Serie bei MDR THÜRINGEN - Das Radio Corona und die Thüringer Musikszene: Zwischen Geldsorgen und Kreativität

Die Corona-Krise trifft Musiker besonders hart: Konzerte sind angesichts von Abstandsregeln und Kontaktbeschränkungen seit Mitte März quasi unmöglich. Bei MDR THÜRINGEN - Das Radio berichten Thüringer Künstler, wie sie damit umgehen.

Ute Freudenberg bei einem Auftritt
Auf Auftritte vor großem Publikum muss auch Ute Freudenberg momentan verzichten. Bildrechte: JürgensTV/Beckmann

Bands, Sängerinnen und Sänger können seit Mitte März 2020 so gut wie nicht mehr auftreten. Sie wurden von der Corona-Krise hart getroffen. Von heute auf morgen fiel für viele die wichtigste Einnahmequelle weg: Live-Auftritte. Und ein Ende ist noch nicht in Sicht. So wie es aussieht, wird die Konzertsaison 2020 bis auf wenige Ausnahmen komplett ausfallen.

MDR THÜRINGEN - Das Radio spricht abends mit Thüringer Musikern darüber, wie sie die Corona-Krise meistern. Montags bis donnerstags gegen 19:40 Uhr interviewen die Moderatoren Romy Anders, Christiane Weber, Nadine Witt, Frank Huber und Toby Bräuer live am Telefon die Betroffenen. Fast 50 Künstler ganz unterschiedlicher musikalischer Genres standen bisher Rede und Antwort.

Mit dabei waren bisher unter anderem:

  • Arndt Rödiger, der Vize Udo mit seinen "Panikkomplizen"
  • Maik Weichert, Gitarrist der Metal-Band "Heaven Shall Burn"
  • Ute Freudenberg, Schlagersängerin
  • Tim Liebert, in der Folkszene bekannt als "Doc Fritz"
  • Heiko Mauchel von der A-Cappella-Gruppe "Fracksausen"
  • Heiko Wiederhold von Floyd P. & The Swing Club mit dem "Hallo"-Buga-Song
  • Elisabeth Maria Wild, 14-jährige Geigerin
  • Petra Zieger, Rockröhre
  • Jörg Reddin, Kantor und Organist
  • Nico Wendel vom DJ-Duo "Gestört aber geil"
  • Bernhard Wundrak von der Nerly Big Band
  • Norman Bates mit seinem Doppel-Projekt "Maskenpflicht"/"Flatten the curve"
  • Steffen Schüssler von der Coverband "Rockpirat"
  • Christina Rommel, Pop-Sängerin
  • Matthias Ehspanner, Piano-Anwalt

Die meisten Musiker sind Freiberufler

In den Gesprächen hat sich gezeigt, dass die Auswirkungen für die Künstlerinnen und Künstler sehr unterschiedlich sind. Einige leben ausschließlich von ihren Auftritten. Sie haben seit Monaten praktisch keinerlei Einnahmen mehr. Andere veröffentlichen CDs oder streamen ihre Musik und bekommen so wenigstens etwas. Manche haben ein eigenes Studio, in dem sie zumindest eingeschränkt weiterarbeiten können oder geben online Instrumentalunterricht.

Die überwiegende Zahl der Musikerinnen und Musiker ist freiberuflich tätig, nur wenige sind angestellt, zum Beispiel bei einem Theater oder einer Kirche. Die Einnahmen aus der künstlerischen Tätigkeit reichen vielen auch in normalen Zeiten nicht, um ihr Leben zu finanzieren. Sie üben nebenbei andere Berufe aus, um über die Runden zu kommen.

Probleme mit dem Geld

Die verschiedenen Förderprogramme von Bund, Land oder auch Kommunen passen nicht immer für die Betroffenen. Einige haben bereits Geld bekommen. Manche befürchten, dass sie zumindest einen Teil wieder zurückzahlen müssen, weil sie keine entsprechenden Betriebskosten, sondern lediglich Lebenshaltungskosten nachweisen können. Viele warten noch immer auf Zahlungen.

Manche Künstler sind aber auch gerade jetzt besonders kreativ und streamen Wohnzimmerkonzerte, nehmen neue Songs auf oder treten mit großem Abstand vor kleinem Publikum oder gar über den Köpfen der Fans auf Hebebühnen auf.

Zur Sache:

Mit der Serie "Corona und die Thüringer Musikszene" bietet MDR THÜRINGEN den Musikschaffenden des Landes eine Möglichkeit, sich zu äußern. Wer Künstler ist und Interesse an einem Interview hat, erreicht den zuständigen Redakteur Werner Lengenfelder über dieses E-Mail-Formular.

Tim Bendzko rettet nicht nur die Welt (so ein Liedtext von ihm), er hat auch die nicht leichte Aufgabe als erster Solo-Künstler auf die Bühne zu gehen
Alle Jahre wieder kommt im Dezember nicht nur das Christkind oder der Weihnachtsmann, sondern auch die Night of the Proms - diese einzigartige Mischung aus Klassik und Pop-Musik. Gestern Abend traten in der Erfurter Messehalle Tim Bendzko, Milow, Bryan Ferry, John Miles und die Pointer Sisters mit dem Antwerp Philharmonic Orchestra unter der Leitung der Dirigentin Alexandra Arrieche und dem Chor Fine Fleur auf. Überraschungsgast war der Flötenspieler und Komiker Gabor Vosteen. Klassiksolist der diesjährigen Show ist der Gitarrist Petrit Ceku aus dem Kosovo Bildrechte: MDR/Werner G. Lengenfelder

Quelle: MDR THÜRINGEN

Dieses Thema im Programm: MDR THÜRINGEN - Das Radio | MDR THÜRINGEN am Abend | 02. Juni 2020 | 19:00 Uhr

4 Kommentare

Paule vor 16 Wochen

Jeder Hartz 4-Empfänger muss und braucht sich keine Gedanken um seine Existenz machen.
Freiberufliche Musiker und Künstler, sowie die gesamte Veranstaltungstechnik- und Eventbranche haben keine Einnahmen mehr und stehen vor dem Aus. Sie können keine Krankenkassen- und Sozialversicherungsbeiträge mehr bezahlen und haben auch keine Mittel für Lebenshaltungskosten. Hier muss es ein Lösung geben und die sollte "bedingungsloses Grundeinkommen" heißen!

MAENNLEiN-VON-DiESER-WELT vor 16 Wochen

Es gibt noch andere Darstellende Kunstformen außerhalb der Hauptamtlichen Kirchenmusik. Auch seit Jahre fest an Stadttheatern angestellte Chorsänger, die nebenbei noch „rummuggn“, dürfte die Thematik nicht sonderlich arg betreffen, wie... 🙄

Paule vor 16 Wochen

Über Balkonkonzerte, Videos bei Facebook etc. werden überhaupt keine Einnahmen generiert. Nur mit Live-Konzerte generieren die meisten Künstler über die Eintrittsgelder Einnahmen! Die Einnahmen aus dem Verkauf Fanartikeln wie CD´s oder DVD´s sind lächerlich und nicht der Rede wert. Die decken gerade so die Produktionskosten. Schon in normalen Zeiten ist es schwer als freiberuflicher Musiker seinen Lebensunterhalt zu bestreiten. Rücklagen konnten fast gar nicht aufgebaut werden, da man tausende von Euros in seine Arbeitsmaterialien (Instrumente, Beschallungs-Equipment, Licht- und Showeffekte, Transportfahrzeuge etc) investieren musste und ständig muss.
Die Einnahmen im normalen Tourbetrieb reichen gerade so, dass man übers Jahr kommt. Jetzt verdienen Musiker ein Jahr lang nichts, überhaupt nichts und Hilfsprogramme gibt es nicht wirklich. Die 5.000 Euro Soforthilfe ist nur für Betriebskosten, aber die haben Musiker nicht! ALG2 gibt es nur für alleinstehende Musiker.

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