Corona Erstes Bundesland ohne Kontaktbegrenzung - Kritik am Thüringer Weg

Treffen in großer Runde sind seit Samstag in Thüringen wieder möglich - allerdings immer noch mit Abstand. Statt eines Verbots gibt es jetzt lediglich die Empfehlung, sich nicht mit mehr als einem weiteren Haushalt oder zehn weiteren Menschen zu treffen. In vielen anderen Bundesländern gelten Kontaktbeschränkungen dagegen noch bis mindestens Ende Juni.

 Gäste sitzen auf der Terrasse einer Bar.
In Thüringen wurden die Corona-Regeln gelockert. (Symbolfoto) Bildrechte: dpa

Familienfeiern, Essen in größeren Runden, Anstoßen bei bestandenen Prüfungen: In Thüringen sind solche Zusammenkünfte seit Samstag wieder möglich. Als erstes Bundesland hat der Freistaat seine Kontaktbeschränkungen wegen der Corona-Pandemie beendet und aufgehoben. Bislang durften sich in Thüringen nur Menschen von maximal zwei Haushalten treffen. Nun gelten nur noch Empfehlungen: Man soll sich mit nicht mehr als einem weiteren Haushalt oder zehn weiteren Menschen treffen. Daran gibt es Kritik, auch in Thüringen selbst.

Bayern hält Thüringer Weg für unverantwortlich

In anderen Bundesländern drohen bei Verstößen Bußgelder. Wer sich in Thüringen nicht an die Empfehlungen hält, muss mit keinerlei Konsequenzen rechnen. Bayern nannte den Weg des kleineren Nachbarlandes "unverantwortlich", auch Hessen reagierte skeptisch. Brandenburg hingegen zog am Freitag nach: Ab Montag fallen auch in diesem Bundesland die Kontaktbeschränkungen. Abstands- und Hygieneregeln aber bleiben - wie in Thüringen auch.

In vielen Bundesländern gelten Kontaktbeschränkungen noch bis mindestens Ende Juni. Thüringens Ministerpräsident Bodo Ramelow (Linke) hatte vor gut drei Wochen bundesweit für Aufregung gesorgt, als er ankündigte, den Bürgern wieder mehr Eigenverantwortung zutrauen und von Verboten zu Geboten übergehen zu wollen. Auch wenn diese Richtung mit dem Ende der Kontaktbeschränkungen nun eingeschlagen ist - alle Freiheiten haben auch die Thüringer noch nicht zurück.

Maskenpflicht in Thüringen bleibt

Im öffentlichen Personenverkehr wie Bus, Bahn oder Tram müssen die Menschen weiterhin Masken tragen, genauso in Geschäften und Supermärkten. Diskotheken und Bordelle bleiben geschlossen. Ausladende Familienfeiern mit mehr als 30 Menschen in geschlossenen Räumen oder mehr als 75 Menschen unter freiem Himmel müssen bei der jeweiligen Kommune zwei Tage im Voraus angemeldet werden. Auch für Festivals stehen die Chancen nach Angaben von Gesundheitsministerin Heike Werner (Linke) eher schlecht - auch wenn es neuerdings prinzipiell möglich ist, dafür Ausnahmegenehmigungen zu beantragen.

Auch Zustimmung zu Aufhebung der Kontaktbeschränkungen

Weit weniger kritisch als in anderen Ländern wird Ramelows Weg von der Opposition in Thüringen gesehen. Die CDU kritisiert zwar die neue Grundverordnung als zu bürokratisch und moniert bestimmte Regeln für Gastronomie und Hotellerie. Mit der Aufhebung der Kontaktbeschränkungen ist sie aber einverstanden. "Angesichts der dauerhaft niedrigen Fallzahlen halten wir die Beendigung der Kontaktbeschränkungen in Thüringen für richtig", erklärte der parlamentarische Geschäftsführer der CDU-Fraktion, Andreas Bühl. Auch die AfD-Fraktion ist für die Aufhebung der Kontaktbeschränkungen. Ihr gehen die Lockerungen aber insgesamt nicht weit genug, und sie fordert, auch die Maskenpflicht zu beenden. Dies sei überfällig, sagte ein Sprecher der Fraktion.

Jenas Oberbürgermeister kritisiert Lockerungen

Als "verfrüht" kritisierte Jenas Oberbürgermeister Thomas Nitzsche (FDP) dagegen das Ende der Kontaktbeschränkungen. Die Verordnung sei mutig, sagte er in einer Videobotschaft zum Wochenende. "Nur ist das eine Art Mut, dessen Nachbar der Leichtsinn ist." Jena war in der Corona-Pandemie bundesweit Vorreiter in Sachen Maskenpflicht. Es sei zwar gut, die Eigenverantwortung der Bürger zu stärken, betonte Nitzsche. Er befürchte aber, dass Corona-Leugner und Masken-Gegner die neuen Freiheiten ausnutzen werden. "Die Disziplin vieler (...) kann durch die Nichtdisziplin einiger weniger unterlaufen und am Ende komplett ausgehebelt werden. Und wir haben keine Handhabe dagegen."

Zuvor hatte der thüringische Landkreistag die neue Grundverordnung sowie die Verordnung des Bildungsministeriums kritisiert. Sie müssten schnellstens überarbeitet und den realen Bedingungen vor Ort angepasst werden, hieß es.

Viel Kritik gibt es auch daran, dass Kontaktdaten von Gästen in Gaststätten sowie von Besuchern öffentlicher Veranstaltungen und Einrichtungen erfasst werden müssen. Deswegen haben die KZ-Gedenkstätten Buchenwald und Mittelbau-Dora ihre Ausstellungen und historischen Gebäude vorerst geschlossen. Auch der Bauernverband sprach von einem enormen bürokratischen Aufwand für Hofläden und Fleischereien mit Imbissangebot.

Kontaktdaten sollen bei Nachverfolgung der Infektionen helfen

Gesundheitsministerin Werner verteidigte die Regelung am Samstag in einem Video auf Twitter. "Mehr Lockerung bedeutet, dass auch die Gefahr von Infektion steigt", betonte sie. Deswegen sei es wichtig, dass im Ernstfall Infektionsketten schnell unterbrochen werden können. Dafür seien die Kontaktdaten wichtig.

In der nächsten Woche sprechen erneut die Ministerpräsidenten mit der Bundeskanzlerin Angela Merkel (CDU) über die Corona-Pandemie.

Quelle: MDR THÜRINGEN/dpa,maf

Dieses Thema im Programm: MDR THÜRINGEN | MDR THÜRINGEN JOURNAL | 13. Juni 2020 | 19:00 Uhr

57 Kommentare

Hinterfragender vor 18 Wochen

Falscher Ansatz, @Fakt,
wenn Sie ein Zäpfchen falsch benutzen, schädigen Sie sich selbst,
nicht andere.
Benutzen Sie ein und dieselbe Maske ungereinigt 2 Wochen lang,
schädigen Sie nicht nur sich selbst durch angesammelte Bakterien,
sondern auch viele andere durch nicht mehr vorhandene
Wirksamkeit.
Aber nicht nur Sie tragen vielleicht eine ungereinigte Maske, sondern
...zig andere auch.
Unterschied erkannt?

JanoschausLE vor 18 Wochen

CRITICA
"... Hier wird den Menschen Eigenverantwortung abgesprochen.
Im Übrigen hatte ich diesen Text schon einmal geschrieben, er wurde aber vom mdr gecancelt. Warum eigentlich? Meinungsfreiheit ist ein hohes Gut, sogar gesetzlich GESCHÜTZT.."

Eigenverantwortung hat hier aber auch mit Verantwortung gegenüber anderen zu tun. Was Sie hier wollen, ist Egoismus, nach dem Motto" Die anderen müssen das Risiko eingehen in meiner ungeschützten Umgebung aufhältig zu sein".

Klar können Sie Ihre realitätsferne Meinung äußern, praktizieren Sie hier ja auch zu Hauf. Also hier latent anzudeuten, dass Ihre Meinung verboten wäre zieht hier nicht. Sie ist einfach realitätsfremd, da müssen Sie schon akzeptieren, dass aufgeklärte User FAKTENBASIERT GEGENARGUMRNTIEREN. Wenn Sie das negieren, clever und klug geht anders.

JanoschausLE vor 18 Wochen

Critica, Sie ignorieren ganz einfach die Tatsache, dass sich, wissenschaftlich real belegt, das Virus in geschlossenen Räumen in den Aerosolen von ausgeatmeter Luft anderer recht lange in der Luft hält. Ihre Realitätsferne, da kann ich nur beipflichten, wie es Ines sagte "Herr, lass Hirn regnen". Ihr Zahnarzt setzt auch in erster Linie zu IHREM Schutz die lästige Maske auf. Wie schnell sich plötzlich ein Hotspot entwickelt, das hat man damals in Heinsberg und kürzlich in Göttingen und Schleswig-Holstein gesehen. Das ist die Realität.

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