Theater, Pflegebesuche, Familienfeiern Land lockert Corona-Regeln für Thüringen Ende August

Trotz zuletzt steigender Neuinfektionen lockert die Thüringer Landesregierung die Corona-Regeln in einigen Bereichen. Abstandsgebote, Hygienekonzepte und Mund-Nasen-Schutz gehören aber weiter zum Alltag.

07.08.2020, Thüringen, Geraberg: Sandra Augner, Altenpflegerin (2.v.r.) und Silke Möhring (r), Leiterin der Seniorentagespflege, sprechen mit Gerhard Kirsten (l) und Friedhilde Kaiser (2.v.l.).
In Pflegeheimen werden die Besuchsregeln ab Ende August gelockert (Symbolfoto). Bildrechte: dpa

Ab Ende August werden die Corona-Regeln in Thüringen weiter gelockert. Thüringens Infrastrukturminister Benjamin-Immanuel Hoff (Linke) unterzeichnete am Dienstag in Vertretung von Gesundheitsministerin Heike Werner (Linke) eine neue Grundverordnung. Sie tritt am 30. August in Kraft und ersetzt die aktuell gültige.

Folgende Lockerungen treten in Thüringen dann ein:

  • Besuche in Pflegeheimen: Es soll keine Besuchsbeschränkungen mehr in Pflegeheimen geben. Bisher durften Pflegeheimbewohner nur zwei Besuche für bis zu zwei Stunden pro Tag empfangen. Diese Einschränkung entfällt - solange die Infektionszahlen in dem jeweiligen Kreis niedrig bleiben. Überschreiten sie die Schwelle von 35 Neuinfektionen pro 100.000 Einwohner innerhalb von sieben Tagen, sollen automatisch wieder die strengeren Besuchsregeln gelten. Wird in einem Pflegeheim ein Corona-Fall bekannt, sollen Besuche gänzlich verboten sein - außer es kann für eine räumliche und personelle Trennung in der Einrichtung gesorgt werden.
  • Theater: Staatlich geförderte Theater in Thüringen dürfen ab 30. August wieder öffnen. Allerdings gelten Infektionsschutzregeln wie das Abstandhalten. Zudem soll es Hygienekonzepte geben. Das Theater Altenburg-Gera kündigte bereits an, nicht den angedachten regulären Spielplan zu realisieren, sondern eine Corona-Variante, bei der die Abstandsregeln eingehalten werden können. Details sollen in der kommenden Woche vorgestellt werden. Grundsätzlich war die Aufführung von Theaterstücken bisher möglich - etwa unter freiem Himmel. Die aktuelle Verordnung untersagte den Spielbetrieb in geschlossenen Räumen in vom Land institutionell geförderten Theatern und Orchestern.
  • Familienfeiern: Größere Familienfeiern in geschlossenen Räumen müssen erst ab 50 und nicht wie bisher ab 30 Teilnehmern gemeldet werden. Falls die Infektions-Zahlen auf Kreisebene zu stark ansteigen, sollen dort wieder strengere Regeln gelten. Im Freien müssen Familienfeiern künftig erst ab 100 Teilnehmern bei den Behörden angezeigt werden und nicht schon ab 75 wie bisher.
  • Sexuelle Dienstleistungen: Lockerungen gibt es in Thüringen auch im Bereich Prostitution. Die neue Grundverordnung erlaubt unter bestimmten Voraussetzungen sexuelle Dienstleistungen an denen nur zwei Menschen beteiligt sind. Swinger-Clubs etwa müssen weiterhin geschlossen bleiben.

"Moderater" Anstieg der Corona-Infektionen

Bundesweit und auch in Thüringen waren die Zahlen der Neuinfektionen in den letzten Wochen wieder angestiegen. Seit ein paar Tagen sinken die Zahlen der aktiven Fälle in Thüringen wieder. Bis Dienstagabend meldeten die Gesundheitsämter der Landkreise und kreisfreien Städte 109 aktive Fälle im Freistaat.

Die Staatssekretärin im Gesundheitsministerium, Ines Feierabend, nannte den Anstieg der Fallzahlen in Thüringen "moderat". "Deshalb halten wir an unserem Weg der schrittweisen Lockerungen im Gleichklang mit einem lokalen Vorgehen bei erhöhtem Infektionsgeschehen fest", sagte Feierabend. Basis für sämtliche Bestimmungen seien weiterhin: Abstand halten, Hygienekonzepte einhalten und Alltagsmaske tragen.

Quelle: MDR THÜRINGEN/sar, dpa

Dieses Thema im Programm: MDR THÜRINGEN - Das Radio | Nachrichten | 18. August 2020 | 20:00 Uhr

24 Kommentare

Berggeist vor 13 Wochen

Es tut mir leid ich kenne den entsprechenden "Faktenfinder" Beitrag nicht und kann daher auch nichts dazu sagen. Aber siehe meine Antwort an das MDR Team. Gerne kann ich dazu auch in die Tiefe gehen aber das führt in einem Forum sicher zu weit.

Berggeist vor 14 Wochen

Liebes MDR Team,
Sie haben Recht, der Zusammenhang ist komplexer. Die Prävalenz innerhalb der Testmenge und die Fehlerate der Tests sind ebenso Faktoren.
Lt. RKI stieg die Anzahl positiver Tests von KW29 bis KW31 von ca. 0,6%auf ca. 1% und ist aktuell stabil. Gleichzeitig stieg die Anzahl der Tests von 538 Tausend auf 672 Tausend (pro Woche). In KW24 gab es nur 324T Tests, also seither eine Verdopplung der Tests, also eine erhebliche Steigerung der Anzahl der Tests. Je nach Zusammensetzung der Testmenge beeinflusst dies auch die Positivrate, da die verwendeten Tests eine Fehlerate haben. Selbst wenn diese nur bei 0,01 Prozent liegt, ist die Wahrscheinlichkeit für einen Falsch Positives Ergebnis gegeben. Wie hoch diese ist kann man nur spekulieren, da die Prävalenz nicht bekannt ist. Aber ich möchte hier keine Statistikvorlesung halten.
Der Anstieg der Positivenrate lässt sich, zumindest mittelbar auch auf die gestiegene Testanzahl zurück führen.
Quellen: RKI und Ourworld in Data

MDR-Team vor 14 Wochen

Hallo Berggeist,
nein, diesen schlichten Zusammenhang zwischen Testzahl und Positiv-Befunden gibt es nicht. So steigt z.B. inzwischen wieder die Rate der positiven Testergebnisse im Verhältnis zur Zahl der Tests an: https://www.mdr.de/nachrichten/politik/gesellschaft/faktencheck-mehr-tests-nicht-gleich-mehr-infizierte100.html

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