Ansprache Ministerpräsident Ramelow: "Tun Sie alles in Ihren Kräften Stehende"

Thüringens Ministerpräsident Bodo Ramelow hat sich in einer Ansprache an die Bevölkerung des Freistaats gewandt. Seine Botschaft: Die Menschen im Land sollen Geduld, Solidarität und Vernunft praktizieren. Hier die Rede im Wortlaut:

Thüringens Ministerpräsident Bodo Ramelow bei seiner Ansprache zum Thema Coronavirus (19.03.2020)
Thüringens Ministerpräsident Bodo Ramelow Bildrechte: MITTELDEUTSCHER RUNDFUNK

"Liebe Mitbürgerinnen und Mitbürger,

wir stehen vor der größten Herausforderung unserer jüngeren Geschichte. Das Corona-Virus breitet sich mit großer Geschwindigkeit in Europa, in Deutschland und auch in Thüringen aus.

Ich wende mich daher heute direkt an Sie, um Sie über unsere Maßnahmen zur Eindämmung der Corona-Pandemie zu informieren und Ihnen die nächsten Schritte der Thüringer Landesregierung zu erläutern.

Im Vergleich zu anderen Bundesländern und den großen Ballungszentren ist unser Land bislang noch nicht so stark betroffen. Keiner unserer Patienten wird derzeit als schwerer Fall eingestuft. Wir haben bislang auch noch keine Todesfälle zu beklagen.

Die Expertinnen und Experten des Robert Koch-Instituts gehen jedoch davon aus, dass auch wir in Thüringen mit einem deutlichen Anstieg der Infektionen rechnen müssen. Deshalb bereiten wir uns schon mit ganzer Kraft auf den Notfall vor.

Unsere Krankenhäuser erweitern die Zahl der Intensivbetten und organisieren zusätzliche Beatmungsgeräte, damit alle an COVID-19 Erkrankten optimal versorgt werden können. Unser Ziel ist es, die Zahl der Intensivbetten mehr als zu verdoppeln - von derzeit rund 650 auf circa 1.400. Ärzteschaft sowie Pflegerinnen und Pfleger werden im Umgang mit Corona-Infektionen geschult.

Sie können sicher sein: Sie sind im Falle einer Infektion in unseren Krankenhäusern in guten Händen.

Um das Infektionsrisiko auf ein Minimum zu reduzieren und eine Überlastung unseres Gesundheitssystems zu vermeiden, haben wir das öffentliche Leben in Thüringen auf das notwendige Minimum zurückgefahren:

Kindergärten, Schulen und Kultureinrichtungen bleiben vorerst geschlossen. Öffentliche Veranstaltungen dürfen nicht stattfinden. Der Einzelhandel ist auf das Lebensnotwendige beschränkt.

Auch die Unternehmen in unserem Land stehen durch die Corona-Krise vor großen Problemen. Der Freistaat wird alle erdenklichen Möglichkeiten ausschöpfen, diese noch nicht abschätzbaren Folgen für unsere Betriebe aufzufangen.

Wir haben in den letzten Jahren solide gewirtschaftet und können jetzt mit diesen Rücklagen Unterstützung leisten. Ob Wirtschaft, Bildung oder Sozialeinrichtungen: Wir stehen in enger Abstimmung mit der Bundesregierung und den anderen Ländern.

Wenn es sich erforderlich macht, werden wir im Interesse der Gesundheit aller unsere Anstrengungen noch mehr verstärken. Wir werden Sie zeitnah über weitere Schritte informieren.

Sehr geehrte Mitbürgerinnen und Mitbürger,

ich danke Ihnen für Ihre Bereitschaft, diese schmerzhaften Einschnitte mitzutragen. Wir alle müssen die notwendigen Einschränkungen unserer Lebensweise jetzt akzeptieren, damit wir der Pandemie Herr werden. All unsere Bemühungen werden aber nur Erfolg haben, wenn wir uns alle, jede und jeder von uns, an die Empfehlungen der Ärzte halten:

Halten Sie bitte Abstand, auch wenn Sie das Bedürfnis nach Nähe haben. Beachten Sie die Hygienevorschriften. Sie helfen im wahrsten Sinne des Wortes, Leben zu retten. Wir werden diese Krise umso besser überstehen, je verantwortungsvoller und solidarischer wir jetzt handeln.

Ich danke allen, die in dieser schweren Zeit auch unter einem persönlichen Risiko ihren Dienst an der Gemeinschaft verrichten: Von der Krankenpflegerin über den Polizisten bis hin zur Kassiererin im Supermarkt. Sie alle sind Helden des Alltags.

An die Arbeitgeberinnen und Arbeitgeber in unserem Land möchte ich eindringlich appellieren: Tun Sie alles in Ihren Kräften Stehende, um die Gesundheit ihrer Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter zu schützen.

Über die vielen Beispiele der Unterstützung für Erkrankte und Angehörige von Risikogruppen freue ich mich sehr. Für diese solidarische Vernunft möchte ich danke sagen. Ich bin sicher: Genau mit diesem Verantwortungsbewusstsein werden wir Corona in den Griff bekommen.

Für die kommenden Wochen bitte ich Sie um Geduld, Solidarität und Vernunft. Die allermeisten von Ihnen beweisen das schon heute jeden Tag.  In schweren Krisen zeigt sich der Charakter einer demokratischen Gesellschaft. Ich bin überzeugt, die guten Seiten unseres Gemeinwesens werden die Oberhand behalten.

 Herzlichen Dank. Bleiben Sie behütet, vor allem bleiben Sie gesund."

 Quelle: MDR THÜRINGEN/mis, dr

Dieses Thema im Programm: MDR FERNSEHEN | MDR THÜRINGEN JOURNAL | 19. März 2020 | 19:25 Uhr

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