In mehreren Städten Corona: Thüringenweite Proteste gegen Grundrechte-Einschränkungen

Seit Wochen gelten wegen der Ausbreitung des Coronavirus in Thüringen Beschränkungen des öffentlichen Lebens. Auch wenn am Montag Lockerungen in Kraft treten, sind am Wochenende Menschen gegen die Regelungen auf die Straße gegangen.

Viele Menschen treffen sich rein zufällig beim Spazieren auf dem Domplatz, es ist ein friedlicher Protest gegen die Corona-Regelungen, die Polizei ist anwesend und filmt nach geraumer Zeit die Spaziergänger, um Verstösse gegen die Corona-Regeln festzuhalten.
Wie hier in Erfurt versammelten sich Menschen um gegen Auflagen in der Corona-Krise zu demonstrieren. Bildrechte: imago images/Karina Hessland

In mehreren Thüringer Städten haben am Samstag Menschen gegen die Beschränkung von Grundrechten in der Corona-Krise demonstriert. Bis zu 300 beteiligten sich in Gera an einer nicht angemeldeten Demonstration, wie die Polizei mitteilte. Einige führten Transparente mit sich, auf denen sie unter anderem den Schutz des Grundgesetzes forderten. In Weimar versammelten sich etwa 50 Menschen. Das Bündnis "Nicht ohne uns" hatte die Demo im Vorfeld angemeldet. Sie forderten unter anderem, dass bundesweit Besuche von Großeltern und Eltern nicht mehr eingeschränkt sein dürften. An einer Demonstration in Jena nahmen nach Polizeiangaben rund 50 Menschen teil.

Viele Menschen treffen sich rein zufällig beim Spazieren auf dem Domplatz, es ist ein friedlicher Protest gegen die Corona-Regelungen, die Polizei ist anwesend und filmt nach geraumer Zeit die Spaziergänger, um Verstösse gegen die Corona-Regeln festzuhalten .
Auf dem Domplatz in Erfurt war eine Demo mit 50 Menschen angekündigt, es kamen mehr. Bildrechte: imago images/Karina Hessland

Demonstrationen in Erfurt: "Schutz des Grundgesetzes"

Auch auf dem Domplatz in Erfurt hatten sich etwa 200 Menschen versammelt. Zu der Demonstration unter dem Motto "Schutz des Grundgesetzes der BRD" hatte ebenfalls das Bündnis "Nicht mit uns" aufgerufen. Laut Landeseinsatzzentrale der Polizei waren im Vorfeld entsprechend der aktuellen Verordnung nur 50 Teilnehmer angemeldet worden. Anwesend waren jedoch mindestens viermal so viele Menschen, die in größeren Abständen gegen eingeschränkte Grundrechte demonstrierten. Die Anmelder selbst seien nicht auf dem Domplatz gewesen, sagte ein Polizeisprecher.

Die Polizei begleitete die Teilnehmer und forderte nach Angaben eines Sprechers mit Lautsprecherdurchsagen zur Wahrung eines Mindestabstands auf. Aufgelöst worden sei der Zug nicht, hieß es von der Landeseinsatzzentrale. Im Anschluss an die Demonstration rund um den Obelisken gab es noch zwei weitere Spontankundgebungen in Erfurt mit einer kleineren Teilnehmerzahl.

Wegen der Coronavirus-Epidemie gelten bundesweit Kontaktbeschränkungen. So dürfen sich Mitglieder eines Haushalts in Thüringen nur mit maximal einer weiteren Person im öffentlichen Raum aufhalten. Ab Montag werden einige der Vorgaben wieder gelockert. Eine Übersicht dazu finden Sie hier.

Mehr zum Coronavirus in Thüringen

Quelle: MDR THÜRINGEN/maf

Dieses Thema im Programm: MDR THÜRINGEN - Das Radio | Nachrichten | 03. Mai 2020 | 09:00 Uhr

106 Kommentare

DER Beobachter vor 19 Wochen

Sie haben recht. Die Exzesse jenseits aller Verhältnismäßigkeit und Rechtsstaatlichkeit sind niemandem zu wünschen. Umso fragwürdiger und absurder ist, dass jedenfalls in jüngster Zeit diejenigen, die damals das Vorgehen für völlig gerechtfertigt hielten, waren ja nur Grüne und Verkehrsverhinderer, die da demonstrierten, und heute weiterhin sinnentleert (auch hier in den letzten Tagen in den Thüringer Kommentarspalten und sogar hier unten) politisch rumhetzen, ganz schnell von "Nazipolizei" fabulieren und wie beschrieben gewalttätig werden, so zurückhaltend (oder deswegen) unsere Polizei ihnen gegenüber auch agiert...

Kiel_oben vor 19 Wochen

Ich erinnere an den rabiaten und folgenschweren Polizeieinsatz am 30. September 2010 im Stuttgarter Schlossgarten, der als sogenannter Schwarzer Donnerstag in die Stadtgeschichte eingegangen ist

DER Beobachter vor 19 Wochen

@ Martin + Erichs...: Klar. Ich denke mal, dass diese praktische Erfahrung (Gesellschaften lernen wohl leider wie Individuen doch nur aus Erfahrung/Schmerz) nun die nötigen Konsequenzen auslöst. Hier im Dresdner (Leucht)Turm ( ;) ) lebt man für sächsische Verhältnisse denn ja doch fast in einem versorgungstechnischen Eldorado. Benachteiligte Kommunen und Verbände sind denn doch am A... Welche Staaten freier Wrtschaft und Staatsform meinten Sie denn mit "cleverer", Martin?

Mehr aus Thüringen