Corona-Pandemie So geht es in Schulen und Kindergärten in Thüringen weiter

Kein Unterricht, kaum Kinderbetreuung: Die Coronavirus-Pandemie hat in Thüringen den Alltag von Eltern und Kindern massiv verändert. Nun hat das Bildungsministerium Pläne vorgelegt, wie in den kommenden Wochen Schulen schrittweise wieder geöffnet werden sollen. Wie es in den Kindergärten weitergeht, ist - abgesehen von einer Notbetreuung - allerdings noch fraglich.

Thüringens Bildungsminister Helmut Holter (Linke) hat am Dienstag einen Stufenplan zur Wiedereröffnung der Schulen und Kindergärten im Freistaat vorgestellt. Diese Termine wurden jetzt genannt:

  • Am 27. April beginnen der Präsenzunterricht für Abiturienten, Abschlussklassen der höheren Berufsfachschule in der Fachrichtung Altenpflege und die zentralen Abschlussprüfungen der Steuerfachangestellten.
  • Ab 4. Mai kehren die Abschlussklassen der Haupt- und Realschulen zurück sowie die zehnten Klassen, die die besondere Leistungsfeststellung (BLF) in diesem Jahr absolvieren.
  • Ab 7. Mai findet der Unterricht für Schüler aller Jahrgänge, die besonderen Unterstützungsbedarf brauchen, wieder statt.
  • Ab 11. Mai folgen laut dem Bildungsminister die Viertklässler in den Grundschulen.
  • Ab 18. Mai beginnen - wie schon früher bekannt gegeben - die Abiturprüfungen.

Unterricht für alle Schüler in Thüringen spätestens ab Juni

Weitere Schritte zur Wiederaufnahme des Unterrichts sollen nach dem 30. April bekannt gegeben werden. Spätestens ab dem 2. Juni sollen alle Kinder in Thüringen wieder zur Schule gehen können - in einer Mischung aus Präsenz- und Distanzunterricht. Dafür soll es eine Art Schicht- und Rotationsprinzip für Grundschulen geben. Heißt: zwei Tage Schule, zwei Tage zu Hause. Was am fünften Tag passieren soll, sei noch unklar. Zusätzlichen Unterricht am Samstag zog Holter zunächst nicht in Erwägung, das Schulgesetz sieht nur eine Fünf-Tage-Woche vor.

Ein regulärer Hortbetrieb soll bis auf Weiteres nicht angeboten werden. Auch Sportunterricht als solcher finde nicht statt, so der Bildungsminister. Bewegung müsse nach draußen verlegt werden.

Regierungsmedienkonferenz in Thüringen 2 min
Bildrechte: MITTELDEUTSCHER RUNDFUNK

MDR THÜRINGEN JOURNAL Di 21.04.2020 19:00Uhr 02:20 min

Rechte: MITTELDEUTSCHER RUNDFUNK

Video

Risikogruppen: Thüringen rechnet mit Ausfall von Lehrern

Holter rechnet außerdem damit, dass bis zu einem Viertel der Lehrer - an manchen Schulen sogar 80 Prozent - nicht zum Einsatz kommen können, weil sie zu einer Risikogruppe gehören. Das sind insbesondere Personen ab 60 Jahre, Raucher ab 50 Jahre und Menschen mit bestimmten Vorerkrankungen. Von ihnen werde kein Gruppenunterricht gegen ihren Willen verlangt. Arbeit von zu Hause oder freiwillig in der Schule sei jedoch denkbar, hieß es. Auch für Schüler, die einer Risikogruppe angehören oder mit einer besonders gefährdeten Person zusammenleben, soll es Ausnahmeregelungen geben.

Für die Sanierung und Verbesserung an Schulen stellt das Land den Kommunen und Schulträgern 30 Millionen Euro zur Verfügung. Davon sollen vor allem die Sanitärbereiche optimiert werden. In jeder Schule müssen zudem ausreichend Flüssigseifenspender und Einmal-Handtücher bereitgestellt werden. Die Einrichtungen erhalten einen Hygieneplan, wonach etwa ein Mund-Nasen-Schutz in den Pausen und im Schulbus getragen werden muss.

Sitzenbleiben nur in Klassen neun und zehn

Zehntklässler an Gymnasien sollen in diesem Jahr nur in Themen geprüft werden, die auch tatsächlich unterrichtet wurden. So ist geplant, dass schriftlich in Deutsch sowie in einer Naturwissenschaft, die die Schüler wählen dürfen, geprüft wird. Für das Fach Deutsch soll es eine zentrale Aufgabe geben. In der Naturwissenschaft können die Schulen Zeit und Aufgabe selbst festlegen. Für Schüler, die attestiert zu einer Risikogruppe gehören oder die in einem Haushalt mit besonders gefährdeten Menschen leben, sollen besondere Schutzmaßnahmen ergriffen werden, um ihnen eine Teilnahme an den Prüfungen zu ermöglichen.

Nur in den neunten und zehnten Klassen soll über eine Versetzung entschieden werden. In allen anderen Jahrgängen muss also zum Sommer niemand sitzenbleiben. Eine freiwillige Wiederholung der Klassenstufe ist allerdings möglich.

Ausweitung der Notbetreuung in Kindergärten

Bis Mai wird es laut Holter keine großen Änderungen bei der Kindertagesbetreuung geben. Lediglich eine Ausweitung der Notbetreuung ist ab dem 27. April vorgesehen. So zählen dann beispielsweise auch Alleinerziehende, Lehrer und Erzieher sowie Mitarbeiter im Jobcenter zu den Berufsgruppen, die ihre Kinder notbetreuen lassen können. Dabei sind maximal zehn Kinder pro Gruppe oder Klasse vorgesehen. Eine weitere Öffnung der Kindergärten ist laut Bildungsministerium für den Mai geplant, soll jedoch vom Verlauf der Corona-Pandemie abhängig gemacht werden.

Kritik und Zustimmung zu Plänen für Thüringer Schulen

Nach der Präsentation des Bildungsministers kam Kritik aus der Thüringer FDP-Landtagsfraktion: Holter habe mehrere Fragen offen gelassen, sagte die bildungspolitische Sprecherin der Freien Demokraten, Franziska Baum. So fehlten Anleitungen für die Schulen, welche Fächer zu priorisieren seien. Außerdem seien in den vorgestellten Plänen Förderschulen nicht explizit berücksichtigt worden. Für Schüler mit besonderen Gesundheitsrisiken, die auch künftig zu Hause lernen, forderte die FDP-Politikerin einen "angemessenen Zugang zu passenden digitalen Lerninhalten". Auch grundsätzlich fehlten Handreichungen für den Digitalunterricht. Die Landesregierung müsse entsprechende Vorschläge aus der Thüringer Wirtschaft berücksichtigen, forderte Baum. Der bildungspolitische Sprecher der CDU-Landtagsfraktion, Christian Tischner, sagte, bisher sei nicht klar, woher das Personal für die kleineren Klassen kommen solle. Noch in dieser Woche müssten alle offenen Fragen etwa zum Gesundheitsschutz und zum Personal geklärt werden.

Mit Zustimmung haben freie Schulträger und Verbände auf den Thüringer Stufenplan zur Wiederaufnahme des Präsenzunterrichtes unter den Einschränkungen der Coronavirus-Pandemie reagiert. Es handele sich um "sicherlich sinnvolle Entscheidungen und Maßnahmen", sagte der Vorsitzendes des Thüringer Lehrerverbandes (TLV), Ralf Busch, am Dienstag in Erfurt. Nun komme es darauf an, jede Menge Detailfragen zu klären.

Mehr zum Coronavirus in Thüringen

Quelle: MDR THÜRINGEN/mam,jml,maf,dpa,epd

Dieses Thema im Programm: MDR THÜRINGEN | MDR THÜRINGEN JOURNAL | 21. April 2020 | 19:00 Uhr

43 Kommentare

Kathpu vor 15 Wochen

Genau! 😂 Unterricht von 6 - 22 Uhr in Kleingruppen... Und die 5 Lehrer, die das leisten, können ja gleich in der Schule übernachten... Wenn es nicht so traurig wäre, könnte man direkt darüber lachen...

martin vor 15 Wochen

@tympanus: Welcher "Wahn"? Trotz fehlender Doppelblindstudien kann man sehr wohl davon ausgehen, dass Kinder und Jugendliche infektiös sind, selbst wenn sie keine wahrgenommenen Symptome entwickeln.

Die einfachen selbstgenähten Masken sind genau kein alleiniger Infektionsschutz. Richtig angewendet senken sie das Infektionsrisiko für das Gegenüber. Außerdem dämpfen sie den Reflex sich mit der Hand ins Gesicht zu fassen (ein Fehler, den ich bei mir noch nicht wirklich abstellen konnte) und erinnern an das Abstandsgebot. Damit helfen die Masken sehr wohl - ein alleiniger Schutz sind sie (im Gegensatz zu FFP2 / FFP3 Masken) aber nicht. Somit ist der normale Umgang (man sitzt gemeinsam am Frühstückstisch) trotz der einfachen Masken genau nicht sinnvoll, wenn man weder sich noch sein Umfeld anstecken möchte.

martin vor 15 Wochen

@erich: Einzelunterricht ist nicht die effektivste Lernform - Lerngruppen sind die effektivste Lernform. Da könnte Corona unserem Schulsystem sogar was Gutes tun, wenn denn genügend Lehrkräfte vorhanden wären....

Mehr aus Thüringen

Einsatzkräfte am Pumpspeicherwerk Goldisthal 1 min
Bildrechte: MITTELDEUTSCHER RUNDFUNK