Wirtschaft Mietwagen- und Taxi-Branche leidet unter Corona-Krise

Es gibt Branchen, die halbwegs gut durch Corona kommen. Und es gibt jene, denen die Krise massiv zu schaffen macht, wie die Taxi- und Mietwagenbetriebe. Manche Thüringer Unternehmen sind in ihrer Existenz gefährdet.

Wartende Taxis
Taxiunternehmen in Not: Vor allem nachts bleiben die Fahrgäste weg. Bildrechte: imago images / Emmanuele Contini

Klar sei das zu spüren gewesen, sagt Perina Weise. Sie ist in Gotha Chefin von "Taxi-Weise": drei Kleinbusse, fünf Taxen und 15 Beschäftigte. "Einige meiner Leute mussten auf Kurzarbeit", so die 53-Jährige. "Das Nachtgeschäft war total tot." Alles in allem jedoch sei sie mit ihrer Firma bislang noch gut davongekommen. Denn das Unternehmen lebt laut Weise in erster Linie von Kranken-Transporten. Deswegen seien die Einbußen bei ihr "auch nicht so extrem wie bei einigen anderen".

Die anderen, das sind landesweit an die 700 Taxi- und Mietwagenbetriebe. Das geht aus Zahlen der drei Industrie- und Handelskammern in Thüringen hervor. Schätzungsweise 2.000 Fahrzeuge hätten diese Unternehmen, ergänzt ein Branchen-Fachmann. Ihm zufolge handelt es sich dabei zumeist um kleinere Firmen, mit ein bis zwei Autos beziehungsweise Kleinbussen.

Drastische Umsatz-Einbrüche bei Taxis und Mietautos

Doch ob klein oder groß: Das gesamte Taxi- und Mietwagengewerbe im Freistaat hat stark zu leiden unter der Corona-Krise. "Auf der Seite der Einnahmen ist es sehr schmal geworden", sagt Michael Beer vom Landesverband Thüringen der Taxi- und Mietwagenunternehmen. Ähnlich auch die Worte von Martin Kammer. "So einige Betriebe haben derzeit große Probleme damit, weiter über die Runden zu kommen", erläutert der Hauptgeschäftsführer des Thüringer Verkehrsgewerbeverbandes.

Martin Kammer, Geschäftsführer Landesverband Thüringen des Verkehrsgewerbes (LTV), steht vor einer Taxizentrale
Martin Kammer: Manche Unternehmen haben große Probleme, um über die Runden zu kommen. Bildrechte: dpa

Nach Angaben beider Fach-Organisationen haben die Geschäfte enorm nachgelassen. Die Umsätze sind danach zwar regional unterschiedlich gesunken, aber insgesamt doch recht kräftig. Von etwa 40 Prozent Rückgang spricht der Landesverband der Taxi- und Mietwagenunternehmen, teils sogar von circa 80 Prozent der Verband des Verkehrsgewerbes. Die Hauptgründe: abgesagte Veranstaltungen wie Kirmes- und Stadtfeste, Konzerte und Messen, ferner zeitweilig geschlossene Kneipen und weggebrochene Schüler-Transporte.

Hilfen für das angeschlagene Gewerbe

Ebenso wie in Thüringen kämpfen die Firmen gegenwärtig fast überall in Deutschland um ihr wirtschaftliches Überleben. Daher hat der Bundesverband Taxen- und Mietwagen bereits vor Wochen einen Drei-Stufen-Plan präsentiert. Darin werden Liquiditätshilfen gefordert, das Aufschieben von Beiträgen an die Sozialkassen sowie Taxifahrten zum halben Preis für Besitzer von ÖPNV-Monats- oder Jahreskarten. "Einerseits wird so das Ansteckungsrisiko in Bussen und Bahnen minimiert", argumentiert dazu Bundesverbandschef Michael Müller, "andererseits erhalten dadurch in ihrer Existenz bedrohte Taxi-Unternehmen dringend benötigte Einnahmen."

Bislang jedoch sind diese Forderungen und Vorschläge nicht auf Widerhall gestoßen. Wie überall im Bundesgebiet können daher auch Thüringer Taxi- und Mietwagenfirmen bloß darauf setzen, dass sich die Zeiten irgendwann mal wieder bessern. Eben dies macht auch Perina Weise, die Unternehmerin aus Gotha. "Wir kämpfen weiter", sagt sie, "und hoffen, dass wir durchhalten können."

Quelle: MDR THÜRINGEN

Dieses Thema im Programm: MDR THÜRINGEN - Das Radio | Nachrichten | 18. August 2020 | 06:00 Uhr

1 Kommentar

Lyn vor 14 Wochen

"abgesagte Veranstaltungen wie Kirmes- und Stadtfeste, Konzerte und Messen, ferner zeitweilig geschlossene Kneipen und weggebrochene Schüler-Transporte"


Es sind auch Krankenfahrten, die wegfallen.

Wenn die Leute nicht ins Krankenhaus gehen.... wenn Vorsorgetermine aufgrund der Situation verschoben werden....

Die Schrittmacherkontrolle meiner Mutter, Pflegegrad 4, Merkmal aG, haben wir schon 2 x verschoben.
Man kann in der Praxis die Abstände nicht einhalten und weder Mutter noch Vater mit Pflegegrad 2 noch ich selbst chronisch krank können den Unsinn gebrauchen.

Es ist erst mal nicht so tragisch.

Die Batterie von dem Gerät hält eine kleine Ewigkeit. Und Mutter geht es den Umständen entsprechend gut. Also wird geschoben. Und ich vermute, dass wir den nächsten Termin, im November, wieder schieben werden.... bis der Impfstoff da ist.

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