Corona-Pandemie Quarantäne mit Kindern: Das hilft gegen Langeweile

14 Tage in der Wohnung wegen Coronavirus-Verdachts? Mit Kindern im Krabbel-, Kindergarten- oder Grundschulalter kann die Quarantäne eine Herausforderung sein. Ein Erfahrungsbericht mit erprobten Tipps gegen Langeweile.

Ein Kind schreibt an einem Tisch in ein Schulheft
Wenn es sein muss, wird zu Hause gelernt. Bildrechte: MDR/Ulrike Kaliner

Mit Wucht boxt unsere siebenjährige Tochter in die Luft, immer abwechselnd mit der linken und rechten Faust. Dazu hüpft sie im Takt der Aerobic-Musik von einem aufs andere Bein. Fitnesstrainern Anna spornt uns auf YouTube an, ruft mit wippendem Zopf: "Jetzt doppelt so schnell. Habt einfach Spaß!"

Sport vor dem Tablet? Wippend, fuchtelnd und schwitzend frage ich mich, wozu es in den nächsten Tagen noch kommen wird. Laufen und Spielen im Park fällt derzeit aus. Mit den Fitness-Videos lassen die Große und ich Dampf ab. Der Vierjährige hüpft dazu auf dem Trampolin. Das ist hilfreich in der Quarantäne.

Als ich von der Anordnung erfahre, stehe ich zufällig im Supermarkt. Es ist Samstagmittag, das Robert-Koch-Institut hat vor wenigen Stunden ganz Tirol zum Risikogebiet erklärt. Mein Mann ist erst am Vorabend aus dem Skiurlaub zurückgekehrt. Reiserückkehrer wie er sollten sich freiwillig 14 Tage in Quarantäne begeben, fordert Gesundheitsminister Jens Spahn bereits in den Medien. Die Stadt Erfurt will kein Risiko eingehen - und schickt alle Rückkehrer aus Tirol in Quarantäne. Mein Mann ist einer von vielen, die am Samstag aus Unsicherheit bei der städtischen Corona-Hotline anrufen. Dort erfährt er, dass sich die ganze Familie mit ihm isolieren muss. "Kauf lieber ein bisschen mehr. Ein bisschen viel mehr", sagt er zu mir am Telefon. Wir zwei und unsere beiden Kinder dürften die Wohnung ab sofort nicht mehr verlassen.

14 Tage die Wohnung nicht verlassen

Ein Stundenplan hängt an einem Kühlschrank
Ein Stundenplan kann auch zu Hause dabei helfen, die Woche abwechslungsreich zu strukturieren. Bildrechte: MDR/Ulrike Kaliner

Ratlos stehe ich vor dem Müsliregal, nachdem wir aufgelegt haben. Hamsterkäufe? Gibt’s bei uns nicht, so lautete bisher meine Überzeugung. Jetzt räume ich den Einkaufswagen voll, bis er fast überquillt. Es gibt kaum noch abgepacktes Brot, keine Kartoffeln mehr, keinen Fetzen Toilettenpapier. Also steuere ich zwei weitere Geschäfte an, bis ich Erfolg habe. Wegen ein paar Kleinigkeiten möchte ich die Nachbarn nicht gleich um Hilfe bitten.

Mit einem Gefühl der Beklemmung schließe ich dann die Wohnungstür auf. Es wird für 14 Tage das letzte Mal gewesen sein, dass ich draußen war. Dass ich selbst eingekauft habe und mit den Kindern auf dem Spielplatz war. Dass wir hingegangen sind, wohin wir wollten. Oder mussten. Schule und Kindergarten sind sowieso geschlossen.

Auf einmal ist Zeit da - zum Spielen, Backen, Pflanzen

Ein Junge spielt mit einer Sprühflasche voll Wasser auf einem Balkon
Frische Luft auf dem Balkon - und Spaß mit der Sprühflasche voll Wasser. Bildrechte: MDR/Ulrike Kaliner
Kresse-Samen liegen in einer Schale
Pflanzen beim Wachsen zusehen: Mit Kresse können sich Kinder gut als Hobbygärtner versuchen. Bildrechte: MDR/Ulrike Kaliner

Andererseits haben wir jetzt etwas, das uns sonst immer fehlt: Zeit. Termine sind abgesagt, die Arbeit ruht. Schon formen sich die ersten Ideen, wie wir die verbringen können. Wir schreiben einen neuen Stundenplan für die Schule zu Hause. Dann säen wir Kresse und Radieschen aus. Gemeinsam backen wir Brot, tanzen und spielen, grillen auf dem Balkon. Wir haben sehr viel Glück, denke ich oft. Freunde, Nachbarn und Verwandte bieten Hilfe beim Einkaufen oder ein offenes Ohr an. Eine Nachbarin bringt spontan einen Strauß Tulpen vorbei. Diese Quarantäne werden wir nicht vergessen, aber hoffentlich in positiver Erinnerung behalten.

Quarantäne mit Kindern: Zwölf Ideen gegen Langeweile

  1. Treiben Sie Sport und halten Sie sich fit: Mit YouTube-Videos, Tanzen, Springseil-Springen, Workout auf dem Stepper, Pezziball oder was Sie sonst zu Hause haben. Je mehr Familienmitglieder mitmachen, desto größer ist der Spaßfaktor. Das Internet bietet zahlreiche Ideen zum Nachmachen.
  2. Backen Sie gemeinsam: Quark-Öl- oder Hefeteig gelingen meistens auch, wenn Kleinkinder beim Mischen, Kneten und Formen helfen. Frisch gebackenes Brot ist eine willkommene Abwechslung zu Toast- oder Knäckebrot. Sie sind kein Backtalent? Lassen Sie sich Brot- und Kuchenbackmischungen mitbringen.
  3. Überlegen Sie sich Thementage: Wie wäre es mit einem Verkehrte-Welt-Tag, einem Kostüm-Tag, einem Astronauten-, Geschichts- oder Dschungel-Tag? Der Fantasie sind keine Grenzen gesetzt!
  4. Säen Sie Kresse und andere Pflanzen aus, die schnell keimen. Die wachsenden Sämlinge zeigen das Verstreichen der Zeit. Gärtnern in der Wohnung oder auf dem Balkon hilft, Stress abzubauen und macht Kindern Spaß.
  5. Gehen Sie mit den Kindern auf Schatzsuche in der Wohnung. Bauen Sie einen Parcours aus Hindernissen zum Überspringen, Robben, Klettern oder Balancieren.
  6. Schauen Sie sich gemeinsam Urlaubsfotos und -videos an. Planen Sie die nächste Reise als Familie.
  7. Nutzen Sie die freie Zeit für den gemeinsamen Frühjahrsputz. Auch die Kleiderschränke und Spielzeugkisten können mal wieder entrümpelt werden.
  8. Basteln und malen Sie: Mit Fingerfarben, A3-Blättern und großen Pappkartons lassen sich schon die Jüngsten beschäftigen. Ältere Kinder können Flechten, Häkeln oder Stricken lernen.
  9. Schreiben und gestalten Sie ein gemeinsames Tagebuch. Oder schreiben Sie eine Fortsetzungsgeschichte, wenn die Kinder schon etwas älter sind: Jeder darf ein Stück dieses Werks verfassen, dann ist der nächste dran.
  10. Das Fernsehprogramm der öffentlich-rechtlichen Sender und die Mediatheken bieten derzeit viele Inhalte speziell für Kinder. Versuchen Sie, den Medienkonsum vor allem in Bezug auf das Thema Coronavirus zu begrenzen. Setzen Sie sich zum Beispiel feste Zeiten, in denen Sie sich als Erwachsene über die Medien informieren.
  11. Wechseln Sie sich als Eltern auch ab und räumen sich gegenseitig Auszeiten ein. Für notwendige Arbeiten, zum Baden oder Duschen, Sport treiben oder Lesen muss auch mal Ruhe sein, ohne dass die Kinder sich dazwischen drängen.
  12. Genießen Sie die Entschleunigung. Wenn erst der Schulstress, Termindruck und soziale Verpflichtungen wieder anstehen, werden Sie vielleicht mit Wehmut an die Zwangspause zurückdenken.

Quelle: MDR THÜRINGEN

Dieses Thema im Programm: MDR THÜRINGEN | MDR THÜRINGEN JOURNAL | 17. März 2020 | 19:00 Uhr

1 Kommentar

Critica vor 11 Wochen

"Pandemie mit Kindern...
Lieber mdr, die Kinder haben Eltern, die jetzt in der Verantwortung sind. Ich kann nicht nachvollziehe, warum der mdr jetzt einen "Bespaßungsplan" aufstellen und veröffentlichen muss.
Wenn doch, dann erwarte ich demnächst auch einen Artikel zum Thema "Pandemie mit Senioren, die ihre Wohnung nicht verlassen sollen..." Vor Gott und den Gesetzen sind alle Menschen gleich - Kinder und Alte.
Bitte passt Euer Fernseh- und Hörfunkprogramm an Senioren an, und zwar an Senioren, die kein Internet nutzen, also noch ihre alten Empfänger haben. Die Zahl dieser Senioren ist hoch, und ihnen hilft niemand über die Langeweile.

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