Maskenpflicht und Großveranstaltungen Neue Corona-Regeln: Was seit 30. August in Thüringen gilt

Quarantäne für Reiserückkehrer und Maskenpflicht, Lockerungen bei Veranstaltungen und sexuellen Dienstleistungen: In Thüringen ist zum 30. August eine neue Corona-Verordnung in Kraft getreten. Welche Neuerungen es gibt und welche Regeln bestehen bleiben, fassen wir in der Übersicht zusammen.

Eine Frau mit Behelfs- Mund und Nasenmaske in der Innenstadt von Jena.
Auch mit der neuen Corona-Verordnung gehört die Maske in Thüringen zum Alltag. (Symbolfoto) Bildrechte: imago images/MedienServiceMüller

Kontaktbestimmungen

Es gelten keine Kontaktbeschränkungen. Allerdings empfiehlt die Thüringer Corona-Verordnung, sich nur mit einem weiteren Haushalt oder mit maximal zehn Menschen zu treffen. Wo immer möglich und zumutbar, solle der Mindestabstand von eineinhalb Metern eingehalten werden. Die Verletzung des Mindestabstandes kann laut Bußgeldkatalog mit 100 Euro geahndet werden.

Maskenpflicht in Thüringen

Im öffentlichen Nahverkehr, in Taxen und in Geschäften gilt in Thüringen weiterhin die Maskenpflicht. Kinder bis zum vollendeten sechsten Lebensjahr sind davon ausgenommen. Auf den Mund-Nasen-Schutz verzichten dürfen auch Menschen, denen das Tragen wegen einer Behinderung, gesundheitlicher oder anderer Gründe nicht möglich oder zumutbar ist.

Bei Maskenverweigerern wird ein Bußgeld von 60 Euro erhoben. Thüringen liegt damit über der Untergrenze von 50 Euro, auf die sich der Bund und fast alle Bundesländer geeinigt haben.

Reiserückkehrer und Quarantäne

Menschen, die aus einem Risikogebiet nach Thüringen zurückkehren, müssen sich unverzüglich und direkt in häusliche Quarantäne begeben. Die Bestimmung gilt für alle Personen, die sich zu einem beliebigen Zeitpunkt innerhalb von 14 Tagen vor der Einreise in einem solchen Risikogebiet befanden - unabhängig davon, ob sie sich in der Zeit auch noch woanders aufhielten. Außerdem sind die zuständigen Behörden zu informieren. Die Isolierung ist für zwei Wochen vorgesehen, haushaltsfremde Personen dürfen keine Besuche abstatten. Ausnahmen von der Quarantäne-Regelung gelten etwa für systemrelevante Berufsgruppen.

Nach einem negativen Corona-Test ist keine Quarantäne mehr nötig. Tests im Ausland müssen nach vergleichbaren Qualitätskriterien, wie sie das Robert Koch-Institut fomuliert, durchgeführt werden - und sie dürfen höchstens 48 Stunden vor Einreise nach Deutschland vorgenommen worden sein. Test-Termine in Thüringen können über die kostenfreie Rufnummer des Ärztlichen Bereitschaftsdienstes 116 117 vereinbart werden.

Ende August haben sich Bund und Länder auf eine Nachfolgeregelung geeinigt, die möglichst zum 1. Oktober in Kraft treten soll. Dann sollen Reiserückkehrer aus Risikogebieten die Corona-Quarantäne frühestens durch einen Test ab dem fünften Tag nach Rückkehr beenden können. Ob Thüringen diese Regelung tatsächlich übernimmt, ist allerdings bislang offen.

Eine Übersicht der aktuellen Risikogebiete veröffentlicht das Robert Koch-Institut hier.

Kita und Schulen

Mit Beginn des Schuljahrs 2020/21 sollen alle Schulen zum Regelbetrieb zurückkehren. Auch die Kindergärten stellen ab Anfang September wieder auf die regulären Betreuungszeiten um. Schüler und Lehrer müssen im Unterricht keine Masken tragen. Mund-Nasen-Bedeckungen sind aber in Situationen Pflicht, in denen Menschen auf engem Raum zusammenkommen. So gilt die Maskenpflicht für die Schulbusse und für die Flure in den Schulen. Die Schutzmaßnahmen sollen in einem Ampel-System je nach Infektionslage angepasst werden.

Veranstaltungen und Demonstrationen

Demonstrationen sind ohne Beschränkungen der Teilnehmerzahl möglich. Infektionsschutzregeln müssen eingehalten werden.

Bei öffentlichen Veranstaltungen in geschlossenen Räumen müssen die Kontaktdaten der Teilnehmer erfasst werden. Volks-, Dorf-, Stadt-, Schützen- oder Weinfeste, Tanz- und Sportveranstaltungen sowie Festivals sind möglich, wenn die Gesundheitsbehörden die Erlaubnis erteilen. Bei Bedenken, dass Veranstaltungen eine Ausbreitung des Coronavirus befördern könnten, können sie allerdings untersagt werden. Unter anderem sind auch Abschlussbälle erlaubt, wenn ein Infektionsschutzkonzept vorliegt.

Nach Absprache von Bund und Ländern soll das Verbot von Großveranstaltungen, bei denen die Kontaktverfolgung und die Einhaltung der Hygieneregeln nicht gewährleistet werden können, bis zum 31. Dezember verlängert werden. Gemeint sind damit Volksfeste, größere Sportveranstaltungen mit Zuschauern, größere Konzerte, Festivals, Dorf-, Stadt-, Straßen-, Wein- oder Schützenfeste. Ausnahmen soll es in Regionen mit sehr geringen Infektionszahlen geben und wenn nur Menschen aus der Umgebung teilnehmen. Für einen einheitlichen Umgang mit bundesweiten Sportveranstaltungen soll bis Ende Oktober ein Vorschlag erarbeitet werden.

Sonne Mond und Sterne 2017
Großveranstaltungen wie das SonneMondSterne in Thüringen wird es voraussichtlich mindestens bis Ende des Jahres nicht geben. (Archivfoto) Bildrechte: ©SonneMondSterne 2017, Tony Günther

Bei privaten und familiären Feiern im Freien und in geschlossenen Räumen gelten ab dem 30. August neue Regeln zur Teilnehmerzahl. Mussten bisher Familienfeiern schon ab einer Teilnehmerzahl von 30 in geschlossenen Räumen beim jeweiligen Gesundheitsamt gemeldet werden, liegt die Grenze künftig bei 50 Teilnehmern. Im Freien müssen Familienfeiern erst ab 100 Teilnehmern bei den Behörden angezeigt werden und nicht schon ab 75 wie bisher. Die Landesregierung fordert zudem Vorkehrungen zum Infektionsschutz.

Orchester- und Theateraufführungen sowie Kinovorstellungen in geschlossenen Räumen dürfen stattfinden. Neben den grundsätzlichen Infektionsschutzmaßnahmen müssen hier ein kontrollierbarer Zu- und Abgang und eine Teilnahme ausschließlich auf Sitzplätzen gewährleistet werden. Auch staatlich geförderte Theater in Thüringen dürfen wieder öffnen. Allerdings gelten Infektionsschutzregeln wie das Abstandhalten. Zudem soll es Hygienekonzepte geben.

Clubs und Diskotheken bleiben weiter geschlossen.

Pflegeheime, Krankenhäuser, Werkstätten

Es soll keine Besuchsbeschränkungen mehr in Pflegeheimen geben. Bisher durften Pflegeheimbewohner nur zwei Besuche für bis zu zwei Stunden pro Tag empfangen. Diese Einschränkung entfällt - solange die Infektionszahlen in dem jeweiligen Kreis niedrig bleiben. Überschreiten sie die Schwelle von 35 Neuinfektionen pro 100.000 Einwohner innerhalb von sieben Tagen, sollen automatisch wieder die strengeren Besuchsregeln gelten. Wird in einem Pflegeheim ein Corona-Fall bekannt, sollen Besuche gänzlich verboten sein - außer es kann für eine räumliche und personelle Trennung in der Einrichtung gesorgt werden.

In Krankenhäusern dürfen Patienten pro Tag von maximal zwei - zu registrierenden - Menschen besucht werden. Die Höchstdauer liegt bei insgesamt zwei Stunden.

Werk- und Tagesstätten für Menschen mit Behinderungen dürfen von Risikogruppen wieder betreten werden - wenn dies freiwillig und auf ausdrücklichen eigenen Wunsch geschieht.

Prostitution und sexuelle Angebote

Lockerungen gibt es in Thüringen auch im Bereich Prostitution. Die neue Grundverordnung erlaubt sexuelle Dienstleistungen, an denen nur zwei Menschen beteiligt sind. Entsprechende Einrichtungen müssen jedoch ein Infektionsschutzkonzept vorlegen. Swinger-Clubs etwa müssen weiterhin geschlossen bleiben.

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Quelle: MDR THÜRINGEN/maf,dpa

Dieses Thema im Programm: MDR THÜRINGEN - Das Radio | Das Fazit vom Tag | 28. August 2020 | 18:00 Uhr

31 Kommentare

Matthi vor 26 Wochen

Da kann man mal wieder sehen das Sie keine Ahnung haben. Der Einzelhandel besteht nicht nur aus Kassen im Supermarkt wo die Kassierer hinter der Scheibe sitzen. Sie muss neben den abkassieren auch Regale bestücken und andere Tätigkeiten ausführen aber das sehen viele Kunden nicht und wenn die Kundschaft die Regeln einhalten würde also jeder auf sich aufpassen würde müssten die Verkäufer/in nicht immer die Leute ermahnen ich glaube nämlich nicht das so viele Kunden Alzheimer haben. Wie würde es ihnen gefallen wenn ihr Partner auf Arbeit infiziert würde weil er arbeiten muss, das Leben zahlt sich nämlich nicht von alleine und Sie ihn wenn schlecht läuft weil er Vorerkrankungen hat dann auf dem Friedhof besuchen können. Der Handel hat keine Heimarbeit die Verkäufer/in können sich nicht Zuhause verstecken.

Lyn vor 26 Wochen

Ich muss Ihnen zustimmen.
Das ganze Leben ist ein Risiko, und es endet mit dem Tod.
Bis dahin bin ich auch nicht bereit, mich in meine Vitrine zu setzen und die Glastür von innen zu schließen.

SitBull vor 26 Wochen

Es ist doch eigentlich dumm in Risikogebiete zu reisen. Thüringen ist doch auch schön. Und Mundschutz: Ganze Religionsgemeinschaften, Reinraummitarbeiter, OP-Personal... läuft mit Mundschutz rum. Was ist das Problem? Muss man deswegen die Thüringer Staatskanzlei stürmen? Fühle mich nicht durch Abstand und Mundschutz in meinen Grundrechten eingeschränkt. Hätte auch kein Problem mit einem Verbot der Einreise durch eigenes Verschulden aus einem Risikogebiet. Das mit kostenlosen Testen bei Einreisen aus Risikogebiet ist dem gesunden Menschenverstand nicht vermittelbar.

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