Corona-Beschränkungen in Thüringen Was ist erlaubt? Was bleibt verboten?

Von Abiball bis Zoobesuch: Ab Mitte Mai entscheiden die Länder wieder selbst, was in der Corona-Krise erlaubt und was verboten ist. Ab 13. Mai gelten zahlreiche Lockerungen. Hier gibt's einen Überblick für Thüringen.

Ein Mann sitzt auf dem Weg zur Arbeit in einer Straßenbahn und trägt einen Mundschutz.
Der "neue" Alltag... Bildrechte: dpa

Maskenpflicht und Abstandsregeln bleiben thüringenweit bestehen. Überregionale und landeseinheitliche Dinge regelt der Freistaat per Corona-Verordnung. Doch nun bekommen die Kreise und kreisfreien Städte mehr Entscheidungsspielraum. Die ab dem 13. Mai gültige Verordnung gilt bis zunächst zum 5. Juni. Sie sieht weitere Lockerungen der bisherigen Corona-Schutzmaßnahmen vor. Allerdings droht nach der neuen Verordnung ein Bußgeld von 50 Euro, wenn ohne medizinischen Grund an Orten, wo eine Schutzmaske vorgeschrieben ist, auf eine solche verzichtet wird.

Ausgehen

leerer Biergarten
Die Biergärten sollen sich nun wieder langsam füllen dürfen. Bildrechte: MDR/imago images/Future Image

Gastronomie, Hotels, Beherbergungen und andere touristische Angebote in Thüringen dürfen ab dem 15. Mai wieder Gäste empfangen. Voraussetzung für den Neustart sind aber Hygienekonzepte. So müssen zum Beispiel die Tische mit einem Abstand von 1,50 Meter aufgestellt werden - dann wird auch die Anzahl der Tische nicht begrenzt. Ob Alkohol ausgeschenkt werden kann, entscheiden die Kreise und kreisfreien Städte selbst.

Einkaufen

Seit dem 4. Mai dürfen in Thüringen Geschäfte mit mehr als 800 Quadratmetern Verkaufsfläche öffnen. Damit dürfen auch wieder größere Einkaufscenter und Möbelhäuser öffnen. Es gelten weiterhin - zunächst bis 5. Juni - die Regeln zum Mund-Nasen-Schutz sowie eine Obergrenze für die Zahl der Kunden und Verkäufer, die sich nach der Verkaufsfläche richtet. Wer keinen Mund-Nasen-Schutz trägt muss mittlerweile mit einem Bußgeld von 50 Euro rechnen.

Ein Supermarkt auf dessen Boden mit roten Klebeband Abstandsmarkierungen geklebt sind
Viele Märkte markieren die Abstände. Bildrechte: MDR /Karina Heßland

Familie/Freunde/Besuche

In einem Altenpflegeheim unterhält sich eine Heimbewohnerin mit Sachsens Gesundheitsministerin Petra Köpping in einer Besuchsbox
Eine Bezugsperson soll künftig z.B. Mutter oder Vater im Pflegeheim besuchen dürfen. Bildrechte: dpa

Ab dem 13. Mai dürfen sich die Mitglieder von zwei Haushalten in Wohnungen oder im Freien treffen - also etwa befreundete Paare oder Familien. Die Personenzahl ist nicht mehr begrenzt. Aber: Das Abstandsgebot von eineinhalb Metern gilt weiter. Eine "Bezugsperson" kann künftig Besuche in Krankenhäusern, Pflegeheimen, Senioren- und Behinderteneinrichtungen abstatten. Die ganze Familie darf vorerst nicht zu Besuch kommen.

In den Thüringer Gefängnissen sollen ab spätestens Ende Mai wieder Besuche möglich sein.

Die Landkreise und kreisfreien Städte entscheiden über kleinere öffentliche oder private Veranstaltungen oder Feiern sowie Veranstaltungen "ohne Festcharakter".

Freizeit/Kultur

Viele Veranstaltungen wurden abgesagt. Theater- und Orchesteraufführungen sind bis 31. August im Innenbereich abgesagt. Allerdings sind bis Ende August Veranstaltungen mit bis zu 1.000 Menschen wieder möglich. Ab dem 1. Juni öffnen Fitnessstudios, Schwimmbäder unter freiem Himmel und Badeseen sowie Vereins-, Sport- und Freizeiteinrichtungen und -angebote in geschlossenen Räumen.

Geschlossen bleiben mindestens bis zum 5. Juni Bereiche, in denen die Hygieneregeln besonders schwer einzuhalten sind oder die Kontaktverfolgung schwierig ist. Bis zum 15. Juni gilt dies insbesondere für Hallenbäder, Saunen, Thermen, Kinos, Diskotheken und Bordelle.

Die Corona-Pandemie hat zu einem Autokino-Boom in Thüringen geführt. Auch in Apolda im Weimarer Land wird es ab 14. Mai ein Autokino auf dem ehemaligen Landesgartenschaugelände in der Herressener Promenade geben.

Ein Mensch vor einem Spuckschutz an einer Ausleihtheke
Bibliotheken leihen wieder aus Bildrechte: MITTELDEUTSCHER RUNDFUNK

Gesundheit/Schönheit

Seit dem 4. Mai dürfen Friseure in Thüringen wieder öffnen. Auch Fußpflege, Kosmetik- und Nagelstudios können Kunden behandeln und pflegen. Kreise und kreisfreie Städte entscheiden selbst über die Öffnung von "körpernahen Dienstleistungen" wie Tattoo-Studios.

Friseur bei der arbeit
Friseurbesuche sind derzeit nur mit Maske erlaubt. Bildrechte: MDR/ Holger John Viadata

Hilfen

In einer Halle des Berliner Großmarkts packen ehrenamtliche Helfer der Berliner Tafel mit Atemschutzmasken Lebensmittel ein
Die Tafeln verteilen wieder Essen. Bildrechte: imago images/snapshot

Die Kreise und kreisfreien Städte entscheiden, wie es mit Einrichtungen der Jugendhilfe, Angebote für Familien und Senioren, Verbandsarbeit etc. weitergeht. Die Tafeln in Sömmerda und Buttstädt sind beispielsweise am 7. Mai erstmals wieder geöffnet. Die Kunden werden in Schichten eingeteilt, um die vorgeschriebenen Abstandsregeln einhalten zu können. Die Möbelkiste und die Kleiderkammer der Tafel sind seit dem 11. Mai geöffnet.

Kindergarten/Schule

Seit dem 27. April gehen die Abiturienten wieder in die Schule. Die Prüfungsklassen haben am 4. Mai mit dem Unterricht begonnen. Für Schüler mit "besonderem Unterstüzungsbedarf" ging es am 7. Mai wieder los. Seit 11. Mai wird der "Präsenzunterricht gestaffelt erweitert". Hier entscheidet jede Schule selbst, wie es weitergeht.
Dabei beachten die Schulen laut Bildungsministerium folgende Jahrgänge vorrangig:

  • 4. Klasse (um den Wechsel an weiterführende Schule vorzubereiten)
  • 3. Klasse (um die Entscheidung über weiteren Schulweg vorzubereiten)
  • 11. Klasse (um Qualifikationsphase für Allgemeine Hochschulreife abzusichern)
  • 9. Klasse, soweit nicht schon am 4. Mai 2020 begonnen (zur Vorbereitung der Versetzungsentscheidung)
  • spätestens ab 2. Juni sollen alle Thüringer Schüler wieder in die Schule gehen.


Größere Schuleinweihungsfeiern soll es in diesem Jahr nicht geben. Das Bildungsministerium bittet die Leiter der Grundschulen darum, die Zuckertüten in einer kleinen Feierstunde zu übergeben. Trotz Abstandsregel und Begrenzung der Personenzahl soll ein würdiger Rahmen geschaffen werden.

Kindergärten dürfen ab dem 18. Mai in den "eingeschränkten Regelbetrieb" übergehen. Wann im Einzelnen alle Kinder unter Einschränkungen zurück in die Kindergärten dürfen, müssen kreisfreie Städte, die Landkreise und Träger selbst entscheiden.

Mit dem "eingeschränkten Regelbetrieb" endet an den einzelnen Kindergärten die Notbetreuung, die für Kinder von Eltern mit systemrelevanten Berufen vorgesehen war. Wahrscheinlich ist ein Wechselmodell, bei dem alle Kinder gleichberechtigt an verschiedenen Tagen abwechselnd betreut werden. Spätestens zum 15. Juni soll an allen Einrichtungen in Thüringen der "eingeschränkte Regelbetrieb" gelten.

Die Gruppengröße ist dabei nicht wie zuletzt starr auf zehn Kinder begrenzt, sondern nach Raumgröße gestaffelt. Bei den Ein- bis Dreijährigen gilt der Grundsatz sechs Quadratmeter pro Kind, bei den Vier- bis Sechsjährigen vier Quadratmeter pro Kind.

Schule mit Sicherheitsabstand Corona
Schule mit Sicherheitsabstand Corona Bildrechte: imago images/ Pressedienst Nord / Björn Hake

ÖPNV

Ein Mann sitzt auf dem Weg zur Arbeit in einer Straßenbahn und trägt einen Mundschutz.
Ein Mann sitzt auf dem Weg zur Arbeit in einer Straßenbahn und trägt einen Mundschutz. Bildrechte: dpa

Die Maskenpflicht in Bussen, Bahnen und Straßenbahnen bleibt bestehen. Seit einiger Zeit werden zum Beispiel in Erfurt wieder Fahrscheine kontrolliert. In den Bussen der Personenverkehrsgesellschaft Weimarer Land kann ab sofort wieder beim Fahrer bezahlt werden. Auch der Einstieg ist wieder vorn möglich. Busse und Bahnen in Thüringen fahren seit 11. Mai wieder nach normalem Fahrplan.

Sport/Verein

Mann mit Hantel im Fitnessstudio.
Ab 1. Juni dürfen Fitnessstudios wieder öffnen. Bildrechte: imago/Panthermedia

Reiten, Rudern und andere Sportarten mit viel Abstand waren bereits schon länger möglich.

Ab 13. Mai darf wieder organisierter Vereinssport stattfinden. Das betrifft den Trainings- und Sportbetrieb im Breiten-, Gesundheits-, Reha- sowie Leistungssport einschließlich der Spezialschulen. Der Trainingsbetrieb bei Kampf- und Mannschaftssportarten muss kontaktfrei erfolgen. Wettkämpfe und Veranstaltungen mit Zuschauern/Publikum sind nicht gestattet.

Ab dem 1. Juni öffnen Fitnessstudios, Schwimmbäder unter freiem Himmel und Badeseen sowie Vereins-, Sport- und Freizeiteinrichtungen und -angebote in geschlossenen Räumen. Verboten bleibt weiterhin der professionelle Mannschaftssport.

Hallenbäder bleiben bis mindestens zum 5. Juni geschlossen.

Urlaub

Die Thüringer können Mitte Mai einen Wochenendausflug im Hotel buchen. Touristische Betriebe (Campingplätze sowie Ferienwohnungen, Ferienhäuser und Hotels) können ab 15. Mai wieder öffnen - mit voller Zimmerkapazität.

Schmalkalden vergibt ab sofort ein eigenes Hygienesiegel an die Betreiber von Pensionen und Ferienwohnungen. Wie Bürgermeister Thomas Kaminski sagte, müssen sich die Betriebe dazu verpflichten, hohe Hygienestandards einzuhalten.

Sanierte Fachwerkhäuser prägen das Bild der historischen Altstadt von Schmalkalden.
Schmalkalden vergibt ein Hygienesiegel. Bildrechte: dpa

Weiterbildung

Die Kreise und kreisfreien Städte entscheiden nun selbst über bislang von Öffnungen nicht umfasste Bildungseinrichtungen und Beratungsstellen. Musikschulen und Jugendkunstschulen dürfen wieder Unterricht geben, ebenso Fahrschulen im theoretischen Bereich und praktisch für angehende Motorradfahrer. Vorausgesetzt wird jeweils, dass sich die Beteiligten an die Hygienevorschriften halten.

Versammlung und Demonstrationen

Die ab dem 13. Mai gültige Verordnung erlaubt in Thüringen Versammlungen nach dem Demonstrationsrecht ohne eine Beschränkung der Teilnehmerzahl. Bislang durfte eine Anzahl von 50 Personen nicht überschritten werden. Ebenso erlaubt sind religiöse Zusammenkünfte wie Gottesdienste, Eheschließungen oder Trauerfeiern ohne Personengrenze. Einzuhalten sind die gängigen Maßnahmen zum Infektionsschutz wie Sicherheitsabstand und Mund-Nasenschutz.

Diese Versammlungsfreiheit gilt ausdrücklich nicht für Veranstaltungen wie Konzerte, Dorffeste oder Sportveranstaltungen. Solche bleiben bis zum 31. August verboten.

Bürgertelefon der Thüringer Staatskanzlei

Wer Fragen zur den öffentlichen Einschränkungen hat, kann sich an die Bürgerhotline der Thüringer Staatskanzlei wenden. Sie ist erreichbar unter der Telefonnummer 0361/ 75 049 049, Montag/Dienstag von 8 bis 14 Uhr, Dienstag von 14 bis 20 Uhr sowie Donnerstag/Freitag von 8 bis 14 Uhr.

Die neue Verordnung im www

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Quelle: MDR THÜRINGEN/gh/uka

Dieses Thema im Programm: MDR FERNSEHEN | MDR THÜRINGEN JOURNAL | 06. Mai 2020 | 19:00 Uhr

6 Kommentare

CrizzleMyNizzle vor 4 Wochen

Bei all den Kontra-Maske-Rufen gibt einem schon zu Bedenken dass wir viele Bürger im Land haben die scheinbar 24/7 am Shoppen sind, so wichtig wie das Thema erscheint.
(Ist so richtig schlimm die wenigen Minuten bis Stunden in der Woche beim Einkaufen in klimatisierten Räumen die Maske zu tragen).

CrizzleMyNizzle vor 4 Wochen

"Da ja auch Menschen die keine sichtbare Infektion haben trotzdem ansteckend sein können ,da hilft auch der Mundschutz nichts."
Einem selbst hilft der Mundschutz recht wenig, aber er hilft die Verbreitung zu veringern! Weniger Tröpfchen, Komfortferlust und schnellere Erledigung der Wege und idR achtet der Träger mehr auf sich selbst.
Die Summe der Maßnahmen ist das was zählt.

"Einfach nur Krank ,da hilft auch kein Feiern der Helden ,denn diese sind am Ende ihrer Kräfte und dürfen durch das nette Aufweichen des 8 Stundentages jetzt 12 h gehen und zur Erholung reichen 9 h ."
eben um diese Menschen sollte es uns auch gehen, gerade die Grundrechteschreier sollten mal stark darüber nachdenken was es heißt wenn der Virus sich richtig austoben kann.
Es gibt unzählige Selbstinterviews aus den verschiedenen Ländern wo Pfleger sich zum Virus äußern, aber auch wie in den USA anprangern dass es Unbelehrbare gibt.

Grosser Klaus vor 4 Wochen

Es wäre sehr hilfreich, wenn die Stadt Jena zeitnah einen umfassenden Lagebericht zu den Ereignissen, Entscheidungen und Fakten der letzten Monate veröffentlichten würde. Also nicht nur Zahlen und Verordnungen, sondern mal eine gründliche Aufarbeitung, was, wann zu welchen Entscheidungen geführt hat. Etwas wo man auch nachvollziehen kann, warum es ist wie es ist. Ähnlich wie das RKI ja auch regelmäßig einen recht ausführlichen Situationsbericht herausgibt.

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