Bildung | Freizeit Schrittweise Richtung Alltag: Eine Woche nach den Corona-Lockerungen in Thüringen

Vor einer Woche wurden in Thüringen die Corona-Schutzmaßnahmen weiter gelockert. Sauna-Betreiber freuen sich über Gäste, Kinos stehen vor der Wiedereröffnung. Die Landesregierung erkennt ein besonnenes Verhalten der Menschen, auch wenn in Schulen und Kitas manches noch nicht rund läuft.

Eine grellgrüne Nasen-Mundschutzmaske ist einer Schaufensterpuppe umgebunden
Die Schutzmasken erinnern daran, dass die Corona-Pandemie noch nicht überstanden ist. Doch das gewohnte Leben kehrt in vielen Bereichen immer mehr zurück. Bildrechte: dpa

Grillen mit den Nachbarn, im Biergarten mit Freunden plaudern, Geburtstage feiern - seit einer Woche ist all dies in Thüringen wieder erlaubt. Zwar wird weiterhin empfohlen, die physisch-sozialen Kontakte möglichst gering zu halten, doch rechtlich verbindliche Kontaktbeschränkungen gibt es nicht mehr.

Auch Freizeitsport ist seit einer Woche wieder eingeschränkt möglich. Patienten in Krankenhäusern und Bewohner von Seniorenheimen empfangen wieder Besucher, die Campingplätze im Freistaat füllen sich. Und auch wenn Stadtfeste und Festivals weiterhin untersagt sind und die Veranstaltungsbranche eine Pleitewelle auf sich zurollen sieht, können zumindest kleinere Konzert-, Film- und Theater-Aufführungen - mit entsprechenden Schutzkonzepten - wieder geplant werden.

Schrittweise in den Alltag zurückkehren

"Unser Eindruck ist, dass der Wechsel vom Krisen- in den Regelmodus funktioniert", sagt Silke Fließ, Sprecherin des Thüringer Gesundheitsministeriums, eine Woche nach der Lockerung der Corona-Maßnahmen. Zwar sei es für eine verlässliche Einschätzung zu früh, "aber wir haben nicht das Gefühl, dass sich die Bürger weniger besonnen verhalten, nur weil nun wieder mehr erlaubt ist". Schließlich gehe es für alle darum, in der Corona-Pandemie "schrittweise wieder Normalität herzustellen".

Infektionsketten in Schulen und Kitas unterbinden

Auch in Thüringer Kindergärten und Grundschulen läuft seit Wochenbeginn der eingeschränkte Regelbetrieb: In festen Gruppen soll gelernt und gespielt werden. Die Einrichtungen würden das neue Vorgehen "mit großem Engagement und hoher Flexibilität" umsetzen, heißt es aus dem Bildungsministerium.

"In wenigen Einzelfällen ist es aber auch erwartungsgemäß zu Organisationsproblemen gekommen", sagt Ministeriumssprecher Felix Knothe. Zusätzlich zu Hygiene- und Schutzmaßnahmen würden insbesondere kleinere Schulen und Kindergärten vor besonderen Herausforderungen stehen, wenn pädagogisches Personal ausfällt. "Der Schritt der Lockerungen war nichtsdestotrotz im Interesse der Kinder und Familien wichtig", sagt Knothe. Das Pandemiegeschehen werde weiterhin streng im Blick behalten, um bei Bedarf regional zu reagieren. Bisher seien Infektionsketten an Schulen erfolgreich unterbrochen worden.

Was freiwillige Corona-Tests von Lehrern und Erziehern betrifft, suche Thüringen derzeit zusammen mit der Kassenärztlichen Vereinigung nach einer Lösung, sagt Knothe. Die Eckpunkte der Testverfahren sollen jedoch zeitnah feststehen. Noch vor Schuljahresende soll ein Verfahren für freiwillige Tests starten.

Eine Lehrerin steht vor ihrer Klasse
Wichtiger als der Abstand sind in Grundschulen inzwischen feste Gruppen - um mögliche Infektionsketten schnell zu unterbrechen. Bildrechte: MDR/Isabelle Fleck

Gemeinsam in der Sauna schwitzen

Bereits etwas mehr im Alltag angekommen sind seit vergangenem Samstag die Betreiber von Schwimmbädern, Thermen und Saunen. "Unsere Gäste haben die Hygienebestimmungen akzeptiert und verhalten sich sehr diszipliniert", sagt etwa Lutz Kühnlenz, der mit seiner Frau Susanne das Peltobad in Sohnstedt im Weimarer Land betreibt.

Die wenigen Einschränkungen - das Dampfbad bleibt geschlossen, bei Aufgüssen wird nicht gewedelt - würden mit viel Verständnis akzeptiert. Und dass die Zahl der Personen für die einzelnen Saunen begrenzt sei, führe zu keinen Problemen. "Wenn man sieht, dass schon einige Badesandalen vor einem Sauna-Häuschen stehen, wartet man eben ein paar Minuten oder geht einfach in eine freie Sauna", sagt Kühnlenz. "Viele Gäste haben gesagt, sie seien nach der dreimonatigen Pause ganz untersauniert. Wir sind froh, dass wir ihnen wieder einheizen dürfen."

Kinos bereiten Wiedereröffnung vor

Auch wenn Kinos laut aktueller Verordnung wieder öffnen dürfen, brauchen viele Betreiber noch eine Weile, um ihre Hygienekonzepte entsprechend anzupassen. Denn auch hier gilt: So wie vor der Corona-Pandemie geht es vorerst nicht weiter.

Die Cineplex-Kinos in Eisenach und Gotha planen ihren Neustart für Anfang/Mitte Juli. Die Standorte in Saalfeld und Rudolstadt wollen pünktlich zum 1. Juli Filmfreunde begrüßen. Und in den Cinestar-Kinos in Jena und Weimar sollen ab dem 9. Juli wieder Dramen, Komödien und Actionfilme gezeigt werden - am Erfurter Standort ab dem 2. Juli.

"Für unsere Standorte gilt ein Hygienekonzept, das bereits in Lübeck, Konstanz und Karlsruhe getestet wurde", sagt Cinestar-Geschäftsführer Oliver Fock. Kinobesucher werden gebeten, ihre Tickets online zu kaufen, um Wartezeiten zu vermeiden. Die Platzvergabe wird mit Blick auf das Abstandsgebot angepasst. Und die Vorstellungen starten zeitlich versetzt, damit sich im Foyer nicht zu viele Menschen gleichzeitig begegnen. Ähnlich wie in Restaurants ist vom Eingang bis zum Platz ein Mundschutz zu tragen.

Verordnung gilt bis zum 15. Juli

Die aktuelle Thüringer Corona-Verordnung gilt bis zum 15. Juli. Dann will die Landesregierung über das weitere Vorgehen entscheiden - welche Maßnahmen bestehen bleiben, ob weitere Lockerungen möglich sind und wo möglicherweise nachgebessert werden muss.

Die Zahl der Corona-Infektionen in Thüringen ist in den vergangenen Tagen weiter zurückgegangen. Samstagnachmittag waren 238 Menschen mit dem Virus infiziert, seit Ausbruch der Pandemie wurden im Freistaat 3.226 Fälle gemeldet, 182 mit dem Virus infizierte Personen sind verstorben. Die meisten aktiven Infektionen gibt es weiterhin in den Kreisen Greiz und Sonneberg. Allerdings lassen die aktuellen Zahlen aufgrund der Inkubationszeit von bis zu 14 Tagen noch keine Rückschlüsse auf die Folgen der aktuellen Lockerungen zu.

Quelle: MDR THÜRINGEN

Dieses Thema im Programm: MDR THÜRINGEN | MDR THÜRINGEN JOURNAL | 20. Juni 2020 | 19:00 Uhr

3 Kommentare

Critica vor 18 Wochen

Gut so. Nun müssen wir nur noch etwas für die schönen Geschäfte tun...
Lätzchen weg. Denn die stören beim Bummeln. Und im Übrigen, was machen wir damit, wenn uns nächste Woche der Sommer einheizt?

lobo56 vor 18 Wochen

Da geht's raus in die Natur und nicht bummeln.........!

Nawienn vor 18 Wochen

Dann eben öfters waschen und
sterilisieren, was sonst,wo soll das Problem sein ???
Schönen Abend noch...

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