Pandemie-Geschehen Corona-Infektionen: Aktuell vor allem ländliche Gebiete in Thüringen betroffen

Thüringen ist ländlich geprägt, doch das schützt offenbar nicht vor einer weiteren Ausbreitung der Corona-Pandemie. Aus Sicht des Chef-Infektiologen des Uni-Klinikums Jena sind Familienfeiern derzeit das Hauptproblem.

Eine elektronenmikroskopische Aufnahme des Sars-Cov-2-Virus.
Das Sars-Cov-2-Virus unter dem Elektronenmikroskop. Bildrechte: dpa

Weitere Kommunen in Thüringen verschärfen nach einem deutlichen Anstieg der Corona-Neuinfektionen die Schutzvorkehrungen. Der Kreis Altenburger Land reagierte am Donnerstag mit einer Allgemeinverfügung auf den Sprung über den Schwellenwert von 50 Neuinfektionen je 100.000 Einwohner innerhalb von sieben Tagen. Der Kreis mit knapp 90.000 Einwohnern ist seit Donnerstag Risikogebiet.

Thüringen hatte am Donnerstag mit 165 Neuinfektionen den höchsten Tagesanstieg seit Beginn der Pandemie erreicht, wie das Gesundheitsministerium mitteilte. Neben dem Altenburger Land sind der Kreis Sömmerda, der Unstrut-Hainich-Kreis und der Saale-Holzland-Kreis bezüglich der Inzidenz-Werte jenseits der 50er-Marke besonders betroffen.

Auch Jena hat eine neue Allgemeinverfügung erstellt, die am Freitag in Kraft tritt - angesichts einer Inzidenz von über 35. Bislang seien drei Ausbruchsgeschehen identifiziert worden, die Auswirkungen auf das gesamte Stadtgebiet hätten, sagte ein Sprecher der Stadtverwaltung. So stünden etwa elf Fälle im Zusammenhang mit einer privaten Feier in einem Restaurant.

Erfurt nähert sich kritischem Grenzwert

Die Vorwarnstufe hatte am Donnerstag auch der Kreis Schmalkalden-Meiningen erreicht. Die Landeshauptstadt Erfurt rechnet damit in Kürze. Derzeit werde eine Verschärfung der Maskenpflicht im öffentlichen Raum per Allgemeinverfügung vorbereitet, kündigte die Stadtverwaltung an. Auch die zulässigen Teilnehmerzahlen bei privaten und öffentlichen Veranstaltungen würden eingeschränkt.

Landesweit waren am Donnerstagabend 959 Menschen als aktive Corona-Fälle registriert - das sind 665 aktive Fälle mehr als noch vor zwei Wochen. 22 Menschen mit Covid-19 werden derzeit auf Intensivstationen behandelt, wie aus dem nationalen DIVI-Intensivregister hervorgeht. Auch diese Zahl steigt seit Tagen an.

Mathias Pletz: Infektionsrisiko auf Familienfeiern

Auffällig sei, dass inzwischen besonders die ländlichen Gebiete in Thüringen von der Pandemie betroffen seien, sagte der Chef-Infektiologe des Universitätsklinikums Jena, Mathias Pletz, der die Landesregierung im wissenschaftlichen Corona-Beirat berät. Die Mehrheit der neuen Fälle habe zudem ihren Ursprung im privaten Bereich. Das Landratsamt Altenburger Land sprach am Donnerstag von einer "diffusen Ausbreitung" der Erreger, eindeutige Infektionsgründe ließen sich nicht mehr ausmachen.

Aus Sicht von Pletz sind Familienfeiern derzeit das Hauptproblem. "Da fühlt man sich sicher, da setzt man auch die Maske ab." Entsprechend liege hier auch der Schlüssel, um den Anstieg der Infektionen zu bremsen. In der aktualisierten Corona-Landesverordnung, die am 1. November gelten soll, reagiert die Landesregierung darauf: Bei privaten Feiern in geschlossenen Räumen sollen nur noch 30 Menschen und im Freien 75 Menschen ohne Anmeldung bei den lokalen Gesundheitsämtern zugelassen werden.

Neun Kindergärten in Thüringen geschlossen

Wegen bestätigter Corona-Infektionen oder vorsorglicher Quarantäne sind in Thüringen derzeit neun Kindergärten geschlossen. Betroffen ist vor allem das Risikogebiet Landkreis Sömmerda. Für zahlreiche weitere Kindergärten und Schulen gilt die Vorwarnstufe Gelb. In Thüringen gilt zur Eindämmung der Pandemie an Schulen und in Kindergärten ein Ampelsystem.

Seit Beginn der Pandemie wurden insgesamt 5.356 Menschen in Thüringen positiv auf das Coronavirus getestet. Verstorben sind bislang 202 Infizierte. 4.195 Erkrankte gelten als genesen.

Quelle: MDR THÜRINGEN/mm, dpa

Dieses Thema im Programm: MDR THÜRINGEN | MDR THÜRINGEN JOURNAL | 22. Oktober 2020 | 19:00 Uhr

4 Kommentare

martin vor 5 Wochen

@pepe: Ich bin noch zurück gekommen, bevor die Region (berechtigterweise) zum Risiskogebiet erklärt wurde. Ihre Kritik bzgl. Skitouren & Co kann ich gut nachvollziehen - aber wie sollte eine derartige Differenzierung praktisch umgesetzt werden und wo soll man sinnigerweise eine Grenze ziehen? Vor allem mit Blick auch auf die Klagewut ....

Ich habe aufgehört mir die Details der Regelungen immer wieder anzuschauen. Gibt es keine Quarantäne-Ausnahme (mehr), wenn man max. 72 Std. im Risikogebiet war? Die Wochenendnummer mit Hinfahren, Skitour machen und wieder zurück sollte damit doch möglich bleiben.

Bei Umzug in die Schweiz sollten Sie bedenken, dass wir Deutschen in manchen Gegenden wegen Überfremdung der heimischen Bevölkerung nicht mehr wirklich willkommen sind ....

pepe79 vor 5 Wochen

Ich bin sonst mindestens 1 Wochenende im Monat zum Wander oder Skitouren in den Alpen. Es ist eine Frechheit das man in Quarntäne muss und hier kein Untetschied gemacht wird zu Leuten die in Großstäden in Gruppen im Hotel sitzen und Leuten die alleine odermit einem Deutschen Freund auf Skitour oder Wandertour gehen und am selben Tag, oder spätestens am nächsten wieder heimfahren. Das kann man wenn man dort lebt wenigstens alles tun! Da fällt der Maskenball auch leichter.

pepe79 vor 5 Wochen

Ich schaue mir diesen Zirkus diesen Winter noch an. Ist ähnliches wie jetzt absehbar gehe ich in die Schweiz oder Österreich. Ja da gelten ähnlich strenge Regeln da kann ich meine Freizeit aber wenigstens in den Bergen verbringen

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