Coronavirus in Thüringen Diese Lockerungen der Corona-Maßnahmen sind in Thüringen geplant

Thüringens Ministerpräsident Bodo Ramelow hat am Mittwoch in Abstimmung mit dem Bund und den anderen Ländern Lockerungen der Schutzmaßnahmen gegen das Coronavirus angekündigt. Diese sollen schrittweise erfolgen.

Thüringens Ministerpräsident Bodo Ramelow bei seiner Ansprache zum Thema Coronavirus (19.03.2020)
Ministerpräsident Bodo Ramelow hat erste Lockerungen der Corona-Beschränkungen in Thüringen in Aussicht gestellt. Bildrechte: MITTELDEUTSCHER RUNDFUNK

In Thüringen soll der Schulbetrieb am 27. April langsam wieder anlaufen. Das hat Ministerpräsident Bodo Ramelow (Linke) am Mittwoch in Erfurt angekündigt. Das ist eine der Lockerungen des Coronavirus-Maßnahmepakets, die insbesondere am 27. April und 4. Mai in Kraft treten sollen.

Eingeschränkter Schulbetrieb in Thüringen ab 27. April

Für den Schulbetrieb sei es zunächst das Ziel, ab dem 27. April den diesjährigen Abiturklassen Prüfungsvorbereitungen zu ermöglichen und bis zum 2. Juni einen regulären Prüfungsbetrieb noch im laufenden Schuljahr zu gewährleisten. Auch Schüler, die beispielsweise Prüfungen über die mittlere Reife oder andere besondere Leistungsnachweise ablegen müssen, sollen ab dem 4. Mai in einen Schulbetrieb eingegliedert werden. Die anderen Schularten wie etwa Grundschulen sollen bis Ende Mai/Anfang Juni schrittweise wieder mit dem Unterricht beginnen.

Die Wiederaufnahme eines eingeschränkten Schulbetriebes soll erfolgen, wenn für Schüler und Lehrer ein umfassender Schutz gewährleistet werden kann. Ein erhöhtes Riskio für eine Virusverbreitung soll vermieden werden. Für die nötigen Infektionsschutzmaßnahmen betonte Ramelow, dass auch "banale Fragen" wie ausreichende Austattung mit Seife eine Voraussetzung für den Schulbetrieb seien.

Händewaschen mit Seife
Ist an allen Schulen in Thüringen genug Seife zum Händewaschen vorhanden? (Symbolfoto) Bildrechte: IMAGO

Thüringer Kindergärten sollen im Mai öffnen

In ihrem Kabinettsbeschluss stellt die Landesregierung auch eine Öffnung der Kindergärten in Thüringen in Aussicht. Ein konkretes Datum und Vorgehen wird dabei nicht genannt, allerdings ist von Mai 2020 die Rede. Die Kindertagesbetreuung solle dann schrittweise geöffnet werden - unter Beachtung des Gesundheitsschutzes von Kindern, Eltern und Erziehern. Mütter und Väter sollen rechtzeitig über die weiteren Schritte informiert werden, hieß es.

Lehre und Forschung an Hochschulen

An den Thüringer Hochschulen sollen Lehre und Forschung im Sommersemester (1. April bis 30. September) stattfinden. Dies erfordere von allen Beteiligten ein "hohes Maß an Flexibilität, Entgegenkommen und außergewöhnliche Anstrengungen", heißt es im Beschluss des Kabinetts. Die Regierung sei jedoch überzeugt, dass sie gemeistert würden. Detaillierte Bestimmungen oder Auflagen für das Studium an Universitäten und Hochschulen wurden dabei zunächst nicht veröffentlicht.

Einzelhandel: Kleinere Geschäfte sollen öffnen dürfen

Ebenfalls ab dem 27. April sollen kleinere Einzelhandelsläden wieder öfffnen dürfen. Voraussetzung dafür sei, dass die Läden nicht größer als 800 Quadratmeter Verkaufsraum haben und Personal und Kunden ausreichend geschützt würden, um Infektionswege so zu unterbinden. Es gelte unter anderem eine Personenbegrenzung. Pro 20 Quadratmeter Ladenfläche solle sich eine Person im Geschäft aufhalten dürfen.

Friseure dürfen ab 4. Mai öffnen

Unter Schutzmaßnahmen für Kunden und Mitarbeiter sollen ab dem 4. Mai auch Friseurbesuche wieder möglich sein. Kunden und insbesondere die Friseure müssten aber Schutzmasken tragen.

Eine Friseurin mit Mundschutz schneidet einem Kunden die Haare.
Friseurläden in Thüringen sollen wieder öffnen. Bildrechte: dpa

Museums- und Zoobesuche voraussichtlich ab Mai

Ab Ende Mai sollen die Weichen dafür gestellt werden, dass Zoos, Botanische Gärten, Archive und Museen wieder öffnen können. Ramelow betonte auch hier als Voraussetzung: Schutzmaßnahmen und Abstand.

Gespräche über Gottesdienste

Ob und in welcher Form Gottesdienste wieder möglich sind wird laut Ramelow Gespräche mit Kirchen und Religionsgemeinschaften geführt werden. Auch dafür habe der Infektionsschutz oberste Priorität, sagte Ramelow.

Möglichkeiten der Ausübung von Meinungsfreiheit schaffen

Auf der Grundlage eines Kabinettsbeschlusses von Dienstag wolle die Thüringer Landesregierung Voraussetzungen für die Ausübung der Meinungsfreitheit schaffen und "zu gegebener Zeit" das Demonstrationsrecht wieder ermöglichen.

Corona-Schutzmasken in der Öffentlichkeit

Ramelow sagte, dass ein Eindringen in eine Art Alltag möglich sei, "wenn wir daran denken, dass ein Virus da ist, dem wir aus dem Weg gehen sollen". Im Konsens mit allen Ministerpräsidenten sprach er darüber hinaus die dringliche Bitte aus, in der Öffentlichkeit Schutzmasken zu tragen, auch wenn diese selbst genäht seien. Dies betreffe insbesondere beim Einkaufen und der Nutzung des ÖPNV. Mit dem "Spukschutz" sollten vor allem andere Personen vor Infektionen geschützt werden. Verpflichtend sind diese Schutzmasken aber nicht. Es sei die "höchste Form der Höflichkeit", sich gegenseitig nicht zu umarmen, und Gesicht und Nase bedeckt zu halten. Die Menschen im Land müssten sich bewusst sein, dass - solange kein Medikament gegen die Covid-19-Krankheit und kein Impfstoff gegen das Coronavirus verfügbar ist - eine Rückkehr zu einer Normalität wie vor Corona nicht zu erwarten sei.

Damit das Virus nicht uns beherrscht, müssen wir alles tun, die Pandemie zu beherrschen. [...] Meine ganz persönliche Bitte: Bleiben Sie behütet, bleiben Sie gesund!

Bodo Ramelow Thüringer Ministerpräsident

Deutschlandweit keine Großveranstaltungen bis 31. August

Bodo Ramelow schloss mit der Ankündigung einer bundesweiten Verfügung, wonach in ganz Deutschland bis zum 31. August 2020 keine Großveranstaltungen stattfinden werden. So bedauerlich ein Ausfall von Festivals wie beispielsweise des "SonneMondSterne" in Thüringen auch sei, man könne sich derzeit nicht vorstellen, wie Tausende Menschen gemeinsam feierten.

Weitere Informationen zum Coronavirus in Thüringen:

Quelle: MDR THÜRINGEN/ls

Dieses Thema im Programm: MDR THÜRINGEN - Das Radio | Nachrichten | 15. April 2020 | 20:00 Uhr

29 Kommentare

HansiT vor 27 Wochen

kleiner Nachtrag:
Heute ist die Infektionsrate plötzlich auf 0,7 gesunken, gestern war diese noch 1,2. So laut RKI. Allein daran sieht man was man mit Zahlen machen kann. Diese Rate ist seit Ostersamstag schon unter 0,9. Durfte aber Vorgestern nicht sein,

HansiT vor 27 Wochen

Warum beleidigen Sie anders denkende?
Ob das Sprüche sind wird sich mit Sicherheit noch rausstellen.
Schauen Sie z.Bsp. nur Hr. Wieler vom RKI, ich höre, wenn schon Sprüche, diese von Ihm.

Schwabed vor 27 Wochen

Wieso geht Thüringen bei der Öffnung der Läden wieder einen Sonderweg ? Alle Länder, ausser Bayern, öffnen Ihre Läden ab 20.04.20. Thüringen mit einer sehr geringen Infektionsrate erst ab 27.04.20. Muß Rot-Rot-Grün sich extra profilieren und Ramelow zeigen, wie stark Thüringen ist ?

Mehr aus Thüringen