtstrend aufweisen. Auf das Gesamtjahr bezogen sind deshalb keine nennenswerten Verbesserungen zu erwarten. Es sei denn, die geringeren Emissionen würden das ganze Jahr über anhalten.

CO2-Gehalt in Atmosphäre steigt - trotz Corona-Lockdown

Der Stillstand von Handel, Industrie und Verkehr sorgt beim Treibhausgas Kohlendioxid (CO2) nicht schlagartig für besseres Klima. Nach Angaben des Wissenschaftsverbandes Deutsches Klima-Konsortium (DKK) wurden im März und April neue Rekordwerte gemessen. An der Messstation des Umweltbundesamtes auf der Zugspitze stieg im März die CO2-Konzentation auf knapp 418 ppm (ppm - parts per million, das sind Teilchen pro Million Teilchen Luft). Auch der April-Wert liegt mit knapp 416 ppm über dem Vorjahreswert.

Lockdown-Effekt für Umwelt zu gering

Experten gehen davon aus, dass der weltweite CO2-Ausstoß durch die Verbrennung von Kohle, Öl und Gas in diesem Jahr um acht Prozent sinken könnte, weil Wirtschaft und Verkehr in der Corona-Krise stark zurückgefahren sind. Laut DKK ist der bisherige Ausstoß dieses Jahres aber immer noch so groß, dass der CO2-Gehalt der Atmosphäre auf die neuen Rekordwerte angestiegen ist. Die US-amerikanische Wetterbehörde NOAA habe als Durchschnittswert für April 416,21 ppm gemeldet und damit einen Anstieg von 2,88 ppm im Vergleich zu 2019. Dass der CO2-Gehalt der Atmosphäre weiter ansteige, liege an der sehr langen Verweildauer des Kohlendioxids in der Atmosphäre, heißt es. Ozeane und die Landregionen nähmen derzeit etwas mehr als die Hälfte des von der Menschheit ausgestoßenen CO2 auf, der Rest verweile für ungefähr ein Jahrhundert in der Luft.

Quelle: MDR THÜRINGEN/ask

Dieses Thema im Programm: MDR THÜRINGEN - Das Radio | Nachrichten | 31. Mai 2020 | 10:00 Uhr

5 Kommentare

weiersmueller vor 10 Wochen

Dass weniger Verkehr wie beispielsweise auch an Wochenenden (kein Berufsverkehr, keine Lastwagen) im langjährigen Mittel kaum Einfluss auf die Feinstaubbelastung hat, ist seit langem bekannt. Man google nach faz "der feine staub unter der lupe".

part vor 10 Wochen

Die Hauptverantwortilichen für die Luftverschmutzung weltweit sind längst bekannt. Keine Ferienflieger am Himmel, keine Schwerölverbrenner in den Hafenstädten und eine kleine geringe Verringerung militärischer Aktivitäten. Wer immer noch an den Sündenbock Autofahrer glaubt, der wähle weiter wie bisher und versuche keine Anstrengung zum Nachdenken. Mehr Frachtflugverkehr, weniger LKW- Verkehr, weniger Emissionen aus Wirtschaftsbetrieben und und und, ich würde mich mehr über differenziertere Betrachtungsweisen freuen. Und ich interessiere mich nicht nur für Thüringen, denn Schadstoffe kennen nur Windrichtungen aber keine Landesgrenzen...

nasowasaberauch vor 10 Wochen

CO2 global rauf, Feinstaub örtlich nicht weniger geworden und NOx nur schöngerechnete Minderung der Lebenserwartung. Hat sich an der Darstellung von Prof. Köhler, er hat noch keinen an NO2 Verstorbenen erlebt und an dem Ergebnis der Leopoldina (Feinstaub ist gefährlicher) etwas geändert? Stattdessen geht die Verteufelung des Diesel zu unrecht weiter. Saugt er doch den Feinstaub an und entsorgt ihn im Partikelfilter. Wer den Klimawandel anprangert sollte bei der CO2 Emission nicht das dünnste Brett Deutschland bohren. Der Anstieg kommt heute und auch zukünftig von den Schwellen- und Entwicklungsländern, egal wieviel und was hier zur Rettung veranstaltet wird.

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