Keine Proben, keine Konzerte Wegen Corona liegt das Thüringer Orchesterleben brach

Der Landesverband Thüringer Laienorchester drängt auf Hilfen und Unterstützung in der Corona-Pandemie. Den ehrenamtlichen Ensembles fehlt wegen der Konzertausfälle ein Großteil ihrer Einnahmen. Außerdem ist die ohnehin schon schwierige Nachwuchsarbeit durch die Corona-Einschränkungen zum Erliegen gekommen.

Querflötist im Orchester
Hunderte Orchestermusiker in Thüringen warten sehnsüchtig darauf, dass Konzerte und Proben wieder möglich sind. Bildrechte: colourbox

Thüringer Laienorchester mahnen für ihre weitere Arbeit "dringend" Unterstützung an. Der Präsident des Landesverbandes Eckhard Birckner sagte MDR THÜRINGEN, besonders kleinere Orchester ohne Träger benötigten in der Corona-Krise Hilfen. Proben und Konzerte sollten baldmöglichst wieder stattfinden können.

Hunderte Musiker dürfen weder Proben noch Auftreten

Die erneuten Pandemie-Beschränkungen hätten das Orchesterleben in Thüringen zum Erliegen gebracht, resümiert Birckner. Damit meint er nicht nur die Konzerte und somit die Haupteinnahmequellen für die Ensembles. Vor allem klagt er über die fehlende Probenarbeit. Das künstlerische Niveau in Laienorchestern werde wesentlich durch eine kontinuierliche und professionell angeleitete Probearbeit bestimmt. Es werde Mühe kosten, das in den letzten Jahren erarbeitete Niveau wieder zu erreichen.

Im Landesverband Thüringer Laienorchester sind 14 Orchester aus ganz Thüringen mit knapp 450 Musikern vertreten. Dazu gehören beispielsweise die großen sinfonisch besetzten Akademischen Orchester Erfurt, Jena und Ilmenau sowie kleinere Orchester in Greiz, Gößnitz, Mühlhausen oder Sonneberg. Daneben gibt es in Thüringen eine Vielzahl an Ensembles, die nicht im Verband Mitglied sind.

Probe für ein Festkonzert im Dorfsaal
Der Landesverband Thüringer Laienorchester vertritt 14 Laienorchester in Thüringen, doch es gibt noch eine Vielzahl weiterer ehrenamtlicher Ensembles. Bildrechte: ® Bildrechte: MDR / Kathrin Welzel

Konzertausfälle reißen finanzielles Loch

Ein "Orchestersterben" befürchtet Birckner durch die Pandemie allerdings nicht. Die Orchester finanzieren ihre Arbeit in der Regel über Mitgliederbeiträge. Die meisten Musiker zahlen diese weiter, auch wenn die Proben dauerhaft ausfallen. So kommt wenigstens etwas Geld in die Kasse, um auch weiter handlungsfähig zu bleiben. Von dem Geld zahlen die Orchester Raummieten, Dirigenten und auch externe Musiker. Das meiste Geld jedoch verdienen die Laienorchester mit ihren Konzerten. Beispielsweise erzielt das Kammerstreichorchester Gera drei Viertel seiner Einnahmen aus Neujahrskonzerten.

Saiteninstrumente des MDR-Sinfonieorchesters
Heißt es bald Segel streichen, statt Streicher spielen? Durch Konzertausfälle verlieren die Laienorchester einen Großteil ihrer Einnahmen. Bildrechte: MDR/Martin Jehnichen

Selbst wenn Konzerte im neuen Jahr möglich sein sollten, haben die Orchester geplante Auftritte bereits abgesagt, weil es an Probenarbeit fehlt. Nach eigenen Angaben könne das Orchester ein Jahr lang mit eigenen Mitteln noch überleben, doch dann werde es knapp. Das Land Thüringen fördert die Laienorchester in diesem und nächstem Jahr mit je 16.000 Euro. Die Unterstützung ist unabhängig von der Pandemie. Verbandspräsident Eckhard Birckner weiß sie zu schätzen. Das Geld sei eine große Hilfe.

Orchester finden keinen Nachwuchs

Ein Junge spielt Posaune
Auch die ohnehin schwierige Nachwuchsarbeit ist durch die Corona-Einschränkungen zum Erliegen gekommen. Bildrechte: Colourbox.de

Daneben klagen einige Orchester über fehlenden Nachwuchs. Wenn keine Proben stattfinden, werden keine neuen Mitglieder gefunden, heißt es vom Akademischen Orchester in Erfurt. Noch skeptischer klingt es beim Collegium musicum Greiz. Gerade ländliche Orchester würden durch die Pandemie "stark ausgedünnt". Nachwuchs sei kaum zu erwarten, gut ausgebildete Instrumentalisten würden in der Regel in den größeren Städten mit Hochschulen studieren, und dann nicht zurückkehren. Beim Geraer Kammerstreichorchester liegt der Altersdurchschnitt bei etwa 60 Jahren. Das Problem des fehlenden Nachwuchses kenne man jedoch bereits aus den Zeiten vor der Pandemie.

Kirchen werden zum Proberaum

Unsicherheiten bestehen bei den Ensembles auch bezüglich möglicher Probenräume. Zwischen der ersten und zweiten Coronawelle war eine Orchesterarbeit prinzipiell möglich. Doch nicht jeder Probenraum war für ein Musizieren unter den strengen Hygieneregeln geeignet. Noch dazu legten die verschiedenen Träger die Vorschriften unterschiedlich aus. Für die Musiker in Greiz hatte das "katastrophale" Folgen – ihr Probenraum in der Musikschule fiel weg. Lediglich die Kirche bietet nun einen Ersatzraum, bezahlen kann das Orchester die Nutzung jedoch nicht. Es ist auf das Entgegenkommen der Kirche angewiesen. Auch das Andreas-Kammerorchester Erfurt zog zum Proben in die Kirche um, wo jedoch nicht ausreichend geheizt werden kann. Das Akademische Orchester Erfurt wiederum bekam ein "Proben-Asyl" in der Universität.

Laienorchester hoffen auf Hilfe der Kommunen

Angesichts der unsicheren Lage erhoffen sich die Laienorchester auch Hilfe von ihren Kommunen. Künftige öffentliche Auftritte oder Präsentationen bei Feierlichkeiten aller Art sollten gefördert werden, sagen die Musiker vom Collegium musicum Greiz. Überhaupt, die Akzeptanz der ehrenamtlichen Arbeit der Ensembles sollte ohne bürokratische Hürden oder Geldforderungen für Probenräume gestärkt werden. Beim Geraer Kammerstreichorchester wünschen sich die Musiker eine differenzierte Bewertung der Corona-Auflagen abhängig von den Gegebenheiten vor Ort – auch wenn das, so sagen die Musiker, eine Herkulesaufgabe sei.

Quelle: MDR THÜRINGEN/ask

Dieses Thema im Programm: MDR THÜRINGEN - Das Radio | Nachrichten | 30. November 2020 | 08:00 Uhr

2 Kommentare

MAENNLEiN-VON-DiESER-WELT vor 7 Wochen

Waaaaas ?

Nur schlappe 16.000,- Euro für ganze zwei Jahre vom Freistaat Thüringen für
450 organisierte Orchester-Menschen ? Das sieht der schwarz-rot-rot-grünen Landesregierung ähnlich... ! :-(( Das sind ja für jeden von Euch nur zwei Strassenbahnfahrkarten im Jahr zum Probenraum . . .

Nur gut, liebe Kolleginnen und Kollegen, dass Ihr keine Mindestgage
und keine Probenpauschalen vom Freistaat Thüringen einklagt und
selbst keine Gewerkschaftsbeiträge zur DOV zahlen müsst !

MAENNLEiN-VON-DiESER-WELT vor 7 Wochen

Es ist nicht mehr nachvollziehbar:

Profi-Ensembles und deren Stamm-Häuser müssen geschlossen bleiben !
Die Herrschaften Laienspieler aber dürfen dennoch froh und munter in
offenen Kirchenräumen weiterspielen...?!

Ein Recht für alle ! Wenn Theater- und Orchestersterben auf dem Thüringer
Spielplan "verordnet" ist, dann bitte auch wirklich für ALLE BETEiLiGTEN,
bundesweit !!! Wenn kein Gemeindegesang mehr erlaubt ist, dann bitte
auch kein anderer Lärm mehr in den Kirchen und von den Orgelemporen
und von Kanzeln und im "hohen" Domchor !!!

Wer unterscheidet heute schon noch nach Profis
und Amateure und Laien von wahren Dilettanten ?!

Die KGDn sind längst abgeschafft --- wobei: so schlecht waren die damals nicht...

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