Coronavirus in Thüringen Motorradfahren in Corona-Zeiten

Eigentlich lädt das Wetter vielerorts dazu ein, die über den Winter abgestellten Zweiräder wieder auf die Straße zu bringen. Doch das Coronavirus betrifft auch die Freizeitfahrer von Motorrädern. Thomas Becker hat mit Achim Marten vom Industrieverband Motorrad gesprochen.

Motorradtour
Freizeitfahrten auf Motorrädern sind in Bayern aktuell verboten. Bildrechte: imago images / Bildwerk

Die Motorradsaison beginnt und das Wetter lockt, zumindest im Moment. Unterm Helm kann man auch niemanden anstecken, der Ausflug ins Grüne, vielleicht mit der Ehefrau, was sollte da dagegen sprechen? Zunächst ist es von Bundesland zu Bundesland verschieden. Die Bayern sind besonders streng:

Man darf mit dem Motorrad zur Arbeit und zum Einkaufen fahren. Motorradfahrten als reiner Zeitvertreib sind derzeit nicht erlaubt.

Polizei Bayern Twitter am 25.3.20.

Soweit die Regelung in Bayern. In Thüringen ist die Allgemeinverfügung am 26. März etwas entschärft worden. Vorher galt noch, dass man einen wichtigen Grund brauchte, um aus dem Haus zu gehen beziehungsweise zu fahren. Dieser Passus ist nun gestrichen. Jetzt gilt nur noch folgendes:

Der Aufenthalt im öffentlichen Raum ist nur allein, mit einer weiteren nicht im Haushalt lebenden Person oder im Kreise der Angehörigen des eigenen Haushalts gestattet.

Thüringer SARS-CoV-2-Eindämmungsmaßnahmenverordnung 26. März 2020

Die Abstandsregeln gelten natürlich weiterhin und das Wesentliche ist auch gleich geblieben. Dass es immer wieder Korrekturen gibt, ist zwar verwirrend, das kann man aber insofern positiv sehen, dass auf aktuelle Erkenntnisse reagiert wird beziehungsweise bei den Regelungen nachgeschärft wird. Das aber immer unter der Vorgabe, dass die Verringerung der Ansteckungsgefahr nicht gefährdet ist und Kontakte möglichst unterbleiben.

Bei Fahrten mit dem Motorrad gibt es aber noch einen zweiten Aspekt, auf den der Bayerische Innenminister Joachim Herrmann deutlich hingewiesen hat. Demnach sind nämlich in Bayern sogar Ausflüge in die Berge - auch mit dem Motorrad - nicht erlaubt. Aber nicht etwa, weil dort das Virus tobt, sondern wegen der Verletzungsgefahr. Alle Kapazitäten des medizinischen Systems sollten frei gehalten und dazu gehöre auch die Bergwacht, so Herrmann. Das medizinische System solle nicht durch verunglückte Bergwanderer, Kletterer oder Motorradfahrer zusätzlich belastet werden.

Ein Motorrad liegt nach einem Unfall in einer Leitplanke
Unfallverletzte durch Freizeitfahrten könnten das Gesundheitssystem zusätzlich belasten (Symbolbild). Bildrechte: MDR/Roland Halkasch

Auch wenn Motorradfahren "zum Spaß" nicht überall verboten ist, appelliert deshalb auch der Verband der Industrie-Verband Motorrad Deutschland e.V. an die Vernunft. Zwar hat er gemeinsam mit dem Bundesverband Zukunft Fahrrad (BVZF) und dem Verband der Automobilindustrie (VDA) die Bedeutung des Individualverkehrs für den Weg zur Arbeit unterstrichen, Begründung: Das schützt besser vor einer Corona-Ansteckung als die Fahrt im vollen Bus. Ob aber Motorradausfahrten, selbst wenn sie alleine stattfinden, sinnvoll sind (was ohnehin nur begrenzt Spaß macht), das müsse jeder mit sich ausmachen.

Also ich möchte als verletzter Motorradfahrer im Moment nicht ins Krankenhaus eingeliefert werden, ich könnte mir die Sprüche der Ärzte und Pfleger sehr gut vorstellen.

Achim Marten IVM-Pressesprecher

Weitere Informationen zum Coronavirus in Thüringen:

Quelle: MDR THÜRINGEN/ls

Dieses Thema im Programm: MDR THÜRINGEN - Das Radio | Der Redakteur | 27. März 2020 | 13:30 Uhr

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